Im Schlaflabor von Dr. Yvonne Fischer in Vaihingen wird Apnoe behandelt Wenn der Schlaf zum Problem wird

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Dr. Yvonne Fischer setzt zur Anschauung ihrem Mann Michael eine Atemmaske auf, die dann durch ein Beatmungsgerät gesteuert wird.⇥ Foto: Martin Kalb

Im Schlaflabor von Dr. Yvonne Fischer werden jährlich mehr als 1600 Patienten mit krankhafter, folgenreicher Schlafapnoe untersucht und  behandelt.

Mehrere Atemaussetzer hat in dieser Nacht im Vaihinger Schlaflabor von Dr. Yvonne Fischer eine über 70-jährige Patientin. Einige sogar über eine Minute, der längste Atemaussetzer während ihres Schlafes war eine Minute und 35 Sekunden lang. „Das ist fast schon an der Schwelle zum Tod“, sagt Michael Fischer, der in der Praxis seiner Frau für die Technik und Organisation zuständig ist und in dieser Nacht die Patienten gemeinsam mit dem medizinischen Fachpersonal überwachte. Zehn Patienten pro Nacht können im Schlaflabor überwacht werden – damit ist die Praxis von Yvonne Fischer die größte im Landkreis. Ein Computer pro Patient liefert in den Überwachungsraum Bilder des Schlafes, Diagramme, zeigt die Kurve des Schlafes, die Atemaussetzer und den damit verbundenen Sauerstoffabfall und Mangel.

5000 Patienten in drei Jahren

Seit Ende 2017 gibt es das Schlaflabor in Vaihingen. Dr. Yvonne Fischer ist Hals-Nasen-Ohrenärztin und hat sich sowohl auf die Schlafmedizin als auch die Schwindelbehandlung (siehe Infokasten) spezialisiert. 5000 Patienten hat sie in den drei Jahren aufgrund deren Schlafapnoe behandelt, die Warteliste ist lang, vor Ende Mai 2021 gibt es keine Termine mehr. „Das steigende Bewusstsein, dass viele Krankheiten durch die Aussetzer während des Schlafes gefördert werden, macht sich nun bemerkbar. Die behandelnden Ärzte sind sensibilisiert und ziehen eine Schlafapnoe in Betracht“, so Fischer. Atemaussetzer während des Schlafes haben Menschen schon immer, nur die Behandlungsmethoden seien erst in den letzten Jahren ins Bewusstsein gerückt. „Man nennt die Krankheit  auch das Pickwick-Syndrom“, sagt sie. Das Pickwick-Syndrom leitet seinen Namen von der Figur des immer schlafenden Kutschers Little Fat Joe im Roman „Die Pickwickier“ von Charles Dickens aus dem Jahr 1836 ab, der im Schlaf aufhört zu atmen und blau anläuft.

Die Atemaussetzer gehen mit einem starken und rapiden Sauerstoffmangel einher, der zu Schädigungen führen kann. Herzinfarkte, Schlaganfälle, Diabetes, aber auch Demenz werden gefördert, so Fischer. Aber auch Augeninfarkte durch Verengungen in den Gefäßen können die Folge sein, weswegen seit Kurzem auch Augenärzte Patienten ins Schlaflabor schicken. Schlafapnoe sei eine Krankheit, die mit geregelter Luftzufuhr behandelt werden muss, sagt sie. Die meisten der Patienten seien übergewichtig, aber auch normalgewichtige Menschen, Kinder und junge Menschen würden an Atemaussetzern leiden. „In manchen Familien tritt die Schlafapnoe gehäuft auf, deswegen gehen wir von genetischen Gründen aus, bewiesen ist aber nichts“, so Fischer. Bei Übergewichtigen sind der Zungengrund und die Umgebung der oberen Atemwege zu dick und verengen die Luftzufuhr.

Zwei Nächte verbringen die Patienten in der Regel im Schlaflabor, von abends 19 Uhr bis morgens 7 Uhr. In der ersten Nacht sind sie an zahlreiche Kabel angeschlossen, die mit ihren Messungen helfen, eine Diagnose zu stellen. „Von der Schlafapnoe kann man sich nicht selbst befreien“, sagt Yvonne Fischer. Bis zu fünf ganz kurze Atempausen im Schlaf seien, so erklärt sie, nicht gefährlich. Der Sauerstoffgehalt falle dann um zirka vier Prozent, das sei normal und beeinträchtige den Schlaf kaum. Alles darüber sei Zeichen der Krankheit, teilweise falle der Sauerstoffgehalt um bis zu 70 Prozent.

Wenn die Patienten das Schlaflabor am Morgen verlassen, beginnt für Dr. Fischers Team mit weiteren vier Ärzten die eigentliche Arbeit – die Therapie. Die CPAP-Beatmung ist die gängige Schlafapnoe-Therapie bei einer mittel- bis schwergradigen Apnoe. CPAP steht für „continuous positive airway pressure“, auf deutsch: „kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck“. CPAP wird in der Regel über eine Nasenmaske appliziert.

Die Methode stabilisiert durch einen leichten und sukzessive steigenden Druck über den gesamten Atemzyklus die oberen Luftwege – vom Naseneingang bis zur Luftröhre. Ein Beatmungsgerät leitet dafür über die dicht abschließende Maske zusätzliche Raumluft in die Atemwege. Die Behandlung reduziert die Atmungsstörung, das Schnarchen, die Müdigkeit und das Herz-Kreislauf-Risiko, so Fischer, die dann für die Patienten eine Verordnung für ein Gerät und den genauen Druck aufschreibt. Das Beatmungsgerät sowie die Maske gibt es dann in speziellen Schlafzentren. Sie werden von der Krankenkasse bezahlt. „Es ist so zufriedenstellend, zu sehen, dass die Patienten gesund schlafen können“, sagt Yvonne Fischer.

 
 
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