Hoher Besuch Ein Generalmajor auf Spurensuche in Besigheim

Von Gabriele Szczegulski
Der ehemalige Generalmajor der Bundeswehr, Berthold Maria Schenk Graf von Stauffenberg, lässt sich von Wolfgang Steng, mit seiner Frau Christiane, und Ewald Anger (von links) Besigheim zeigen, wo sein Großonkel in Sippenhaft im ehemaligen Krankenhaus war. Foto: /Martin Kalb

Geschichte
 Berthold Maria Schenk Graf von Stauffenberg, Sohn des gescheiterten Hitler-Attentäters, schaut sich an, wo sein Großonkel inhaftiert war.

Der 20. April 1945 ging in die Geschichte ein als Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Generalmajor a. D. der Bundeswehr, Berthold Maria Schenk Graf von Stauffenberg, ist am 20. April 2026, dem Gedenktag, aus seinem Wohnort Oppenweiler nach Besigheim gekommen. Hier begibt er sich auf die Spuren seines Großonkels Franz Schenk, Freiherr von Stauffenberg, der 1944 einige Wochen im ehemaligen Krankenhaus im Besigheim inhaftiert war.

Sippenhaft in Besigheim

Berthold Maria Schenk Graf von Stauffenberg ist der älteste Sohn von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 unter dem Decknamen „Operation Walküre“ ein Sprengstoffattentat auf Hitler verübte, das jedoch nicht gelang. Daraufhin wurden Stauffenberg und seine Mitstreiter noch in der Nacht hingerichtet und die Familien der Widerständler in Sippenhaft genommen. Auch Stauffenbergs vier Kinder und die schwangere Ehefrau Nina. Und eben auch weitläufigere Verwandte, wie der Großonkel aus der freiherrlichen Linie der Familie.

Der 92-jährige Ex-General der Bundeswehr erinnert sich detailreich an die Tage nach der Hinrichtung seines Vaters. Nach seinen Gefühlen von damals gefragt, wirkt er wie das verschreckte zehnjährige Kind, das mit seinen Geschwistern in ein Kinderheim nach Bad Sachsa verschleppt wurde. „Wir hatten Angst und die Mutter war nicht da“, so Graf von Stauffenberg. Das Schicksal der Mutter war für die Kinder bis Kriegsende unbekannt. Näheres über den Tod des Vater sei ihnen nicht mitgeteilt worden, nur dass er ein Verräter sei. Die Trauer sei später gekommen. „Die Väter waren doch nie da, ich habe meinen Vater nicht so gekannt, wie meine Söhne mich“, sagt er.

Franz Schenk Freiherr von Stauffenberg, der Großonkel des Sohnes des Hitler-Attentäters, kam nach dem Attentat in das ehemalige Krankenhaus im Bühl in Besigheim in Sippenhaft. Das hat der Besigheimer Ewald Anger recherchiert. Er fand heraus, dass er durch die Gestapo nach Besigheim gebracht wurde und auf Betreiben des Bürgermeisters Karl Fuchs „im besten und größten Zimmer untergebracht“. Zu dem Schultes habe der Freiherr ein fast freundschaftliches Verhältnis entwickelt. „Warum genau der Freiherr nach Besigheim kam, weiß man bis heute nicht“, so Anger. Und auch die Bevölkerung habe nichts von dem prominenten Gast mitbekommen.

Freiherr ordert 24 Flaschen Wein

„Sie haben mich an ihren Besigheimer Wein gewöhnt“, schrieb von Stauffenberg nach seiner Entlassung an den Schultes und orderte 24 Flaschen Besigheimer Wein, so recherchierte Anger. Der wurde ihm auch in sein Forsthaus bei Freiburg geliefert, in dem er mit seiner Familie wohnte, und in dem später Ernst Jünger lebte und das heute dessen Gedenkstätte ist. Zudem sei dem Freiherrn in der Haft langweilig gewesen und so habe er den Schultes unterstützt, indem er bei Besigheimer Geflügelhaltern schriftlich Eier für die Gemeinde einforderte. Sechs Wochen weilte der Freiherr in Besigheim, dann wurde er entlassen, da er nur einer Seitenlinie der Stauffenbergs angehörte.

Mit Hilfe des Besigheimers Wolfgang Steng, ehemaliger Geschäftsführer des Deutschen Beamtenbundes, der aus seiner Amtszeit den Generalmajor kannte, wurde Berthold Maria Schenk Graf von Stauffenberg nach Besigheim eingeladen, um sich auf Spurensuche nach seinem Großonkel zu machen. „Ich hatte ein inniges Verhältnis zu meinem Großonkel, überhaupt sind wir Stauffenbergs sehr eng miteinander“, so von Stauffenberg. Einmal im Jahr gebe es einen Familientag. Vielleicht, so sinniert der Graf, liege diese Verbundenheit an den Geschehnissen nach dem 20. Juli 1944, als die Familie von den Nazis in Sippenhaft kam.

Der Ex-General spaziert durch Besigheim, schaut sich das ehemalige Krankenhaus im Bühl an und hört die Anekdoten, die Ewald Anger zum Besten gibt. Warum er mit 92 noch so fit sei, wird er gefragt. Es läge nicht nur an den Genen – seine Mutter wurde 93 Jahre alt – sondern daran, dass er immer Hunde habe und mit diesen spazieren gehe. Erst vor Kurzem habe er einen Dackelwelpen zu sich geholt. „Meine Mutter sagte immer, „ein Leben ohne Hund ist ein Hundeleben“.

Berthold Maria Schenk Graf von Stauffenberg kam als ältestes der fünf Kinder von Claus Schenk Graf von Stauffenberg und dessen Frau Nina in Bamberg am 3. Juli 1934 zur Welt.  Als Zehnjähriger wurde Berthold Maria während des Sommerurlaubs in Lautlingen nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler in Sippenhaft genommen, und in das Kinderheim im Borntal in Bad Sachsa verschleppt.

1956 trat er in die Bundeswehr ein. 1957 wurde er zum Leutnant befördert, 1967 wurde er Major. Bis 1958 war er in den USA stationiert. Nach 38 Dienstjahren war er ältester Soldat der Bundeswehr und Befehlshaber des Territorialkommandos Süd, bevor er 1994 pensioniert wurde.

Seit 1964 lebt er zusammen mit seiner Frau Mechthild Schenk Gräfin von Stauffenberg, geborene Gräfin von Bentzel-Sturmfeder-Horneck, die er 1958 heiratete, in Oppenweiler im Rems-Murr-Kreis. Das Paar hat drei Söhne.

 
 
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