Historie Als der Krieg nach Bietigheim kam

Von Uwe Mollenkopf
Dieses Bild zeigt schwedische Soldaten im Dreißigjährigen Krieg. Die Schweden verschanzten sich 1634 auf dem Hohenasperg. Foto: Archiv

In der Vergangenheit musste die Region immer wieder unter militärischen Konflikten leiden. Besonders schlimm war der Dreißigjährige Krieg.

Der russische Überfall auf die Ukraine hat die Schrecken eines Krieges nach Europa zurückgebracht. Aufrüstung und Waffenlieferungen sind jetzt die Schlagworte. Schaut man in die Vergangenheit zurück, so sahen sich die Bewohner auch hierzulande immer wieder mit der Kriegsgefahr konfrontiert, wie einige Beispiele aus Bietigheim zeigen.

Im 10. Jahrhundert waren es die Ungarn, die als Reiterkrieger immer wieder in Raub- und Plünderungszügen nach Westen vordrangen. Wie bei Ausgrabungen von Dr. Ingo Stork auf dem Gelände des ehemaligen römischen Gutshofs Weilerlen herausgefunden wurde, wurden dort – möglicherweise im Jahr 926 – zwei Menschen Opfer eines ihrer Überfälle. Stork fand die Skelette zweier Männer, von denen einer durch einen ungarischen Pfeil in den Rücken, der andere durch eine Attacke mit dem Säbel zu Tode kam. Er vermutet, dass die beiden Personen Einwohner des nahe gelegenen, später abgegangenen Weilers "Hofen" waren. Den Angriffen der Ungarn machte schließlich 955 König Otto der Große mit seinem Sieg auf dem Lechfeld bei Augsburg ein Ende.

Graf Eberhard greift an

Von einem Angriff im Jahr 1291 berichtet die Sindelfinger Chronik. Der Aggressor in diesem Fall: der württembergische Graf Eberhard. Er fiel damals mit einem großen Heer „von Rittern und Mannen“ in Bietigheim, das damals noch Dorf war, ein und ließ dort Dörfer und Weinberge zerstören, eventuell auch die Bietigheimer Burg.

Während dieser Konflikt als Adelsfehde einzustufen ist, waren es im April 1525, während des „Bauernkriegs“, aufständische Bauern, welche Bietigheim, nunmehr Stadt, heimsuchten. Bürger wurden ausgeplündert, das Rathaus gestürmt, Amtsträger als Geiseln genommen und die Registratur verwüstet. Unter anderem durch den Einsatz von Adam und Sebastian Hornmold gelang es aber, die Bauern davon abzubringen, Amtspersonen umzubringen, indem man diese durch die Spieße jagte, wie dies damals üblich war.

Erst Plünderung, dann Seuche

Insgesamt kam die Stadt im Bauernkrieg aber vergleichsweise glimpflich davon. Dagegen traf sie der Dreißigjährige Krieg mit voller Wucht. Nach der Schlacht bei Nördlingen im August 1634 verschanzten sich (evangelische) schwedische Truppen auf der Festung Hohenasperg, wohin sich auch Angehörige der Bietigheimer Oberschicht zurückzogen, während die (katholischen) kaiserlichen Truppen bei der Verfolgung auch in Bietigheim eindrangen. Die Stadt wurde geplündert, etliche Einwohner wurden verletzt beziehungsweise getötet.

Dies setzte sich auch in der Folgezeit fort, wobei nicht nur die Bietigheimer Bevölkerung litt. „Die Masse des kaiserlichen Heeres überschwemmte die Dörfer und Städte des Umlandes und richtete sich auf seine Weise auf die Belagerung der Festung ein: Die Bevölkerung wurde drangsaliert, Geld herausgepresst, Schätze wurden gehoben“, stellt Stefan Benning im Buch „Bietigheim 789 - 1989“ fest. So wurde im September auch halb Bissingen niedergebrannt.

Bevölkerungsrückgang

Die Besatzung des Hohenaspergs hielt bis Juli 1635 durch, doch damit war das Elend für die Bietigheimer noch lange nicht vorbei. Eine Seuche, wahrscheinlich die Beulenpest, die zuvor auf dem Asperg gewütet hatte, kam auch nach Bietigheim. Laut Benning verzeichnete man hier 1635 insgesamt 585 Tote. Bis zum Kriegsende 1648 und auch noch danach wurde die Stadt immer wieder von durchziehenden Truppen, Hunger und Krankheiten geplagt. Lebten Anfang 1634 rund 1800 Personen in Bietigheim, waren es 1652 nur noch 593 – ein Rückgang von mehr als 70 Prozent.

Nachdem sich die Stadt in den folgenden Jahrzehnten etwas von den Kriegsfolgen erholt hatte, brachten die Franzosenkriege in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts einen erneuten Rückschlag. Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. machten wiederholt Vorstöße nach Württemberg.

Die Franzosen kommen

Am Schlimmsten war es 1693, als Bietigheim sieben Wochen lang von französischen Truppen besetzt war. Mehrere Bürger wurden umgebracht, drei Häuser niedergebrannt und die Wein- und Getreideernte nahezu vollständig vernichtet, so Benning. Erneut brach danach eine Hungersnot mit vielen Toten aus, von einer Seuche blieb die Stadt diesmal aber verschont. In Bissingen wurden durch den Franzoseneinfall 42 Häuser durch Brand zerstört, von Metterzimmern hieß es hinterher: „Der mehrere Teil des Dorfes ist gestorben und verdorben“, schreibt Andreas Walter in seiner Ortschronik.

Während der Napoleonischen Kriege wurde 1799 in der hiesigen Gegend gekämpft, die französischen Truppen konnten jedoch im Gefecht bei Erligheim zurückgeschlagen werden.

Kurze Zeit Frontstadt

Zuletzt kam der Krieg im April 1945, gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, zurück nach Bietigheim, als die Stadt kurzzeitig Frontstadt wurde. Deutsche und Franzosen lieferten sich über die Enz hinweg ein Artillerieduell, die Brücken waren zerstört worden. 19 Bietigheimer, die von den Franzosen auf den Kleinsachsenheimer Sportplatz abgeführt wurden, starben damals durch deutsche Granaten. Mit dem Einmarsch der Franzosen und später der Amerikaner endeten die Kampfhandlungen in der Region dann noch vor dem Kriegsende am 8. Mai. Seitdem kennt man hierzulande den Krieg zum Glück nur noch aus Geschichtsbüchern und Erzählungen.

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