Die Gemeinde Ingersheim steht immer stärker unter Druck, die Finanzierung ihrer Kinderbetreuung langfristig zu sichern. Vor diesem Hintergrund hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung über eine Anpassung der Kindergartengebühren einstimmig entschieden.
Ingersheim Gemeinde reagiert auf hohe Betreuungskosten
Der Ingersheimer Gemeinderat hebt die Gebühren für die Kinderbetreuung zunächst um 4,5 Prozent an. Auch die Kosten für die Verpflegung werden angepasst.
Eine Erhöhung der Elternbeiträge wird damit zum 1. September 2026 um 4,5 Prozent sowie eine weitere Anpassung um 4,0 Prozent zum Beginn des Kindergartenjahres 2027/2028 wirksam. Grundlage dafür sind die gemeinsamen Empfehlungen der kommunalen Landesverbände sowie der kirchlichen und freien Trägerverbände in Baden-Württemberg, nach denen man sich in den kommenden Jahren orientieren will.
Gemeinde in prekärer Situation
Bürgermeisterin Simone Lehnert verwies auf die Gespräche mit den Elternvertretern, für viele Familien bedeute die Erhöhung einen Einschnitt. Aber die Gemeinde befinde sich in einer sehr prekären Situation. Von einem Deckungskostengrad in Höhe von 20 Prozent ist „man noch meilenweit entfernt“, die jetzige Erhöhung sei aber auch ein Signal an die Kommunalaufsicht, die immer wieder mahnt, die Einnahmenseite zu stärken. Durch die frühzeitige Festlegung der Gebühren für zwei Kindergartenjahre soll nun sowohl den Familien als auch den Trägern und der Verwaltung mehr Planungssicherheit gegeben werden.
Die Kinderbetreuung stellt für die Gemeinde einen der größten Ausgabenbereiche dar. Für das laufende Jahr werden die Gesamtkosten auf rund 7,5 Millionen Euro beziffert. Dem stehen Einnahmen aus Elternbeiträgen von rund 850.000 Euro sowie Landeszuschüsse von etwa 1,4 Millionen Euro gegenüber. Damit verbleibt ein kommunaler Finanzierungsanteil von rund 5,2 Millionen Euro, den die Gemeinde aus eigenen Haushaltsmitteln tragen muss. Allein die Personalkosten belaufen sich auf rund 5 Millionen Euro und machen etwa 68 Prozent der Gesamtausgaben aus.
„Eine solche Erhöhung macht niemand gern“, sagte Thorsten Majer (SPD) mit Blick auf die Zahlen. Er sprach erneut das Thema „Einkommensabhängige Gebühren“, was die SPD schon zwei Mal erfolglos vorgeschlagen hat. Er sehe kein Argument dagegen, man sollte bei dem Thema auch die Elternschaft einbinden.
Gebühren an Einkommen koppeln
Jürgen Fleischmann (FW) meinte, einen Deckungsgrad von 20 Prozent werde man wohl nie erreichen, ebenso blickte er etwas düster in die Zukunft. Eventuell müsse man auch Gruppen schließen, um die Finanzierung sauber darzustellen. Und Fraktionskollegin Larissa Zentmaier regte eine Staffelung im U3-Bereich an. Bürgermeisterin Lehnert sagte, man werde die Signale aus dem Gemeinderat – einkommensabhängige Gebühren und die Staffelung – aufnehmen und durchrechnen. Die Kindergartengebühren werden auch Thema bei einer Klausurtagung im Oktober sein.
So stellt sich trotz der vorgesehenen Gebührenerhöhung der Anteil der Eltern an den tatsächlichen Betreuungskosten vergleichsweise gering dar. Nach Berechnungen der Verwaltung decken die Elternbeiträge beim Basis-Modell und der derzeitigen Auslastung lediglich rund elf Prozent der Gesamtkosten. Die kommunalen Spitzenverbände empfehlen dagegen einen Kostendeckungsgrad von rund 20 Prozent im Kindergartenbereich und bis zu 30 Prozent bei der Betreuung von Kindern unter drei Jahren sowie in der Ganztagesbetreuung. Ob diese Zielwerte in Ingersheim langfristig erreicht werden, ist fraglich.
Auch Verpflegungskosten steigen
Neben den Betreuungsgebühren wurde per Beschluss auch die Verpflegung angepasst. Die Kosten für das Mittagessen steigen von bislang 4,50 Euro auf 4,70 Euro pro Mahlzeit. Tatsächlich kostet ein Mittagessen die Gemeinde durchschnittlich rund 13 Euro. Der Differenzbetrag wird weiterhin überwiegend aus dem Gemeindehaushalt finanziert. Die Verwaltung verwies darauf, dass neben den Cateringkosten auch Personalaufwand für Vorbereitung, Ausgabe sowie weitere hauswirtschaftliche Leistungen in die Kalkulation einfließen.
Ein weiterer Punkt ist die Auslastung der Einrichtungen. Vor allem im U3-Bereich ist die Nachfrage zuletzt teilweise zurückgegangen. Dies verschlechtert den Kostendeckungsgrad zusätzlich, da die Fixkosten unabhängig von der Belegung anfallen. Die Verwaltung kündigt deshalb an, gemeinsam mit dem Gemeinderat die Entwicklung zu beobachten. Sollte sich der Trend fortsetzen, könnten künftig auch strukturelle Maßnahmen wie die Zusammenlegung oder Schließung einzelner Gruppen diskutiert werden, wie von Gemeinderat Jürgen Fleischmann angesprochen.
