Im Alter im Hofener Ortskern leben Gemeinsam statt einsam

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Die  Grundstücke liegen in Hofens Ortsmitte und sind bereits im Besitz der Stadt. Dort und auf einem Nachbargrundstück soll die Senioren-WG verwirklicht werden. ⇥ Foto: Helmut Pangerl

Die 27-jährige Technische Fachwirtin Chiara Bethke stellt dem Gemeinderat ihre Überlegungen für zwei Senioren-Wohngemeinschaften in Hofen vor.

Dass wieder Leben in den Ortskern zurückkehrt, muss nicht bedeuten, dass sich dort junge Familien ansiedeln. Im Ortsteil Hofen schwebt Chiara Bethke ein ganz anderer Weg vor: Sie möchte dort eine Senioren-Wohngemeinschaft und betreute Wohnungen platzieren. Der Gemeinderat horchte auf.

27 Jahre jung ist die in Hofen aufgewachsene Technische Fachwirtin Chiara Bethke. Ihre Überzeugung ist, dass jeder Mensch, wenn er stirbt, der Welt etwas Schönes hinterlassen sollte. Ihre Idee: Sie möchte im Ortskern eine oder zwei Senioren-Wohngemeinschaften „Sonnenseite“ für acht bis 16 Menschen einrichten. Gemeinsam statt einsam steht dabei als Motto darüber. Bei der Vorstellung ihres Projekts im Gemeinderat hob sie darauf ab, dass zum Glücklichsein im Alter auch das Gefühl des „Gebrauchtwerdens“ gehöre.

Senioren-WG mit Hühner und Kaninchen

Und hier hebe sich ihr Konzept von anderen ab: Zur Senioren-WG sollen nämlich neben einem Garten mit Hochbeeten auch Tiere wie Hühner und Kaninchen gehören. Und für sie sollen die Senioren sorgen und somit eine schöne, lebendige Umgebung erleben. Es soll auch gemeinsam gekocht und gegessen werden. Zur gesunden Ernährung komme also auch ausreichend Bewegung. Die übersichtliche Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner werde für ein familiäres Gefühl sorgen. Die kommunikativen Fähigkeiten werden so gefördert und das allgemeine Wohlbefinden gestärkt.

Mit der bereichernden Beteiligung an den Alltagsaufgaben erfahren die Bewohner auch Wertschätzung. Rund um die Uhr soll eine Betreuungskraft im barrierefreien Wohnbereich da sein. Für die Pflege soll jeder Bewohner seinen ambulanten Dienst selbst wählen können. Bethke geht davon aus, dass die Mietkosten geringer sein werden als bei einzelnen Wohnungen. Es gebe zudem Investitionszuschüsse für diese Wohnform und eine monatliche Unterstützung durch die Pflegekasse.

Der Landkreis gehe derzeit von 40 fehlenden Pflegeplätzen in Bönnigheim aus, Tendenz steigend. Die Initiatorin der Pflege-WG, die übrigens im Erdgeschoss untergebracht und mit darüberliegenden Wohnungen für ältere, teilweise auch pflegebedürftige Menschen aufgestockt werden soll, sieht in ihrem Konzept eine „Win-win-Stiuation“: Das Projekt helfe Menschen und Tieren und schade den Pflegeheimen nicht, da es sowieso zu wenig Plätze gebe. Und das Projekt würde zu einer Aufwertung des Hofener Ortskerns führen. Dort könnte die WG auf einer städtischen Fläche, die um ein privates Grundstück erweitert werden soll, errichtet werden.

Suche nach Sponsoren

Nun will Bethke Sponsoren und Mitstreiter suchen und für ihr Projekt werben. Für Karin Brenzke-Rösinger (Grüne) ist die vorgestellte Wohngemeinschaft „ein richtig gutes Projekt“. Ihr Fraktionskollege Jochen Türk lobte das Engagement der Ideengeberin und Michael Gerde (UWV) meinte, er zolle ihr Respekt, wenn es ihr gelingt. Dorothea Bechtle-Rüster (SPD) fragte nach, wer das Ganze finanziere und das Risiko trage. Das sei noch in Klärung mit den ortsansässigen Kreditinstituten, die Ausichten seien sehr gut, so Chiara Bethke. Tilo Rommler (FWV/CDU) sah „einen großen Mehrwert für Hofen“.

Neuartige Konzeption

Chiara Bethke ist überzeugt, dass Bönnigheim dadurch ein „absoluter Vorreiter im Thema besondere alternative Wohngruppenkonzepte für pflegebedürftige Personen“ wird, denn es gebe noch keine Art dieses Konzepts in Baden-Württemberg. Auf Nachfrage räumte sie ein, dass sie weiß, dass in Kirchheim derzeit eine Pflege-WG gebaut wird. Träger dieser Einrichtung ist die gemeinsame Sozialstation Bönnigheim, Kirchheim und Erligheim sowie die bürgerliche Gemeinde und die evangelische Kirchengemeinde Kirchheims. Das vorgesehene Konzept dieser WG wird übrigens von Pflege-WGs in Südbaden seit Jahren umgesetzt. Es wurde unter Leitung des Sozialexperten an der Evangelischen Hochschule Freiburg, Professor Thomas Klie, entwickelt. Doch es unterscheide sich in zwei wichtigen Punkten zum Hofener Konzept: Nur in Hofen sei das Zusammenleben mit Tieren geplant. Und die Senioren in Kirchheim würden selbstverantwortet dort leben, während in Hofen geplant sei, dies über eine gGmbH oder Ähnliches zu organisieren.

 
 
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