Wie kann sich Ingersheim in Zukunft besser gegen zunehmende Hitze schützen? Mit dieser Frage soll sich der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung am 29. September beschäftigen. Die Fraktion SPD/Fortschrittliche Bürger (SPD/FB) hat beantragt, dass die Gemeinde die Aufstellung eines Hitzeschutzkonzepts für öffentliche Orte prüft. Im Mittelpunkt sollen insbesondere Spielplätze, Bushaltestellen und weitere Alltags- und Begegnungsorte stehen.
Ingersheim Gegen Hitze und Starkregen wappnen
Eine Haushaltsbefragung in Ingersheim gibt Hinweise auf Schutzmaßnahmen bei zu hohen Temperaturen. Die Fraktion SPD/FB fordert ein Hitzeschutzkonzept für öffentliche Orte.
Der Antrag vom 27. April trifft dabei auf Ergebnisse einer Haushaltsbefragung, die im März vorgestellt wurden, konkrete Beschlüsse blieben aus. Die Umfrage lässt allerdings einen deutlichen Handlungsauftrag erkennen: 93 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, der Hitzeanpassung in der Gemeindeentwicklung eine hohe Priorität einzuräumen. Beim Starkregen sind es 91 Prozent.
Mehr schattige Plätze
Die SPD/FB-Fraktion nennt als konkrete Vorsorgemaßnahme die Schaffung ausreichender Schattenplätze. Davon sollen insbesondere Kinder und ältere Menschen profitieren. Ein Hitzeschutzkonzept soll deshalb gezielt die öffentlichen Orte in den Blick nehmen, an denen sich die Bürger im Alltag aufhalten. Dass dabei Bushaltestellen genannt werden, passt zu den Ergebnissen der Haushaltsbefragung. Haltestellen gehören zu den Orten, an denen die Befragten die Hitze besonders stark wahrnehmen, etwa an der Pleidelsheimer Straße. Auch der Ortskern wird als stark belastet empfunden. Der Hindenburgplatz zeigt sich als zugepflasterte Fläche mit wenig Bäumen.
Die Umfrage entstand im Rahmen des Forschungsprojekts ISAP II, das die Klimaanpassungskapazitäten von Regionen und Kommunen mithilfe digitaler Instrumente verbessern soll. So wurden in Ingersheim zwischen dem 11. August und dem 26. September 2025 rund 3000 Haushalte angeschrieben. 378 Rückmeldungen gingen in die Untersuchung ein, eine Rücklaufquote von 12,3 Prozent. Die Teilnehmer bilden allerdings keinen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab. Unter den Befragten waren überwiegend Männer, viele zwischen 55 und 75 Jahre alt. Die Wissenschaftler weisen deshalb darauf hin, dass die Aussagekraft für die gesamte Bevölkerung eingeschränkt ist.
Bei den Extremwettergefahren nehmen die Befragten Hitze, Hagel und Stürme schon heute als erhebliche persönliche Risiken wahr. Mit Blick auf das Jahr 2050 wird vor allem bei Hitze und Starkregen mit einem steigenden Risiko gerechnet.
Wo die Hitze besonders deutlich zu spüren ist, zeigt die Befragung ebenfalls. Ortskerne werden von 85 Prozent als besonders heiß wahrgenommen, Haltestellen von 70 Prozent. Grünflächen schneiden deutlich besser ab. Parks, in Ingersheim etwa der „Park der Erinnerungen“ (Alter Friedhof), Gärten und beschattete Flächen wie Wälder werden als wichtige Orte zur Abkühlung wahrgenommen. 93 Prozent halten die Anpassung an Hitzewellen für eine Aufgabe, die hohe Priorität genießen sollte.
Sponsoren für Projekte?
Der SPD/FB-Antrag setzt an diesem Punkt an. Neben Schattenplätzen und einem umfassenden Konzept bringt die Fraktion Möglichkeiten zur Finanzierung ins Spiel. So könnten Sponsoren und heimische Handwerksbetriebe für Projekte gewonnen werden. Auch über den zeitlich begrenzten Verkauf von Namensrechten könne nachgedacht werden, insbesondere bei Spielplätzen ohne historisch oder anderweitig bedeutsamen Namen.
Der Informationsstand zu Starkregen ist geringer als beim Thema Hitze: Etwas mehr als 53 Prozent fühlen sich gut über Schutzmöglichkeiten informiert. 91 Prozent stimmen der Aussage zu, dass die Anpassung an Starkregen in der Gemeindeentwicklung hohe Priorität haben sollte. Insgesamt betrachten die Haushalte Hitze und Starkregen als größer werdende Risiken.
Ein weiterer Teil der Untersuchung beschäftigte sich damit, wie Maßnahmen zur Klimaanpassung bewertet werden. Besonders deutlich fällt das Ergebnis bei Straßenbäumen und naturnahen Gewässern aus. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass zusätzliche Straßenbäume, wie etwa jüngst in Pleidelsheim beschlossen und mit 50.000 Euro finanziert, auf breite Zustimmung und Wertschätzung treffen würden.
Gemeinderat muss entscheiden
Bei der Reduzierung des Flächenverbrauchs ist das Bild dagegen geteilt. Eine Begrünung von Flächen im Straßenraum wird tendenziell eher abgelehnt. Wegen der eingeschränkten Repräsentativität sei bei der Interpretation allerdings Vorsicht geboten.
Trotz dieser Einschränkungen zeichne die Befragung ein klares Stimmungsbild ab: Die Folgen des Klimawandels werden in Ingersheim zunehmend als konkrete Herausforderung wahrgenommen. Vor allem zwei Ansätze stechen hervor: mehr Straßenbäume und naturnäher gestaltete Gewässer. Sie könnten dazu beitragen, die Folgen von Hitze und Starkregen abzumildern und gehören zugleich zu den Maßnahmen, für die eine breite Akzeptanz zu erwarten ist. Damit stellt sich für den Gemeinderat nun die Frage, welche Maßnahmen aus den Erkenntnissen der Befragung und dem Antrag zum Hitzeschutz folgen sollen.
