In Bönnigheim kann auf neu umgebauten Platz gespielt werden Beim Minigolf ist Konzentration wichtig

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Max Appel und BZ-Redakteurin Rena Weiss (rechts) testen die Miniaturgolfanlage in Bönnigheim. Angela Oehler (Mitte) vom Minigolfclub Bönnigheim gibt den beiden Tipps.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Für Familien ist Minigolf in Bönnigheim eine günstige Freizeitaktivität. Angela Oehler vom Minigolfclub schaffte es mit dem Konzentrationssport sogar in die Bundesliga.

Die weltweit erste genormte Minigolfanlage wurde am 19. März 1954 in Ascona im Schweizer Kanton Tessin eröffnet. Wie der Deutsche Minigolfsportverband (DMV) auf seiner Homepage schreibt, wurde die Anlage nach den Plänen des Schweizer Gartenarchitekten Paul Bongni gebaut. Bereits in den 1920er-Jahren sind erste Ansätze für ein Golfspiel auf Bahnen in Großbritannien und den USA zu finden. Damals wurden viele Plätze noch als Übungsplatz für Großgolf gebaut, galten aber bald als günstige Alternative und kamen als solche auch bald in den Rest von Europa.

In den 1930er-Jahren waren Anlagen beispielsweise in London in fast allen Parks zu finden, schreibt der DMV. Auch in Deutschland und in Skandinavien gab es in den 1920er- und 1930er-Jahren ähnliche Kleingolfbahnen ohne jede Normung, die aber in den 1940er-Jahren wieder verschwanden. Erst mit der Normierung durch Paul Bongni 1954 konnten in diesem Geschicklichkeitssport Wettkämpfe stattfinden. 1951 ließ er sich den Markennamen „Minigolf“ sogar patentrechtlich schützen. Gegen Ende des Jahres 1962 existierten bereits 120 solcher Anlagen in Europa.

2000 Anlagen in Deutschland

Laut dem DMV brachte der Hamburger Geschäftsmann Albert-Rolf Plees die Idee einer Miniaturgolfbahn von einer Skandinavienreise mit nach Deutschland. Er entwarf einen Platz mit 18 Bahnen. So wurde 1956 die erste Anlage im Hamburger Freizeitpark „Planten und Blomen“ gebaut. 1965 gab es bereits mehr als 100 solcher Miniaturgolf-Anlagen in Deutschland, plus 120 Anlagen des Bongni-Systems. Mittlerweile gibt es rund 2000 Minigolfanlagen in ganz Deutschland, eine davon liegt in Bönnigheim neben dem Mineralfreibad.

Diese Anlage entstand um 1970, wann genau weiß keiner mehr so recht, sagt Angela Oehler. Oehlers Mann, Klaus Oehler, ist Vorsitzender des Minigolfclubs (MGC) Bönnigheim und sie selbst ist Kassier. Gegründet habe den Verein der damalige Pächter der Gastronomie, die direkt an der Minigolfanlage gelegen ist. Die ehemalige Lauffenerin ist eine der ersten Mitglieder des MGC. „Im Juni 1985 war ich das erste Mal auf dem Platz und am 31. August wurde der Verein gegründet“, sagt Oehler. Damals hatte der MGC mehrere Mannschaften und mehr als 100 Mitglieder. Denn Minigolf ist neben dem Volks- auch ein Wettkampfsport. Angela Oehler spielte mit ihrer Damen-Mannschaft sogar in der Ersten Bundesliga. Bis 2001 hat sie aktiv gegolft, dann hörte sie aus gesundheitlichen Gründen auf.

Neben Oehler hörten viele andere Mitglieder ebenfalls auf, aktiv zu spielen. Kinder, Arbeit, Nachwuchsprobleme, das Leben sei einfach dazwischen gekommen, erklärt sie die Gründe, warum der MGC keine Mannschaften mehr habe und die Vereinsgröße auf rund 25 Mitglieder geschrumpft sei. „Minigolf ist, wenn man wirklich gut sein will, sehr zeitintensiv.“ Tägliches Training ist dabei wie in jedem Leistungssport Pflicht, um bei den ganz großen Mitspielen zu können. Wettkämpfe dauern zudem mehrere Tage und man sei in ganz Deutschland unterwegs, spricht Oehler aus Erfahrung. „Um einen Platz auszutrainieren dauert es zwei bis drei Tage“, und das werde vor jedem Wettkampf gemacht. Auch die Finanzen schrecken so manchen Interessenten ab, sagt Oehler, die mittlerweile in Bietigheim-Bissingen lebt. Dabei sei es nicht der Schläger, der ein Loch in den Geldbeutel schlägt, sondern die Bälle. „Mein erster Schläger hat 80 Mark gekostet.“ Allerdings kostet ein Ball zwischen 20 und 40 Euro. „Profis haben 100 Bälle und mehr“, ergänzt die ehemalige Bundesligaspielerin.

Angela Oehler schreckte dies nicht ab, „weil es mächtig Spaß gemacht hat.“ In Bönnigheim hatte sich der Verein schnell einen Namen gemacht, zu den Turnieren kamen jede Menge Zuschauer. Veranstaltungen wie „Lehrer gegen Schüler“ lockten zusätzlich die Menschen an den Platz. „Das war eine schöne Zeit.“ Zudem nutzte der Verein die Nähe zum Freibad. Wer ein Freibad-Ticket hat, kann damit auch Minigolfen und vor Corona danach wieder zurück ins Freibad. Zwar gelte das Freibad-Ticket immer noch als Minigolf-Ticket, allerdings sind die Schwimmzeiten auf drei Stunden beschränkt. „Diese Zeit wollen die Besucher auch im Wasser nutzen“, sagt Oehler. Dabei gibt es für jede Temperatur einen anderen Ball, der dann unterschiedlich stark hüpft, erklärt die Kassiererin.

Ein weiterer Grund, warum es etwas ruhiger geworden ist an der Bönnigheimer Anlage, seien die Umbauten zwischen 2017 und 2018 gewesen. „Fast zwei Jahre lang war der Platz zu.“ Bis 2017 war der Platz quasi im Wald, doch die Wurzeln der Bäume drückten nach oben und machten die Bahnen kaputt. Die Stadt reagierte und baute die Anlage um. „Bei den Bahnen hatten wir als Verein Mitspracherecht, aber bei der Gesamtgestaltung nicht“, erklärt die Minigolferin und ergänzt, „ich dachte, es sei mehr Gras drin.“ Denn der Platz ist nun mit Pflastersteinen belegt. Dennoch ist sie dankbar für den Umbau. Rund 1000 Euro kostet eine Bahn ohne Hindernis. Die Stadt investierte rund 90 000 Euro und nun hat es auf dem Platz 18 neue lizenzierte Bahnen. Mit der Lizenz könnten in Bönnigheim auch wieder Wettkämpfe stattfinden. Neben den Bahnen gibt es einige Sitzbänke mit großen Sonnenschirmen sowie neu gepflanzte Bäume, die allerdings noch wachsen müssen.

Veranstaltungen geplant

Oehler ist zuversichtlich, dass der Platz bald wieder mehr besucht wird. „Es wird langsam voller“, sagt sie. Wenn es mit den Corona-Verordnungen vereinbar ist, wolle der Verein zudem wieder Veranstaltungen auf der Anlage organisieren. „Minigolf ist für Jung und Alt geeignet. Auch Menschen mit Behinderung üben diesen Sport aus“, nennt Angela Oehler weitere Gründe, warum ihr dieser Sport noch immer viel Spaß bereitet, und warum sie glaubt, dass er auch weiterhin als Freizeitaktivität beliebt sein werde.

Info Die Bönnigheimer Miniaturgolfanlage liegt direkt links neben dem Mineralfreibad, Bachstraße 40. Es gibt einige Parkplätze direkt an der Anlage, aber auch am Freibad. Pro Spieler werden drei Euro verlangt, Kinder zahlen zwei Euro. Geöffnet ist die Anlage montags bis samstags von jeweils 15 bis 20 Uhr sowie sonn- und feiertags von jeweils 10 bis 20 Uhr.

 
 
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