Einen deutlichen Ton schlug Bürgermeisterin Simone Lehnert in der jüngsten Ratssitzung bei der Einbringung des Haushaltsplans 2026 an. Mittlerweile ist es der siebte Haushalt in Folge, den die Gemeinde mit einem negativen Ergebnis beschließen muss.
Ingersheim Es stehen Einschnitte bevor
Bei der Einbringung des Haushalts für das kommende Jahr kündigte Bürgermeisterin Lehnert einen harten Sparkurs an.
„Die Lage hat sich gedreht“, so Lehnert. Auch in Ingersheim werden – wie in anderen Kommunen auch – von Bund und Land Rechtsansprüche geschaffen, die man vor Ort erfüllen müsse. Oft ohne die dafür nötige finanzielle Ausstattung zu erhalten. Lehnert nannte als Beispiele etwa die Kinderbetreuung und die Ganztagsbetreuung an Grundschulen im kommenden Jahr.
Kritik an Dauernörgeln und Polemik
Gleichwohl nehme man die Verantwortung ernst, so die Bürgermeisterin. Das Dauernörgeln und die Polemik derer, die von sich behaupteten Alternativen bieten zu können und in Wahrheit keine Lösungsvorschläge lieferten, sei für sie inzwischen unerträglich geworden. Aber man solle nicht lamentieren, sagte Lehnert in ihrer Rede zum Haushalt.
In Bezug auf die prekäre Finanzlage blickte die Bürgermeisterin auch auf das angekündigte Sondervermögen des Bundes, aus dem Ingersheim 4,177 Millionen Euro über zwölf Jahre bekommt. Wobei die Modalitäten der Auszahlung noch gar nicht feststehen. Die Sonderzahlung werde am System insgesamt trotzdem nichts verändern, früher oder später werde man „an die Wand fahren“, so ihre düstere Prognose.
Lehnert dankte den Bürgern, die nicht nur nach ihren eigenen Interessen schauen und sich über Luxusprobleme beschweren, sondern über den Tellerrand schauen, optimistisch mit anpacken „und unsere Gemeinde aktiv mitgestalten“. Und obwohl die Gemeinde inzwischen eine Konsolidierungsliste abgearbeitet hat, werde es noch weitere Einsparungen geben müssen, so die Bürgermeisterin.
Musikschule will den Beitrag verdoppeln
So habe etwa die Musikschule Bietigheim-Bissingen angekündigt, ihren Beitrag für die Mitgliedschaft der Gemeinde auf über 100.000 Euro im Jahr verdoppeln zu wollen. Lehnert: „Das ist aus meiner Sicht komplett ausgeschlossen“, aber letztendlich nur eines der vielen Themen, die man im kommenden Jahr im Gremium diskutieren und entscheiden müsse. So braucht es aus Sicht von Lehnert das Bewusstsein von allen, dass man Standards in vielen Bereichen hinterfragen müsse. „Es stehen Einschnitte bevor, darauf möchte ich Sie vorbereiten“, kündigte die Bürgermeisterin an.
Defizit von 2,8 Millionen Euro im Ergebnishaushalt
Kämmerin Helen Bauer stellte einige Eckdaten des Haushaltsplanes 2026 vor: Der Ergebnishaushalt weist Erträge in Höhe von 19,1 Millionen Euro sowie Aufwendungen in Höhe von 21,9 Millionen Euro aus. Daraus ergibt sich ein Defizit von 2,8 Millionen Euro. Im Finanzhaushalt sind Investitionen in Höhe von 4,6 Millionen Euro geplant. Die größten Maßnahmen stellen dabei die Sanierung des Mörike-Kindergartens mit 1,6 Millionen Euro, die Kostenbeteiligung an der Kläranlage Nesselwörth in Höhe von 514.135 Euro sowie die Sanierung der Straße „In den Linden“ mit 300.000 Euro dar. Den geplanten Investitionen stehen Einzahlungen in Höhe von insgesamt 10,2 Millionen gegenüber.
Gemeinde will drei Grundstücke verkaufen
Die größten Einzahlungen resultieren aus dem Verkauf von drei Grundstücken für Geschosswohnungsbau im Neubaugebiet Beeten II mit einem Erlös von rund 8,1 Millionen Euro. Deshalb sind für 2026 keine Kredite nötig. Dies werde sich ab 2027 jedoch ändern, so der Blick der Kämmerin in die Zukunft. Dann seien wieder Kredite nötig, sonst sei die Liquidität der Gemeinde gefährdet. So bringt der finanzielle Einmaleffekt des Grundstücksverkaufs in der mittelfristigen Finanzplanung nur eine kurze Erleichterung.
Jetzt können die Fraktionen Anträge zum Haushalt abgeben, die Verabschiedung mit den Bewertungen aus dem Gemeinderat steht am 27. Januar auf der Tagesordnung.
