Iker Romero spricht im BZ-Interview über seinen neuen Verein „Das Potenzial der SG hat kein Limit“

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Iker Romero gibt ab Juli beim Zweitligisten SG BBM Bietigheim die Richtung vor. Der spanische Trainer kommt vom Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf. ⇥ Foto: Joachim Sielski via www.imago-images.de

Mit Iker Romero hat der Zweitligist SG BBM Bietigheim einen ganz großen Namen verpflichtet. Im Gespräch mit der BZ erzählt der Weltmeister von seinen Plänen mit seinem neuen Klub.

Im Februar hatte die SG BBM Bietigheim den Coup verkündet: Ab Juli übernimmt kein Geringerer als Weltmeister und Champions-League-Sieger Iker Romero als Trainer den Zweitligisten. Derzeit steht für den Co-Trainer von Carlos Ortega beim Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf der Saisonendspurt auf dem Programm, doch gedanklich befasst sich der Spanier natürlich auch schon mit seinem zukünftigen Klub, wie Romero im Interview mit der BZ verriet. 

Herr Romero, die Bundesliga kennen Sie nach Jahren bei den Füchsen Berlin und bei der TSV Hannover-Burgdorf aus dem Effeff. Doch wie steht es um die Kenntnisse der 2. HBL?

Iker Romero: Ich bin so Handballverrückt, dass ich mir früher schon ab und zu die Zweite Liga im Fernsehen angeschaut habe. Seit feststeht, dass ich im Sommer bei Bietigheim anfange, gucke ich jedes Spiel der SG und auch viele andere Partien. Dabei mache ich mir Notizen in mein Taktikheft über die Gegner, mit denen wir es in der nächsten Saison zu tun bekommen.

Sie haben die Bundesliga bereits häufiger als „NBA des Handballs“ bezeichnet. Was ist dann die deutsche Zweite Liga?

Wenn man den Champions-League-Sieger FC Barcelona einmal ausklammert, ist die Zweite Liga von der Qualität her vielleicht sogar besser als die Liga Asobal, die spanische Erste Liga. Im Grunde kann in der 2. HBL jeder jeden schlagen. Und in der nächsten Saison kommt noch einmal sehr viel Qualität dazu, da gleich vier Bundesligisten absteigen. Diese Saison ist allerdings coronabedingt ganz schwierig für die Teams, ganz besonders für Bietigheim. Gute und schlechte Spiele haben sich abgewechselt und zwischendurch musste die SG immer wieder in Quarantäne.

Wie bewerten Sie die Stärke Ihrer neuen Mannschaft?

Die aktuellen Spieler haben individuell sehr viel Qualität. Da sehe ich keine große Baustelle. Natürlich lassen sich immer noch Kleinigkeiten verbessern. Es ist wichtig, dass die Mannschaft wieder Vertrauen in ihre Fähigkeiten fasst und an das Projekt mit mir glaubt. Deshalb freue ich mich wirklich, ab Juli mit den Jungs arbeiten zu können. Wir haben mit Konstantin Poltrum bereits einen neuen Torhüter aus der Bundesliga verpflichtet. Dazu kommen auf der linken Seite im Rückraum Sven Weßeling und auf Außen Alexander Pfeifer. Über Alex habe ich mich unter anderem bei U21-Nationaltrainer Martin Heuberger erkundigt. Alle haben sehr positiv von ihm gesprochen. 

Kennen Sie Ihr neues Team denn bereits?

Persönlich nicht. Eigentlich wollte ich ein paar Wochen nach meiner Verpflichtung nach Bietigheim gefahren sein, um das Team kennenzulernen, aber dann kam bei uns in Hannover die Quarantäne dazwischen. Deshalb habe ich zwar mit einigen Spielern schon telefoniert, aber noch niemanden persönlich getroffen. Außerdem bin ich ich erst ab Juli dort, bis dahin ist Brian Ankersen noch für die Mannschaft verantwortlich. 

Außer aus Bietigheim hatten Sie auch Angebote aus Spanien, Portugal und sogar der Bundesliga vorliegen. Warum haben Sie sich dennoch für die SG BBM entschieden?

Ich habe lange nach einem Projekt gesucht, dass genau auf mich zugeschnitten ist. Und die Gespräche mit Bastian (gemeint ist SG-Geschäftsführer Bastian Spahlinger, Anm. d. Red.) liefen sehr gut. Ich hatte von Beginn an Vertrauen in ihn und in das enorme Potenzial des Vereins, der Spieler und der Stadt. Und ich habe das Gefühl bekommen, dass ich hier alle Zeit der Welt bekommen werde, um etwas Großes aufbauen zu können. Das Potenzial des Vereins hat kein Limit.

Bei der TSV Hannover-Burgdorf haben es in dieser Saison gleich acht Jugendspieler in den Bundesligakader geschafft. Ist das ein Modell, das auch in Bietigheim funktionieren könnte?

Die Idee, die ich mit Bietigheim habe, ist jedenfalls die gleiche, wie hier in Hannover. Für einen Verein, seine Fans und Sponsoren, ist es ganz wichtig, dass es lokale Spieler, die die Jugendmannschaften durchlaufen haben, in die erste Mannschaft schaffen. Beste Beispiele dafür bei der SG sind Jan Asmuth und Patrick Rentschler. Es gibt auf jeden Fall sehr viele Talente in und um Bietigheim und in ganz Baden-Württemberg, die das Potenzial für die Bundesliga hätten.

Das alles klingt bei Ihnen so leicht. Wird der Aufstieg mit lokalen Talenten zum Selbstläufer?

Sicherlich nicht. Wir müssen in das Projekt natürlich auch ein bisschen Geld, aber vor allem viel Zeit und Training investieren. Wir dürfen uns nicht nur auf die erste Mannschaft konzentrieren, sondern müssen auch immer die A-Jugend und die Reserve im Blick behalten. Das sind erstmal viele kleine Entwicklungsschritte, aber in zwei bis drei Jahren wird das ganze Projekt dann Früchte tragen, da bin ich sicher. So war es auch hier in Hannover. Wir haben Zeit, Lust und das Potenzial, dass das am Ende tatsächlich klappt.

Welche Rolle soll ihr kommender Co-Trainer Sebastià Salvat dabei spielen?

Ich kenne Sebastià schon lange. Wir waren einige Jahre zusammen bei den Füchsen Berlin und er ist seitdem für mich eine wichtige Vertrauensperson. In Berlin war er für den Jugendbereich und das Scouting zuständig. Er hat eine ähnliche Idee vom Handball wie ich, kennt sich mit der Arbeit mit Talenten aus, kennt sich unter anderem sehr gut in Sachen Videoanalysen aus und er weiß ganz genau, wie wir spielen wollen. Er wird mir hundertprozentig helfen und ist definitiv der richtige Mann für dieses Projekt.

Sie sagten gerade, Salvat kennt ihre Art von Handball. Für welchen Handball stehen Sie denn?

Natürlich prägt mich die spanische Schule. Ich habe meine Idee, wie ich Handball spielen lassen will, aber die muss am Ende auch zu den Spielern passen. Letztlich ist aber häufig ein einfaches Spielsystem besser als ein kompliziertes. Wir alle erwarten attraktiven Handball, den auch die Fans gerne sehen wollen. Ob wir damit erfolgreich sind, wird die Zukunft zeigen. Aber wir werden jedenfalls immer alle zusammen als Mannschaft kämpfen, bis zum letzten Blutstropfen.

Könnte es bei Ihrem Start in Bietigheim ein Vorteil sein, dass es in dieser Saison bei der SG lange nicht so richtig lief?

Nein, das glaube ich nicht. Denn wenn alles gut läuft, ist es immer besser für alle Beteiligten. Deshalb wäre es für mich auch besser, wenn es in Bietigheim sensationell laufen würde. Dann wäre das Selbstvertrauen bei den Spielern da. Ich freue mich, dass es jetzt wieder besser läuft für den Verein und habe auch genug Vertrauen in meine Arbeit, dass ich weiß, dass ich das Team noch besser machen kann.

Zeitgleich mit Ihnen fängt ihr Landsmann und Vorgänger in Hannover, Roi Sánchez, als Trainer beim Nachbarn TVB Stuttgart an. Wie ist Ihr Verhältnis?

Bei meinem Start in Hannover vor vier Jahren habe ich Roi kurz getroffen. Danach haben wir uns nicht mehr gesehen, allerdings haben wir in den letzten Monaten einige Male miteinander telefoniert. Ob wir uns dann in Stuttgart oder Bietigheim treffen werden, müssen wir abwarten, denn wir beide werden natürlich bei unseren neuen Klubs besonders in der Anfangszeit voll ausgelastet sein.

Wie unterscheidet sich die Rolle des Co-Trainers von der des Trainers?

Die Unterschiede sind riesig. Bei uns in Hannover ist Carlos Ortega der klare Anführer. Wir spielen häufig guter Bulle, böser Bulle. Ich bin dabei der gute Polizist, auch wenn natürlich manchmal mein Temperament mit mir durchgeht.

Apropos Co-Trainer: Gibt es einen Platz für Brian Ankersen in ihrem Trainerteam?

Ich habe oft mit Brian gesprochen. Und es freut mich sehr, was er derzeit gute Arbeit leistet. Trainer des Zweitligateams werden in der nächsten Saison allerdings Sebastià und ich sein. Aber Leute wie Brian sind immer willkommen im Verein. Auf welcher Position genau kann allerdings sicher besser die Geschäftsführung beantworten.

Vom platten Niedersachsen geht es bald ins bergige Schwabenland. Wie schwer fällt die Umstellung?

Überhaupt nicht. Meine Heimatstadt Vitoria im Baskenland liegt in den Bergen, da geht es auch nur rauf und runter. Ich bin oft mit meiner Familie bei meiner Schwiegermutter in Bad Urach. Ich liebe das Klima und die Weinberge da unten. Da ich gerne Sport treibe, freue ich mich auf die Fahrradtouren und Wanderungen.

 
 
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