Dr. Jan Beringer, Senior Scientific Expert bei Hohenstein, freut sich sehr, dass mit drei neuen Testmethoden für ballistische Schutzwesten ein neuer Prüfbereich für die Hohenstein Institute hinzugekommen ist. „Wir sind ein Spezialanbieter im Prüfungsbereich und mit der neuen Innovation haben wir ein weiteres Alleinstellungsmerkmal hinzugewonnen“, sagt Beringer im Gespräch mit der BZ.
Hohenstein Institute Hohenstein testet kugelsichere Westen
Der Prüf- und Forschungsdienstleister hat Methoden zur Bewertung ballistischer Einlagen entwickelt.
Reale Bedingungen werden im Test abgebildet
Ein interdisziplinäres Team aus Experten der Firma DuPont, einem Hersteller von Schutzwesten, und Hohenstein entwickelte die neuen Testmethoden, die eine präzise Bewertung ergonomischer Komforteigenschaften ermöglichen. „Unser Anspruch bei Hohenstein ist es, die realen Bedingungen der Nutzer möglichst genau abzubilden“, so Beringer. „Mit gezielten Trageversuchen wurden mögliche Konflikte und Bewegungseinschränkungen ermittelt. DuPont und Hohenstein haben Tests und dazugehörige Prüfgeräte und Module entwickelt, die das Trageerlebnis simulieren.“
Um den dringenden Anforderungen von Polizei- und Militärpersonal gerecht zu werden, sei es essenziell, Komfort und Flexibilität in weichballistischen Lösungen zu maximieren. Die Entwicklung von Testmethoden zur Bewertung von Schmerzempfinden und Bewegungseinschränkungen stelle dabei einen wichtigen ersten Schritt dar. „Durch die Nutzung der anerkannten Expertise von Hohenstein im Bereich Textilien und Tragekomfort können wir diese Lösungen für die Industrie vorantreiben und den Tragekomfort verbessern, sodass die Einsatzkräfte ihre Aufgaben effizienter erfüllen können“, ergänzte Christophe Djololian von DuPont.
Der Lower Costal Bending (LCB)-Test simuliert die Biegebewegung des Oberkörpers. Im Dienst führen solche Bewegungen zu Energieverlusten und schnellerer Erschöpfung des Trägers. Der Test quantifiziert den Energieverlust aufgrund der Steifigkeit einer ballistischen Schutzweste.
Für maximale Mobilität muss sich die ballistische Schutzkleidung optimal an den Körper des Trägers anpassen. Der Double Curvature Compression (DCC)-Test bildet die Form eines gekrümmten Torsos nach und nutzt digitale Bildgebung, um die Anpassungsfähigkeit und Mobilität der Schutzkleidung in den jeweiligen Benutzersituationen zu bewerten.
An den Stellen, an denen die Kanten einer ballistischen Weste auf den Körper treffen - am Unterbauch, am Hals oder am Arm - kann der Druck unangenehm sein. Der Edge Pressure (EP)-Test simuliert den Druck der Kanten auf den Körper und misst die dadurch entstehende lokale Druckbelastung.
Kunden sind Polizei, Militär und Hersteller
Die drei Testmethoden zur Bewertung von Komfort und Mobilität von weichballistischen Schutzwesten sind ab sofort bei Hohenstein als Prüfdienstleistung verfügbar. „Je nach Anforderung bieten wir unterschiedliche Lösungen an“, erklärt Dr. Jan Beringer. Unabhängige, zertifizierte Prüfungen können in den Hohenstein PSA-Laboren mit speziell entwickelten Testgeräten durchgeführt werden. Die drei Testmodule können außerdem käuflich erworben werden, um Herstellern von Schutzwesten die Produktentwicklung sowie die Bewertung der Auswirkungen für die Endanwender zu erleichtern. Kunden, so Beringer, seien Polizei, Militär, Sicherheitsfirmen und andere Einsatzkräfte, aber auch Hersteller von Materialien für Schutzwesten.
