Ingersheim Bietigheimer Schule nutzt Wiese für Unterricht

Von Jörg Palitzsch
Auf diesem Grundstück in Ingersheim entsteht das „Grüne Klassenzimmer“ der Bietigheimer Schule. Foto: Richard Dannenmann

Naturnahes Lernen zwischen Bäumen und Wiesen: Das wird bald auch für die Bietigheimer Schule Gröninger Weg möglich. Für ihre Pläne für ein „Grünes Klassenzimmer“ in Ingersheim hat jetzt der dortige Verwaltungsausschuss des Gemeinderats seine Zustimmung gegeben. Zwei Bäume werden gefällt, zehn neu gepflanzt.

Der Ingersheimer Verwaltungsausschuss hat jetzt den Weg für die Einrichtung eines „Grünen Klassenzimmers“ frei gemacht. Auf einem Wiesengrundstück an der Straße zwischen Kleiningersheim und Besigheim sollen von Montag bis Freitag Kinder von der ersten bis zur 12. Klasse unterrichtet werden. „Bei Wind und Wetter“, wie Schulleiter Heiko Brumme von der Schule Gröninger Weg in Bietigheim-Bissingen, einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, vor dem Ausschuss sagte.

Strom über Solaranlage

Das Gremium stimmte der Aufstellung eines sogenannten Tiny Houses zu, in dem die Kinder unterrichtet werden. Das Tiny House verfügt über eine Solaranlage, Strom, eine Biotoilette und ein Waschbecken, das Regenwasser wird eingesammelt. Der Standort war ursprünglich in der Nähe der am Grundstück verlaufenden Kreisstraße und musste auf der inzwischen mit einem Maschendrahtzaun eingezäunten Wiese nun an einem Platz am Rande des Grünstücks untergebracht werden, der mehr Sicherheit verspricht.

Aber dort müssten dafür zwei Bäume gefällt werden. Dem stimmte der Ausschuss zu. Landschaftsarchitektin Dorothee Batz sagte, ein Baumgutachter sei vor Ort gewesen und es habe eine artenschutzrechtliche Vorprüfung gegeben. Es gebe keine Nisthöhlen, zumal zehn neue Bäume gepflanzt werden. Dann stünden künftig 16 Bäume auf dem Grundstück, darunter Birnenbäume und ein Walnussbaum.

Alternative Wiesental?

Ursula Heinerich (CDU) fragte, warum man ein solches „Grünes Klassenzimmer“ nicht im Wiesental einrichte, wo es Hecken und Wasser gebe. Jetzt gehe man auf ein Grundstück, wo rundherum gespritzt werde, Wind und Verkehr sei. Schulleiter Brumme erläuterte, man brauche einen festen Standort und die autistischen Kinder Rückzugs- und Ruhezonen, was sich auf dem Grundstück anbiete.

Bürgermeisterin Simone Lehnert sagte, man sei jetzt in der konkreten Planung, das Wiesental sei Landschaftsschutzgebiet, und man habe sich schon vor mehr als einem Jahr auf das Grundstück festgelegt. Der Ausschuss stimmte der Aufstellung des Tiny Houses bei zwei Enthaltungen zu. Das „Grüne Klassenzimmer“ soll Kindern mit Behinderung täglich die Möglichkeit bieten, mit Natur- und Bewegungserfahrungen außerhalb des Schulgebäudes zu lernen und zu arbeiten und ihre Bedürfnisse sowie Befindlichkeiten aktiv ausleben können.

Naturschutz ist Thema

Auf dem Stundeplan stehen Lesen, Schreiben, Rechnen, Sport, Musik und Kunst – aber gleichzeitig auch lebenspraktische und soziale Lernfelder mit klaren Arbeitsabläufen. Vermittelt werden soll den Kindern neben schulischen Inhalten und Projektarbeiten auch die Themen Naturschutz, Erfahrungen mit der Umwelt und Gartenarbeit. Der Umgang mit Werkzeugen gehört ebenso dazu wie das Arbeiten mit Ton, Erde und Steinen. „Wir wollen mit der Natur arbeiten“, so Schulleiter Heiko Brumme.   Jörg Palitzsch

 
 
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