Hoffnungshäuser „Es geht nicht, dass Menschen ausgegrenzt werden“

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Vor rund 20 Jahren ist eine Gruppe von Hauseigentümer ins Bönnigheimer Schlossfeld gezogen, die sich jetzt öffentlich für das Projekt Hoffnungshäuser positioniert. ⇥ Foto: Werner Kuhnle

Im Wohngebiet Schlossfeld signalisiert eine Gruppe von Nachbarn bewusst öffentlich ihre Unterstützung für die Hoffnungshäuser.

Seit rund 20 Jahren wohnen sie im Schlossfeld, haben dort ihren persönlichen Lebensmittelpunkt und haben Freundschaften innerhalb der Nachbarschaft entwickelt. Carola Baugard-Bleil, Bernhard Bleil, Regina Gradilone, M.-Cathrine Lemaitre-Münzenmaier, Werner Münzenmaier sowie Joachim und Ortrud Scherer haben nun die BZ-Redaktion zu einem Gespräch eingeladen, um ein Zeichen für den Bau der Hoffnungshäuser im Bönnigheimer Schlossfeld zu setzen: „Es gibt auch Bewohner im Schlossfeld, die mit ihrem Namen für die Idee der Hoffnungshäuser stehen“, betont Carola Baugard-Bleil.

Wie in der BZ berichtet, gibt es die grundsätzliche Zustimmung des Bönnigheimer Gemeinderats der Hoffnungsträger Stiftung zwei städtische Grundstücke im gerade zu erschließenden Baugebiet „Schlossfeld II Süd“ zur Verfügung zu stehen, um dort zwei Mehrfamilienhäuser für integratives Wohnen zu bauen. In der Kirbesitzung des Gemeinderats in Hohenstein wurde das Projekt den anwesenden Bürgern vorgestellt und es gab eine Informationsveranstaltung der Stadt, bei der Bedenken von einigen Anwohnern formuliert wurden: Es sei der falsche Standort, und „was passiert, wenn hier IS-Kämpfer und Pädophile resozialisiert werden und der Kindergarten daneben ist?“, wie es ein Teilnehmer der Infoveranstaltung ausdrückte.

Und es gibt seit 6. Oktober im Wohngebiet Schlossfeld direkten Widerstand gegen dieses Projekt. Zehn Anwohner haben sich nach Auskunft von Mitinitiator Michael Rank zusammengefunden, um mit diversen Flugblättern weitere Unterstützer für ihre „Bürgerinitiative Schlossfeld“ zu finden, in dem sie „eine neue, offene und faire Konzept- und Standortdiskussion – mit transparenter Information, Kommunikation und Einbeziehung aller Bürger“ fordern. „Unsere Unterschriftenliste hat inzwischen rund 100 Namen“, sagte Mitte Oktober Rank im Gespräch mit der BZ.

Im Oktober wurden Flugblätter gegen das Projekt Hoffnungshäuser verteilt. „Schon die anonyme Aufforderung finden wir schon seltsam“, sagte Baugard-Bleil im Gespräch mit der BZ: „Was ich als abschreckend darin empfinde, ist, dass Menschen ausgegrenzt werden.“ „Es geht nicht, dass arme Leute diskriminiert werden“, ergänzte M.-Cathrine Lemaitre-Münzenmaier, denn es sei wichtig, Menschen zu integrieren.“ Den Zusammenschluss der Nachbarn erklärt Regina Gradilone: „Wir wollen zeigen, dass es im Schlossfeld Anwohner gibt, die das Projekt befürworten.“ Für Bernhard Bleil kann es nicht sein, „dass man in einem Stadtteil, der relativ wohlhabend ist, andere Menschen ausgrenzt“. Natürlich gebe es auch Hemmungen, in der Öffentlichkeit Stellung zu nehmen, aber dennoch haben sich die sieben langjährigen Nachbarn im Schlossfeld entschlossen ihre Unterstützung für das Projekt Hoffnungshäuser öffentlich zu machen.

Es gebe im Schlossfeld schon jetzt eine bunte Mischung an Nationalitäten, sagte Baugard-Bleil, die selbst gebürtige Belgierin ist. Kritik übt Ortrud Scherer an den verteilten Flugblättern: „Die Flugblätter sind auch recht übergriffig, und sie implizieren, dass es eine Mehrheit im Schlossfeld gegen die Hoffnungshäuser gibt.“ Man sehe, dass es für die Bürgerinitiative „ein sehr emotionales Vorhaben ist“, ergänzt Gradilone. Dagegen will die siebenköpfige Gruppe von Nachbarn eben ein Zeichen setzen.

Info Auf Nachfrage der BZ sagte Alfred Dautel, Bönnigheimer Bürgermeister, dass es zurzeit keinen neuen Sachstand gebe. Nachdem die Vergaberichtlinien für die Grundstücke im Schlossfeld vom Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen wurden (die BZ berichtete), werden man nun die notwendigen Gespräche mit der Hoffnungsträger-Stiftung führen.

 
 
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