Fröhlich anmutende gelbe Luftballons wiesen den Weg zum Eingang des Hospizes: „Herzlich willkommen“ stand auf einer großen Tafel und viele interessierte Besucherinnen und Besucher waren am Samstag nach Bietigheim-Bissingen gekommen, um sich zu informieren. „Die Führungen durch das Haus waren alle schnell ausgebucht, sodass wir sogar noch eine Zusatzführung gemacht haben“, berichtete die Aufsichtsratsvorsitzende des Trägervereins, Petra Frey.
Hospiz in Bietigheim-Bissingen Das Leben schätzen lernen
Zu einem Tag der Offenen Tür anlässlich seines 25-jährigen Bestehens lud das Hospiz Bietigheim-Bissingen am Samstag ein.
Zeit für Fragen
Anschauen konnte man sich zwei Patientenzimmer im ersten Stock, den Raum der Stille sowie das Wohnzimmer, in dem gemeinsam gegessen wird. Dort standen aber auch Bücher, Spiele sowie ein Klavier und eine Gitarre bereit. Letztere werden in der Musiktherapie genutzt. Allen Räumen gemein war eine helle, freundliche und einladende Atmosphäre. Große Fenster gaben den Blick frei ins Grüne.
Ingrid Mockler, stellvertretende Pflegedienstleiterin nahm sich bei ihrer Gruppe viel Zeit, um alle Fragen beantworten zu können. Sie erzählte von den Blumen der Erinnerung, die für alle Patienten gestaltet werden und zeigte die Kerze, die angezündet wird, wenn jemand verstorben ist. Für alle Konfessionen sei das Hospiz offen, erklärte sie weiter und machte deutlich, dass man stets bemüht sei, Wünsche zu erfüllen. Es herrsche auch durchaus nicht ständig eine gedrückte Stimmung: „Viele stellen sich das falsch vor. Bei uns ist es auch lustig, denn wir sind ein Haus des Lebens“, betonte sie. Daher sei es auch wichtig, nicht zu spät ins Hospiz einzuziehen, um die letzten Wochen des eigenen Lebens noch die liebevolle Umsorgung durch das Team aktiver erleben zu können: „Es ist sehr schön hier zu arbeiten“, mit diesen Worten schloss Ingrid Mockler ihren Rundgang.
Rückblick auf großer Leinwand
Aufgebaut, geprägt und lange Jahre für eine gute Atmosphäre gesorgt, hat die ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende des Trägervereins, Ute Epple. Inzwischen ist sie in Rente, aber sie bringt sich weiterhin ein. Für den Tag der offenen Tür hatte sie eine Power-Point-Präsentation gestaltet. Diese wurde im „TreffPunkt“ genannten Veranstaltungsraum gezeigt. Es war ein bebilderter Gang durch die zurückliegenden 25 Jahre – von den ersten Plänen, über die Stifterbrunneneinweihung, den Umzug ins neue, größere Haus, die Ehrenamtlichen, das Team und viele Spenden sowie Zustiftungen: „Einfach schön, das alles nochmal zu sehen, an manches erinnert man sich sofort“, sagte sie mit Blick auf die große Leinwand.
Egon Pohl, stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat des Trägervereins, hob hervor, dass die Patienten in diesem ruhigen Umfeld voller Zuneigung noch einmal aufleben würden: „Ein bis zwei pro Jahr erholen sich sogar so gut, dass sie entlassen werden können.“ Neben all der Entschleunigung ist auch die Ausstattung hochwertig: So gibt es einen medizinischen Transportstuhl für nicht mehr mobile Patienten und stolz ist man auf die Einrichtung eines gastfreundlich gestalteten Familienzimmers.
Viele engagierte Ehrenamtliche
An einem schattigen Plätzchen im Garten lagen auf einen Tisch viele Schablonen bereit, um mit bunten Farben einen Jutebeutel oder Rucksack zu verzieren. Pfarrer Bernhard Ritter, ebenfalls im Aufsichtsrat des Trägervereins, saß hier gemeinsam mit der Ehrenamtlichen Ursula Sauerbrey, um Kindern oder auch Erwachsenen Hilfestellung zu geben. Sie berichteten, dass sich darüber auch interessante Gespräche ergeben hätten.
Schon seit 2002 unterstützt Ursula Sauerbrey das Hospiz durch ihre ehrenamtliche Mitarbeit: „Ich wollte mich eigentlich mit dem Tod auseinandersetzen“, nannte sie als Beweggrund und führte weiter aus, dass sie die Arbeit sehr geprägt habe: „Ich schätze das Leben noch mehr“. Rita Wagner, ebenfalls als Ehrenamtliche tätig, berichtete, dass so viel von den Menschen zurückkomme. Das sah die zwanzigjährige Lea Meyle, die gerade ihr FSJ beendet hat, genauso: „Man kann mit Kleinigkeiten die Leute so glücklich machen. Da geht man anschließend nach Hause und hat etwas Gutes getan“.
Viel Freude strahlte auch Petra Zuccalá, die Vorsitzende des Vorstands, aus: „Ich freue mich, dass der Tag der Offenen Tür so gut angenommen wurde“, und sie machte auch gleich auf die nächste Veranstaltung aufmerksam, den „Letzte Hilfe“-Kurs kommenden Samstag, 20. September.
