Ingersheim Ein Meditationsobjekt mit Symbolwert

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Die Bleiverglasungen an Fenster und Türen der Aussegnungshalle auf dem Ingersheimer Holderfriedhof stammen von den Ludwigsburger Künstler Roland Wesner. ⇥ Foto: MARTIN KALB

In der Bietigheimer Galerie ist eine Ausstellung von Roland Wesner zu sehen. Auf dem Ingersheimer Holderfriedhof hat er sehenswerte Bleiglasbilder geschaffen.

In einer Studioaustellung in der Galerie von Bietigheim-Bissingen ist eine Retrospektive des Malers Roland Wesner (1940 – 1987) zu sehen. Ab Anfang der 1970er Jahre engagierte er sich intensiv in der Kunstszene des Landkreises Ludwigsburg. Die Ausstellung präsentiert Wesner als virtuosen Maler, der eine breite Palette technischer Fertigkeiten beherrschte.

Eine ganz andere Kunstrichtung schlug Wesner bei einem Auftrag der Gemeinde Ingersheim für die Farbverglasung der Aussegnungshalle auf dem Holderfriedhof ein, der posthum ausgeführt wurde. Der Grund: Wesner nahm sich noch vor der Fertigstellung seiner Arbeit 1987 das Leben.

Der frühere Ingersheimer Bürgermeister Martin Maier erinnert sich noch gut, als Roland Wesner seine Entwürfe im Gemeinderat vorgestellt hat. „Es war eine umfangreiche Erläuterung“, Wesner habe einen „sehr guten Eindruck gemacht“, so Maier. Nach einer ausführlichen Diskussion im Gemeinderat sei der Beschluss für die 110 000 Mark teure Farbverglasung dann einstimmig erfolgt.

Ausgeführt wurden die Arbeiten nach Wesners Suizid von der Kunstglaserei Neumann aus Hohenhaslach. Bei den Bleiglasfenstern der Aussegnungshalle auf dem Holderfriedhof wurden die einzelnen Flachglas-Stücke durch Bleiruten eingefasst und entlang der Kanten miteinander verlötet.

Mit der Einweihung der Halle am 20. November 1988, dem Totensonntag, waren die rund zweijährigen Bauarbeiten am neuen Friedhof beendet. Mit der Fertigstellung des Holderfriedhofes, der zwischen den beiden Ortsteilen Groß- und Kleiningersheim liegt, fanden auf dem alten Friedhof von Großingersheim keine Bestattungen mehr statt.

Bei der Einweihung in der neuen Aussegnungshalle zeigte sich Bürgermeister Maier mit dem „Arbeitsergebnis“ zufrieden. Vor allem lobte er die Gestaltung der Halle, die unter der Regie von Architekt Kurt Knecht entstanden war, und betonte, dass die Gemeinde mit dem öffentlichen Bauwerk künstlerische Akzente gesetzt habe, „die über das hinausgehen, was üblich ist“.

In einem bewegenden Vortrag erklärte der langjährige Schüler Wesners, Albrecht Werwigk, welche Intention der Künstler mit den Werken in der Aussegnungshalle verbunden habe.

So wollte Wesner keine ästhetischen Produkte schaffen, sondern Meditationsobjekt mit Symbolwert. Wesner habe den Baum als Hauptmotiv der Glasfenster gewählt, weil der Obstbaum zum einen charakteristisch für die Landschaft um Ingersheim sei und zum anderen Baumstrukturen als Chiffre für das menschliche Erleben und damit für das menschliche Schicksal gelten könnten.

Der Regenbogen, der Kreis und die Sonne, die das Haupteingangstor schmücken, symbolisieren dagegen die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Wesners Ziel war es laut Werwegk, bei seiner Arbeit jeden Pathos und kleingestrickte Nettigkeit zu vermeiden.

„Wesner wollte in der Halle keine Düsternis“, so der frühere Bürgermeister Maier. Wenn man aus der Halle hinaustrete, solle man ins Licht gehen, „mit Optimismus und Erwartung“. Amtsleiter Harald Schnabel ergänzt, die Aussegnungshalle habe auch eine sehr gute Akustik, wie er als Musiker schon festgestellt habe.

 
 
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