Hohenhaslacher Künstler Außergewöhnlicher Künstler mit besonderer Erscheinung

Von Gabriele Szczegulski
Im Foyer der Galerie Bietigheim-Bissingen wird dem Künstler mit einer Auswahl seiner Werke gedacht. Foto: /Oliver Bürkle

Der Künstler Adam Lude Döring, der in Häfnerhaslach lebte, wäre am 21. Dezember 100 Jahre alt geworden.

Wenn der Sachsenheimer Künstler Adam Lude Döring den Raum betrat, nahm seine Erscheinung alle in seinen Bann“, sagt Isabell Schenk-Weininger, die Leiterin der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen. An die 60 Werke des Häfnerhaslachers beherbergt die Galerie. Am Sonntag, 21. Dezember wäre Lude Döring 100 Jahre alt geworden. Verstorben ist der Künstler am 24. Dezember 2018 im Robert-Breuning-Stift in Besigheim. Seit 1978 wohnte er mit seiner Frau in Häfnerhaslach. „Das Haus war einen Besuch wert“, sagt Schenk-Weininger. Das Ehepaar empfing gerne Gäste, vor allem ganz oben, unterm Dach, in einem Raum, der mit Kunst ausgefüllt war. „Es war ein sinnliches Erlebnis, dort zu sein“, so die Galerieleiterin

Die Bietigheim-Bissinger Galerie hat ihm eine ganze Wand zum Geburtstag gestaltet. Und auch die Bietigheim-Bissinger Galerie Bayer und die Galerie Keim in Stuttgart-Bad Cannstatt würdigen den Künstler mit einer Schau von 100 seiner Werke.

Adam Lude Döring war ein außergewöhnlicher Künstler und ein Original. Mit seiner herzlichen Art wickelte er die Menschen um seinen Finger. Selbst im Seniorenheim in Besigheim, wo er die letzten Jahre nach dem Tod seiner Frau Grete, die er zärtlich „Mungo“ nannte, lebte, schuf er sich eine Bühne. Er zeichnete und unterhielt seine Mitbewohner.

Künstlerisch war er weit über die Region Stuttgart hinaus bekannt. Vor allem seine 100-Felder-Bilder, die er bewusst konstruierte und streng ordnete. Hauptthema seines Werkes sind Menschen – Hände, Köpfe, Sportszenen und Alltagsdarstellungen prägten sein Werk. Vor allem dem Zirkus, dem Tanz und Sportarten wie Tischtennis und Tennis, die er selbst ausübte, galt sein Augenmerk. Er beobachtete, wo er ging und stand, selbstverständlich auch zeichnerische mit dem Bleistift in der Hand.

Figürliches Malen, entgegen des Zeitgeists

Von Anfang an arbeitete er figürlich, stellte sich gegen den herrschenden Zeitgeist der Kunstszene, der sich in den 1960er-Jahren vor allem auf abstrakte Arbeiten fokussierte. Diesem Ansatz war er treu geblieben, allerdings entwickelte er mit seinen 100-Felder-Bildern durchaus auch grafische Seiten innerhalb seines figürlichen Schaffens.

Malerei als persönliche und künstlerische Spielwiese

„Der Zufall ist viel zu wichtig, als dass man ihm dem Zufall überlassen dürfte“, war einer seiner markantesten Aussprüche zu seiner Kunst. So wirken zwar beispielsweise seine 100-Felder-Bilder sehr konstruiert, teilweise sieht man noch die Bleistiftlinien, aber weil Döring Quadrat nach Quadrat in einem Bild malte und nicht das gesamte Werk plante, war selbst für ihn als Erschaffer das Ergebnis überraschend.

Die Malerei war seine Spielwiese, deshalb wird er in der Ausstellung der Galerie Bietigheim-Bissingen im Juli 2026 mit dem Titel „Spielwiese Kunst“ auch vertreten sein.

Biografie

Adam Lude Döring wurde 1925 in Dresden geboren. Nach dem Krieg übersiedelte er zuerst nach Köln, dann nach Stuttgart, wo er ab 1950 an der Freien Kunstschule Merz studierte. In den folgenden Jahren bis etwa 1964 arbeitete er als freier Grafiker und begann autodidaktisch zu malen und zu zeichnen. Ab 1967 studierte er als Gasthörer vier Semester Philosophie bei Max Bense in Stuttgart.

Sein erstes Atelier bezog Lude Döring 1958 im ehemaligen Rathaus in Alt-Sillenbuch bei Stuttgart. 1962 zog er mit seiner Frau Gretel, (geb. von Pannwitz) und gemeinsamer Tochter in ein Bauernhaus in Gutenberg auf der Schwäbischen Alb. Nach seiner ersten Einzelausstellung in Karlsruhe 1968, begann eine Zusammenarbeit mit den Künstlern Axel Arndt und Moritz Baumgartl. Im folgenden Jahr lag seine erste Teilnahme an der Jahresausstellung des deutschen Künstlerbundes. In den folgenden Jahrzehnten folgten zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen. Seit 1970 war er Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg[1] und seit 1972 im Deutschen Künstlerbund. Lude Döring wurde 1989 vom Baden Württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth zum Professor ernannt.

1978 kauften die Dörings ein Haus in Sachsenheim-Häfnerhaslach, wo er bis zum Tod seiner Frau lebte und arbeitete. Seine letzten jahre verbrachte er im Robert-Breuning-Stift in Besigheim. Seinen 90. Geburstag feierte er mit Ausstellungen in der Galerie Bietigheim-Bissingen und einer bei der Kreissparkasse in Ludwigsburg. Auch die Trauerfeier nach seinem Tod am 24. Dezember 2018 wurde in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen auf Wunsch von Tochter Michaela Duhme Döring und Enkel Ruben Duhme, der auch den künstlerischen Nachlass betreut, begangen.

 
 
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