Hitzeschutz im Kreis Ludwigsburg „Ein Baum ist der beste Hitzeschutz“

Von Gabriele Szczegulski
1989, zur Landesgartenschau, hatte die Stadt Bietigheim-Bissingen grüne Oasen an der Enz angelegt. Heute ist etwa der Overland-Park-Garten (im Bild) Frischluftschneise und Schattenplatz in einem und wird der Stadt in noch heißeren Zeiten Hitzeschutz bieten. Foto: /Martin Kalb

Die Kommunen machen seit einiger Zeit Konzepte zu Hitzeschutz und Wassermangel. Das Land verspricht Förderung bei der Klimafolgeanpassung.

Anfang August hat das Land Baden-Württemberg das Klimaschutzgesetz um eine Änderung in der Klimafolgenanpassung ergänzt. Jede Kommune soll eine Anpassungsstrategie erarbeiten, die Faktoren wie Hitze oder Starkregen und ihre Folgen für die Kommunen umfasst. Für die Realisierung der Anpassungsstrategie erhalten die Kommunen vier Euro pro Bewohner an Förderung vom Land. Die Kommunen sind aufgefordert, bis 2031 eine Art Konzept zu erstellen, aber das Thema ist in den meisten Kommunen schon auf dem Tisch. Sie nehmen das Thema Hitzeschutz sehr ernst.

Bietigheim-Bissingens Baubürgermeister Michael Wolf erklärt das angepasste Konzept des Landes: „Zuerst muss eine Klimawirkungsanalyse für die Stadt erstellt werden – wo sind die Hitze-Hotspots, wie sehr und wo ist die Stadt vom Klimawandel betroffen.“ Dies sei eine Art Betroffenheitsanalyse, die zum Beispiel potenzielle Risiken für vulnerable Gruppen aufzeige, aber auch, wie im Falle der Bietigheimer Innenstadt, positive Situationen. Denn durch die Enz kommen Frischluftströme in die Stadt, die das Klima in der Stadt verbessern. Weitere Punkte in der Analyse sind Wasser und Wassermangel, Trockenheit, Artenschutz sowie der Baumbestand.

In einem zweiten Schritt soll aus der Analyse ein Maßnahmenkatalog entstehen. „Dazu gehört auch die Aufgabe, wie man den Baumbestand richtig pflegt, um ihn zu erhalten. Oder die Frage zu beantworten, mit welchen Bäumen wir überhaupt arbeiten können.“ Für Wolf sind die Bäume in der Stadt ein zentraler Punkt des Hitzeschutzes: „Ein Baum ist der beste Hitzeschutz, den es gibt und der über Jahre bestehen bleibt. Wir müssen noch mehr an Bäume denken.“ Dieser Punkt müsse auch in „die Köpfe der Haus- und Grundbesitzer eingepflanzt werden, die allzu gerne bereit sind, einen Laubbaum wegen der Arbeit oder einen alten Obstbaum, weil er nicht mehr genug trägt, abzusägen.“ Auch die Stadt werde zukünftig vermehrt Bäume an Straßen pflanzen, um sogenannte Schatteninseln zu schaffen. Überall in der Stadt werde nach dem „Baum-und-Bank-Prinzip“ gearbeitet, um „genug schattige Plätzchen“ zu haben.

„Wir haben bisher ein Radwege- und ein Verkehrskonzept geschaffen und umgesetzt, nun ist es an der Zeit, dass wir auch ein Fußwegekonzept erarbeiten, das die Quartiere miteinander verbindet und solche schattigen Inseln beinhaltet“, so Wolf. Die Stadt Bietigheim-Bissingen habe aber „schon lange mitgedacht“.

Blau-grüne Infrastruktur in den Neubaugebieten

Mitgedacht, so Wolf, habe man beispielsweise im Lothar-Späth-Carre, dem man eine sogenannte „blau-grüne Infrastruktur zugrunde lege“, die eine Art Schwammstadt ergebe. Viele Wasserläufe, Trinkbrunnen, Sprühnebel und ein Wasserspielplatz sowie ein strukturiertes Wassermanagement mit Förderpreisen für private Hauseigentümer für Zisternen sei die „blaue Infrastruktur“. Der grüne Teil seien viele Bäume, Grünflächen in allen Freiräumen und auf den Dächern, Gärten um die Häuser und die Einhaltung der Biodiversität. Um der Aufgabe der Klimafolgenanpassung besser gerecht zu werden, habe die Stadt nun auch das Grünflächen- und das Tiefbauamt zusammengelegt. „Es ist von Vorteil, wenn Planung und Umsetzung in einem Haus passieren“, so Wolf.

Auch die Stadt Sachsenheim ist derzeit dabei, eine Art Klimafolgeplan als Rahmenplan zu erstellen. „Es ist uns klar, dass wir dranbleiben müssen, seit 2019 verfolgen wir die Umsetzung der Maßnahmen zum Klimaschutz, aber angesichts knapper Finanzen muss man auch sehen, was durchführbar ist“, sagt Tanja Ewald, stellvertretende Teamleiterin Stadtentwicklung und Bauen. Seither werde versucht, so Ewald, den Flächenverbrauch in der Innenstadt zu reduzieren und zur Verschattung Grünflächen und Bäume, so es geht, anzulegen. Für die Baugebiete gebe es Anreize, eine geringere Oberflächenversiegelung durchzusetzen. Im Rahmenplan sind Trinkbrunnen vorgesehen, eine nachhaltige Regelung zur Entwässerung, Freianlagen mit Begrünung sollen geplant werden, Privateigentümer sollen durch Zuschüsse angeregt werden, beispielsweise in die Pflanzung von Bäumen zu investieren.

Eine spannende Frage sei die der Gestaltung des Weges für Fußgänger von der Von-König-Straße zum Bahnhof. Einerseits solle der Blick in die Stadt geöffnet werden, andererseits aber auch sogenannte Inseln mit Schattenplätzen entstehen. „Da fallen dann Parkplätze weg und das will die Bevölkerung auch nicht, da muss man behutsam vorgehen und Bewusstsein für die Folgen des Klimawandels schaffen“, sagt Ewald. Sie könne sich auch Wasserspielplätze vorstellen, das sei aber eine Geldfrage. Man arbeite in der Stadtplanung eng mit der städtischen Klimaschutzbeauftragen zusammen.

Kühle Orte sollen als Trittsteine gestaltet werden

Ludwigsburg habe schon seit einigen Jahren ein Klimaanpassungskonzept – sowohl für die Innenstadt als auch die Stadtteile, sagt Baubürgermeisterin Andrea Schwarz. Vor drei Jahren wurde ein Hitzeplan erstellt. „Wir haben mancherorts ein Klima wie in Neapel“, sagt sie. Der Hitzeplan zeige, wie die dunkelroten Bereiche zunehmen. Kaltluftschneisen müssten geschaffen werden und generelle Maßnahmen zum Hitzeschutz. Zwischen den Schattenorten in den Alleen der Stadt und in den Bereichen, die in der Sonne liegen, sollen kühle Orte als Trittsteine gestaltet werden. Mehr städtische Flächen, wie der Arsenalplatz oder der Ehrenhof, sollen entsiegelt werden und Raum für weitere Bäume schaffen. Auf dem Ehrenhof sorgen Pflastersteine für Wasserkondensation. Gleichzeitig werden Zisternen gebaut, mit deren Wasser Bäume gegossen werden. Wasser von Wasserspielplätzen und Wasserfontänen soll der Abkühlung dienen. „Der Rathaushof, der total in der Sonne liegt und der nicht entsiegelt werden kann, weil unter ihm das Parkhaus ist, beschäftigt uns schon. Da sind wir noch dran, eine Lösung zu finden“, sagt Schwarz. Neue Ideen wie die Begrünung städtischer Fassaden sollen auf ihre Machbarkeit und Finanzierung hin untersucht werden.

„Das Thema Hitze ist bei uns immer präsent und in unserem Gemeindeentwicklungsplan verankert“, sagt Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold und zeigt damit, dass sich auch kleine Kommunen Gedanken über die Klimawandelfolgen machen.

Dem Motiv einer Schwammstadt nahe kommen

Vor allem in neuen Baugebieten könne man Einfluss auf die klimafreundliche Gestaltung nehmen. Die Gemeinde selbst hat die neue Polizeiwache in Holzmassivbauweise errichten lassen. Beim Bau der Gemeindehalle wurden nur recycelbare Materialien verwendet, das Dach wurde begrünt und Bäume wurden gepflanzt. Flächen wie am Bahnhof sollen entsiegelt werden. „Wir versuchen, dem Motiv der Schwammstadt nahe zu kommen“, so Seibold. Schattenplätze gebe es durch große Bäume und an der „Oase“ Mühlbach. Auch der innerörtliche Friedhof sei eine Schattenoase mitten im Ort, genauso wie der schattige Ochsengarten.

 
 
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