Hoteliers im Landkreis Ludwigsburg bangen um Gäste Sorge vor Leere in der Wintersaison

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Der Frühstücksraum des Hotels Soleiado in Bietigheim-Bissingen war kurz vor der Eröffnung noch leer. Die Leere könnte jedoch auch in der Wintersaison wiederkehren und zum Problem werden. ⇥ Foto: Martin Kalb

Die Corona-Pandemie hat weltweit zu einem massiven Tourismus-Einbruch geführt. Seit Juli jedoch sehen einige Hoteliers im Kreis wieder einen Lichtblick, zeigt eine Befragung der BZ.

Reisen während Corona? Viele Deutsche haben auf eine Auslandsreise verzichtet und Urlaub daheim gemacht. Und doch teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit, dass Corona für einen Tourismus-Einbruch gesorgt hat: „Im ersten Halbjahr haben rund 114 000 Gäste den Landkreis Ludwigsburg besucht – das sind 51 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.“ Auch die Zahl der Übernachtungen sank laut Zahlen des Statistischen Landesamtes um 46 Prozent auf etwa 276 000. Wie es den Hoteliers im Kreis im Einzelfall geht, erfragte die BZ.

„Wir sehen bei uns wieder eine Rückkehr zur ‚Normalität’. Die Auslastung erreicht wieder ein höheres Niveau“, sagt Benjamin Maerz, Geschäftsführer des Hotel Rose und Restaurant Maerz in Bietigheim-Bissingen. Natürlich halte man sich an Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen – auch das werde langsam zur Normalität. Der Bietigheimer Familienbetrieb habe zwar zum Teil vorübergehend Kurzarbeit anmelden müssen, seit August sei das jedoch nicht mehr notwendig. „Wir mussten keine Mitarbeiter entlassen“, sagt Maerz erleichtert und sagt, er könne auch Positives aus der Pandemie ziehen: Der Zuspruch freue ihn sehr, das „zeigt auch, dass den Leuten in den letzten Wochen und Monaten etwas gefehlt hat und sich auch ein Stück weit die Wertschätzung gegenüber unserer Arbeit verbessert hat.“

Sorge bereite Benjamin Maerz die Herbst- und Wintersaison. „Das wird sicherlich noch mal eine Herausforderung. Mit steigenden Infektionszahlen werden Aufenthalte in geschlossenen Räumen wieder kritischer.“ Das Unternehmen arbeite deshalb mit einem optimierten Abluft- und Zuluftsystem sowie Luftfiltern mit einer UV-C Keimabtötung. „Das Risiko für Aerosole wird dadurch deutlich gesenkt. Wir werden für die Gäste auch weiterhin mit unseren Kochboxen parat stehen, wenn unsere Kunden im Herbst lieber wieder zu Hause genießen wollen.“

Im Naturparkhotel und Landgasthof Stromberg in Ochsenbach sind die Folgen der Pandemie deutlicher zu spüren, sagt Thorsten Gemrig, der Hotel und Restaurant gemeinsam mit seiner Frau und seinen Eltern führt. „Bei zwei Zimmerfrauen und in der Küche mussten wir 30 Prozent Kurzarbeit anmelden.“ Die harte Phase zu Beginn der Pandemie haben die Ochsenbacher nur überlebt, „weil wir ein Familienbetrieb sind, ohne Fremdpersonal gearbeitet haben und alle im Haus wohnen. Sonst hätte sich die Bewirtung der wenigen Gäste nicht gelohnt“, sagt Gemrig. Auch die Fixkosten seien hoch und müssten gestemmt werden. Trotzdem sagt er zuversichtlich: „Wir werden auch eine potenzielle zweite Welle, vorausgesetzt sie dauert nicht zu lang, überstehen.“

Davon abgesehen seien die Übernachtungszahlen im August durchaus zufriedenstellend gewesen, jedoch merke der Hotelier deutlich, dass Gruppenausflüge wegfallen. „Hochzeiten, Geburtstage, Klassentreffen, die Hotel und Restaurant für zwei bis drei Tage fast vollständig ausgelastet hätten, bleiben aus.“ Individualreisen finden zwar statt, jedoch befürchtet Gemrig, dass in der kalten Jahreszeit auch diese wegfallen, wenn Wandern, Radfahren, Wein-Tourismus und Tripsdrill-Besuche nicht mehr möglich sind. „Wir sind hier einfach keine Winterregion, aber selbst die typischen Familienfeiern, Hochzeitsparties, Verwandtenbesuche, werden sicherlich weniger sein als sonst.“ Erst Anfang Juli, also mitten in der Corona-Pandemie haben David und Saskia Rau zwei Hotels in Bietigheim-Bissingen übernommen: Das Reinhardts und das Soleiado (die BZ berichtete). „Unsere Erwartungen wurden übertroffen“, sagt David Rau. Im September habe das Paar in beiden Hotels zusammen eine Auslastung von 64 Prozent verzeichnen können. Auffällig seien neue Verhaltensmuster der Gäste: „Alles wird kurzfristiger – sowohl die Buchungen als auch die Absagen.“ Gäste aus Ländern, die zu Risikogebieten erklärt wurden, und daher doch nicht einreisen durften, seien keine Seltenheit. Und doch sind es bis zu 70 Prozent Geschäftsleute, die bei den Raus unterkommen. Überrascht habe den Geschäftsführer: „Wir hatten sogar Übernachtungsgäste aus Besigheim. Das Paar wollte einfach mal raus und in einem anderen Bett schlafen. Sie sind hergeradelt und am nächsten Tag wieder heim“, sagt er.

Erst vier Angestellte habe das Paar. „Wir wollen niemanden in Kurzarbeit schicken, deshalb arbeiten wir aktuell lieber mehr und stocken später auf.“ Die Angestellten seien aus Betrieben, die lange in Kurzarbeit waren.

„Mit den Stadtführungen konnten wir wieder starten und auch von den Reiseveranstaltern, Vereinen und Gruppen trauen sich die Leute so langsam wieder mehr“, sagt Elmar Kunz, stellvertretender Geschäftsführer des städtischen Eigenbetriebs Tourismus & Events Ludwigsburg. Und doch liege der Tourismus in der Barockstadt 48 Prozent unter dem Vorjahresniveau. „Es fehlen die Geschäftsreisen“, erklärt Kunz.

Auch bei großen Firmen herrsche Reiseverbot und da 70 bis 80 Prozent des Gesamtvolumens an Übernachtungen Geschäftsreisen aus der Region Stuttgart seien, merke man das deutlich. Privatreisen seien gut gelaufen, aber „uns fehlen die Events. Dadurch sind viele Städtereisen weggebrochen“, sagt Kunz und ergänzt: „Die Wintersaison wird dramatisch.“ Gerade mit Hinblick auf den Weihnachtsmarkt-Tourismus. „Wir bauen zwar auf Tagesausflügler, aber das Übernachtungsaufkommen wird gering sein.“

Mit Werbung halte sich Tourismus & Events laut Kunz stark zurück. „Wir wollen keine Menschenmassen provozieren und andersrum auch keine Versprechen machen, die wir mit der Weihnachtsmeile in diesem Jahr nicht halten können. Das Marketing muss aktuell eben andere Töne anschlagen.“

Wünsche an die Politik?

Wünsche an die Politik haben die Gastronomen im Kreis wenige, sie zeigen sich grundsätzlich zufrieden. Einzig klare und einheitliche Regelungen wünscht sich Gemrig. Das vermeide, dass Gäste sagen: „Die anderen machen das auch nicht“. Ansonsten sollte „nicht so viel geschimpft und lieber anerkannt werden, was der Staat tut“, so der Gastronom aus dem Stromberg. Auch Maerz sagt: „Für meine Begriffe gibt es zu viele Menschen und Unternehmen, die schnell Forderungen stellen, anstatt die Zügel selbst in die Hand zu nehmen, sich selbst zu hinterfragen und aus den Gewohnheiten auszubrechen.“

Elmar Kunz wünscht sich vor allem, dass sich die Menschen an die Regelungen halten, denn „die Gastronomen verhalten sich vorbildlich und auch die Politik versucht, auf die Branche einzugehen.“ Vor allem kommunalpolitisch hat Kunz nur lobende Worte: „Sie stehen geschlossen hinter Entscheidungen, wie beispielsweise der Weihnachtsmeile.“

 
 
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