Ingersheim Beeten II: MIT fordert Planungsstopp

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Das neue Ingersheimer Baugebiet „In den Beeten II“ schließt sich an die bestehende Bebauung an. Am kommenden Dienstag sollen weitere Entscheidungen zur Bebauung fallen, MIT fordert in einem Antrag, die Planungen sofort zu stoppen.  ⇥ Foto: Helmut Pangerl

Ein umfangreiches Beschlusspaket zum geplanten Neubaugebiet muss der Gemeinderat am Dienstag abarbeiten. Dagegen gibt es Widerstand.

Die zweiköpfige MIT-Gruppe in Ingersheim hat für die nächste Ratssitzung am kommenden Dienstag, 24. November, einen Antrag zur Abstimmung gestellt, weitere  planerischen als auch rechtlichen Aktivitäten für das Neubaugebiet „Beeten II“ und das Gewerbegebiet „Bietigheimer Weg“ zu stoppen. In der gleichen Sitzung soll der Flächennutzungsplan für „Beeten II“ fortgeschrieben werden.

Aus Sicht von MIT sei angesichts der Corona-Pandemie, als auch aus wirtschaftlicher Sicht, äußerste Handlungs- und Finanzvorsicht geboten, um unnötige Kosten und Risiken für die Gemeinde zu vermeiden. Vielmehr bevorzuge man eine maßvolle Innenentwicklung, die bei einer gleichzeitigen Außenentwicklung  – wie mit dem neuen, rund sechs Hektar großen Baugebiet an der Straße in Richtung Husarenhof beabsichtigt – finanziell nicht leistbar sei, so die MIT-Rätinnen Martina Spahlinger und Janina Wagner in der Begründung ihres Antrages.

Ergänzend zu diesem Antrag wurden bei der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit zahlreiche kritische Stellungnahmen zum Baugebiet im Rahmen der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes abgegeben.  Kernpunkte sind Fragen nach dem Bedarf an Wohnbauflächen, die Entwicklung der Einwohnerzahl in Ingersheim, die Baulücken, Projekte der Nachverdichtung und bezahlbarer Wohnraum. All diese Fragestellungen wurden für die Gemeinde vom Stadtentwicklungsamt Bietigheim-Bissingen umfangreich aufgearbeitet.

Wohnbedarf: Den Vorwurf, es würde angesichts einer rückläufigen Bevölkerung kein echter Wohnbedarf in Ingersheim vorhanden und die Versiegelung  wertvoller Ackerflächen daher sträflich sein, wird mit Zahlen gekontert. So prognostizierte das Statistische Landsamt die Einwohnerzahl in Ingersheim für das Jahr 2035 auf 6207. Da die tatsächliche Zahl 2019 die Prognose bereits um 111 Einwohner überstieg, wurde die Einwohnerzahl für 2035 auf 6328 nach oben korrigiert.

Baulücken: Die Anmerkung, die innerörtlich vorhandenen 3,2 Hektar erschlossene und damit bebaubare Fläche stelle bis 2035 ein bei weitem ausreichendes Potential dar, stehen die Zahlen des Baulückenkatasters entgegen. So gibt es  in Groß- und Kleiningersheim aktuell rund 2,5 Hektar Baulückenfläche. Im Oktober wurden nochmals alle Eigentümer von Lücken zu Verkaufs- und Bauabsichten befragt. Die Mehrheit der Eigentümer hatte keine Verkaufsabsichten, nur einige wenige zeigten mittel- bis langfristig ein Verkaufsinteresse. Daraus würde sich  ein Potential von maximal 50 Prozent ergeben, bis 2035 bedeute dies eine aktivierbare Gesamtfläche von maximal 1,27 Hektar – bei einem errechneten Bedarf von rund fünf Hektar.

Bezahlbarer Wohnraum: Im Gemeinderat wurde bei den Diskussionen um „Beeten II“ stets darauf hingewiesen, bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Da in dem  Wohngebiet eine neue Gemeindehalle finanziert werden soll, so der Einwand, sei offensichtlich, dass die Bauplätze hochpreisig gehandelt werden müssten und damit für die meisten Familien mit Kindern nicht erschwinglich seien. Tatsächlich ist bislang  eine Fläche für den Gemeindebedarf, rund 0,91 Hektar, vorgesehen. Ob dort angesichts der Finanzlage der Gemeinde jemals eine neue Gemeindehalle mit Spiel-, Sport- und Freizeitflächen gebaut wird, ist völlig unklar. Gleichwohl strebt die Gemeinde und eine Mehrheit im Gemeinderat an, Teilflächen in den „Beeten II“ für den Bau von bezahlbarem Wohnraum, mit entsprechenden Auflagen für die Bauträger, zur Verfügung zu stellen.

Alternativen: Angesicht der knappen Flächenressourcen in Ingersheim stelle die Ausweisung von Flächen an anderer Stelle als „Beeten II“ keine Alternative dar. Zwar wäre noch eine Bebauung am südlichen und nördlichen Ortsrand möglich, diese wären aber deutlich weniger gut erschlossen und hätten einen eher laggezogenen, als kompakten Ort zur Folge. „Beeten II“ biete sich auch an, weil das Gebiet eine sinnvolle Ergänzung zur bestehenden Bebauung darstelle und kurze Wege zur katholischen Kirche, Schule, Kindergarten aufweise.

Eine Zustimmung des Gemeinderates zur  Fortschreibung des Flächennutzungsplanes für den Bebauungsplan  „In den Beeten II“ steht damit im Gegensatz zum  MIT-Antrag auf einen sofortigen Planungsstopp – über den, weil weitreichender, vorher abgestimmt wird. ⇥

 

Info Die Sitzung des Ingersheimer Gemeinderates findet diesmal im Sitzungssaal des Rathauses statt und beginnt  um 19 Uhr. Zuhörer sind wegen der Corona-Pandemie nicht zugelassen, deshalb  wird es eine Online-Live-Übertragung auf dem Ingersheimer Youtube Gemeindekanal geben:  https://youtu.be/QQjV7VLK4Pk

 
 
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