Bietigheim-Bissingen verbietet Brauch Keine Tauben zur Hochzeit

Von Heidi Vogelhuber
Zwei von vier der in der Bietigheimer Altstadt gesichteten Hochzeitstauben konnten gerettet und zur ehrenamtlichen Wildvogelhilfe Göppingen gebracht werden. ⇥ Foto: Wildvogelhilfe

Vier weiße Tauben, die für den umstrittenen Hochzeitsbrauch des Fliegenlassens eingesetzt werden, wurden in der Altstadt gesichtet. Dabei ist dieser Brauch in Bietigheim verboten.

Die Hochzeit wird als der schönste Tag im Leben bezeichnet. Im Kreise der Familie und guter Freunde feiert das Paar diesen Tag mit allerlei Bräuchen. Das Anschneiden der Hochzeitstorte ist ein Klassiker, ebenso das Werfen des Brautstraußes. Ein vermeintlich romantischer Brauch ist es auch, weiße Tauben, sogenannte Hochzeitstauben, steigen zu lassen. Dies jedoch kann für die Tiere tödlich enden. Anfang November ist es in der Altstadt von Bietigheim-Bissingen zu einem solchen Fall gekommen.

Vier weiße Tauben

„Insgesamt vier waren es, für die der schönste Tag des Menschen zu ihrem schlimmsten wurde“, schrieb die ehrenamtliche Wildvogelhilfe Göppingen auf Facebook. Vier Hochzeitstauben ließ vermutlich ein Brautpaar in Bietigheim in den Himmel steigen. Da die Vögel jedoch weder beringt noch trainiert waren, konnten sie nicht zu ihrem Heimatschlag zurückfinden. So irrten sie orientierungslos in der Innenstadt umher, wo sie von Bürgern gesichtet wurden. Zwei Personen erkannten den Ernst der Lage und kontaktierten Anja Noll, die Betreiberin der Wildvogelhilfe Göppingen. Das Einfangen gestaltete sich schwierig, zog sich über Tage. Indessen wurde eine der vier weißen Tauben überfahren und tot aufgefunden, eine weitere ist verschollen. Zwei wurden in die ehrenamtliche Wildvogelhilfe Göppingen gebracht und von Anja Noll aufgepeppelt. „Viele Pflegestellen sind überlaufen“, erklärt Noll, warum die Vögel gerade bei ihr landeten. Die Göppingerin nimmt im Jahr zwischen 300 und 400 Vögel, Igel und Mäuse auf.

Bei den Bietigheimer Hochzeitstauben handele es sich um noch relativ junge Brieftauben, die noch nicht erfahren genug gewesen wären, selbst wenn man mit dem Flugtraining bereits begonnen hätte. Da sie nicht beringt waren, glaubt Noll jedoch, dass sie „als Wegwerfprodukt verkauft worden sind.“

Prinzipiell finden trainierte Tauben nämlich zu ihrem Züchter oder vielmehr zu ihrem Heimatschlag zurück, erklärt die Vogelexpertin. Und das im Umkreis von 50 Kilometern.

Standorttreue Tiere

Tauben sind standorttreu. Ganz davon abgesehen, dass die Tiere aber auf ihrer Heimreise Greifvögeln ausgesetzt sind, haben weiße Zuchttauben oftmals einen weniger ausgeprägten Orientierungssinn, so Noll.

„Das ist Tierquälerei“, sagt Ulrich Hirsch, Vorsitzender der NABU-Gruppe Bietigheim-Bissingen, auf Nachfrage der BZ. Der NABU lehne diesen Hochzeitsbrauch ab, ob nun von trainierten oder untrainierten Vögeln. Es sei nicht akzeptabel, Tiere als Objekte zu missbrauchen. Der NABU wünscht sich ein Machtwort durch die Stadt.

Ein solches Machtwort hat die Stadt Bietigheim-Bissingen jedoch bereits gesprochen, wie Stadtsprecherin Anette Hochmuth mitteilt. Es gibt einen Flyer, den jedes Brautpaar bei der Anmeldung zur Eheschließung bekommt, der unmissverständlich besagt, dass „das Fliegenlassen von Tauben untersagt“ ist. Die Infos sind auch an die Hochzeitsgäste weiterzugeben.

Kontrolle vor dem Standesamt

„Den letzten unerlaubten Vorfall gab es vor einem Jahr, als eine verwirrte Taube dann am Gebäude wieder eingefangen werden musste. Die Kolleginnen vom Standesamt konnten seinerzeit glücklicherweise den Veranlasser ausfindig machen“, berichtet Hochmuth. „Aber seither gab es eigentlich keine Anlässe mehr, soweit von uns feststellbar.“ Natürlich habe die Stadt aber keine Möglichkeit zu kontrollieren, was an einem anderen Ort als vor dem Standesamt geschehe. Die Vermutung ist nun, dass die vier weißen Tauben in der Bietigheimer Altstadt fliegen gelassen worden sind, aber eben nicht vor dem Standesamt, wo das Stadtpersonal das hätte verhindern können.

 
 
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