Ingersheim Auch im neuen Jahr kein Stillstand

Von Jörg Palitzsch
Ingersheims Bürgermeisterin Simone Lehnert vor dem Rathausanbau. Im Juni kandidiert sie für den Kreistag. Foto: /Martin Kalb

Bürgermeisterin Simone Lehnert hat in den letzten Monaten viel auf den Weg gebracht – und kandidiert im Juni für den Kreistag. 

Die kommunale Wärmeplanung, die Entwicklung des Neubaugebietes „In den Beeten II“, die Weiterentwicklung des Gewerbegebietes, die Eröffnungsbilanz für die Umstellung des Haushaltes zur Doppik, die Umstellung auf die Umsatzsteuer und nach Corona die Wiederaufnahmen der Beziehungen zur Partnergemeinde im Elsass – für die Ingersheimer Bürgermeisterin Simone Lehnert war das abgelaufene Jahr sehr arbeitsintensiv, in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat habe man vieles geschafft.

Von der Dauer und den Auswirkungen auf den Ort war für sie das Wichtigste aber der Beschluss für das Gemeindeentwicklungskonzept, „der Abschluss eines langen Verfahrens.“ Dieses strategische Arbeitsprogramm mit seinen konkreten Maßnahmen soll nun, beginnend im neuen Jahr, nach und nach umgesetzt werden.

Dabei geht es Lehnert auch um die Kommunikation und die Akzeptanz in der Bevölkerung. Ein erster Schritt werden die Ansiedlungskriterien für den Gewerbepark Bietigheimer Weg sein. „Es wird ständig darüber gesprochen, welche Firma man ansiedeln möchte und wie es weitergehen soll. Jetzt legen wir fest, was man sich an dieser Stelle wünscht, verbunden mit einer breiten Diskussion“, so Lehnert. Dann müsse man nicht immer alles von A bis Z neu diskutieren, wenn sich ein Unternehmen um eine Fläche bewerbe.

Hoffen auf Sanierungsprogramm

Im Frühjahr entscheidet sich, ob die Gemeinde in das Landessanierungsprogramm aufgenommen wird. „Dann geht es in Kleiningersheim los.“ Hier rückt für die Bürgermeisterin vor allem das Vereinsheim Schönblick in den Mittelpunkt, das auf der Sanierungsliste ganz oben steht.

Die Finanzlage der Gemeinde ist weiterhin unbefriedigend, wobei der Haushalt für 2024 noch nicht vorliegt. „Wir werden den Ergebnishaushalt wieder nicht ausgleichen können“, wobei Lehnert eine nötige Kreditaufnahme noch hinauszögern will. Verkaufen wollte die Gemeinde ein eigenes Grundstück für Mehrgeschosswohnungsbau im Verfahren für gewerbliche Bieter in den „Beeten II“, dafür habe man aber kein einziges Angebot bekommen. Ingersheim treffe dabei wie viele Kommunen auch die Änderungen im Baugewerbe. „Vor eineinhalb Jahren wäre das noch anders gewesen, aber wir können unsere Grundstücke im Moment nicht verkaufen und diese Einnahmen fehlen uns“, so die Ingersheimer Verwaltungschefin.

Investitionen in die Infrastruktur

Trotzdem sind im neuen Jahr Investitionen nötig. Lehnert nennt als Beispiel die Sanierung des Mörikekindergartens, was Brandschutz und die elektrischen Anlagen angeht – und zu dem man verpflichtet sei. Lehnert hofft auch hier auf das Landessanierungsprogramm, der Kindergarten liegt in dem Gebiet. Bei einer Aufnahme könnte man für die Sanierung mit Zuschüssen rechnen. Ergänzend dazu muss in die Infrastruktur investiert werden. In Straßen und Kanäle, „Geld, was man nicht wirklich sieht und gleichzeitig ist es die Infrastruktur, die wir notwendigerweise brauchen.“ Die drohende Erhöhung der Kreisumlage im Jahr 2025, wie von Landrat Dietmar Allgaier beabsichtigt, hängt wie ein dunkler Schatten über den Gemeindefinanzen, wobei Lehnert bezweifelt, ob dies die Gemeinden mitmachen. „Das Ganze wäre ja nur eine Verlagerung nach unten.“

Die Ingersheimer Bürgermeisterin hat sich deshalb dazu entschlossen, bei der nächsten Kreistagswahl am 9. Juni 2024 auf der Liste der Freien Wähler im Wahlkreis 12 – Freiberg, Pleidelsheim, Ingersheim – hinter Dirk Schaible auf Platz 2 anzutreten. Einmal, um mehr für die Gemeinde tun zu können, ebenso sei dann auch der Informationsfluss von der Kreis- auf die kommunale Gemeindeebene besser. Und zu tun gibt es genug. Nach dem Einfrieren von Fördermitteln für die Klimaschutzmaßnahmen durch den Bund fragt sich Lehnert, wo es noch vorangehen soll, wenn man von allem Zugesagten plötzlich abgeschnitten werde?

Auf Fördermittel angewiesen

Auswirkungen haben die Kürzungen auch auf das Wärmekonzept der Gemeinde, die bei diesem Punkt vielen anderen Kommunen eine Nasenlänge voraus ist. Dazu muss unter anderem eine kostspielige Machbarkeitsstudie erstellt werden, ob und wie die Abwärme des Neckars genutzt werden kann. Dazu kommt ein Stromnetz-Check, um zu sehen, ob es im Ort überhaupt genug Strom gibt, um die E-Autos und Wärmepumpen laden zu können. „Wenn wir irgendwann ein Ziel erreichen wollen, müssen wir auch etwas machen. In Ingersheim hat der Gemeinderat seine Hausaufgaben in vielen Bereichen schon gemacht und Maßnahmen beschlossen, die viel Geld kosten. Ohne Fördermittel wissen wir nicht, wie das finanziert werden soll“, so Lehnert.

Kein Geld haben die Schalungselemente gekostet, die derzeit am Fischerwörth gestapelt und mit Folie abgedeckt sind. Sie stammen von der S-21-Baustelle, dienten zur Herstellung der runden „Lichtaugen“ in Stuttgart und sollten nicht einfach entsorgt werden. Ingersheim hat sich darum beworben und diese Teile bekommen. Ein Studententeam der Universitäten Konstanz und Stuttgart ist nun dabei zu erkunden, was damit geschehen könnte. Simone Lehnert denkt dabei an einen Aufenthaltsplatz für Jugendliche beim Fischerwörth, wie im Gemeindeentwicklungskonzept gewünscht. 

 
 
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