Ingersheim Gemeinsam für den Erhalt der Kulturlandschaft aktiv

Von Jörg Palitzsch
Zahlreiche Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins, darunter Vorsitzender Heinz Schaaf, nahmen am Pflegetag teil. Foto: /Martin Kalb

Die Ingersheimer haben sich am landesweiten Pflegetag der Streuobstwiesen beteiligt.  

Mit Astscheren, Sägen und fachkundiger Anleitung setzte der Obst- und Gartenbauverein Großingersheim am Samstag ein Zeichen für den Erhalt der heimischen Kulturlandschaft. Im Rahmen der 19. landesweiten Streuobstpflegetage des Landesverbandes waren Bürgerinnen und Bürger eingeladen, sich aktiv an einem gemeinsamen Arbeitseinsatz zu beteiligen – Vorkenntnisse waren nicht erforderlich.

Ziel der Aktion war es, den rund 100 Gemeindebäumen durch den richtigen Schnitt eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen und so langfristig zum Fortbestand der Streuobstwiesen beizutragen. Die Bäume, die sich von der Kleiningersheimer- bis zur Besigheimer Straße hinziehen, wurden zu Beginn der Grünen Nachbarschaft gepflanzt und prägen, wie die Steillagen im Weinbau, nicht nur das Landschaftsbild, sondern sind auch ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Treffpunkt für die freiwilligen Helferinnen und Helfer war an der Gemeinschaftsschuppenanlage, um gut zwei Stunden gemeinsam zu arbeiten, unterstützt durch die erfahrenen Mitglieder des Vereins.

Für die Pflege bekommt der Verein 18 Euro pro Baum vom Land, was an die Gemeinde überwiesen wird, sagte Vorsitzender Heinz Schaaf. Er muss dazu über die Aktion einen Nachweis führen, Kirsch- oder Nussbäume werden nicht geschnitten. Von der Gemeinde war Karl Seitz vor Ort, Stellvertreter von Bürgermeisterin Simone Lehnert, der auch mit Hand anlegte.

Most wird nicht mehr gekeltert

Das Obst wird in der mobilen Saftpresse verarbeitet oder an die Saftindustrie geliefert. „Most wird nicht mehr gemacht“, so Schaaf. Ist ein Baum mit einem gelben Band gekennzeichnet, kann jeder das Obst selbst aufsammeln. Nach der Pflegeaktion waren alle Helfer zu einem Vesper auf dem Birkenhof eingeladen. Der Obst- und Gartenbauverein hat eine lange Geschichte und feiert in zwei Jahren sein 100-jähriges Jubiläum. Zur Gründungsversammlung am 29. Januar 1928 hatte der Obmann des landwirtschaftlichen Bezirksvereins, Heinrich Luidthardt, eingeladen. Damals traten 62 Großingersheimer bei.

Ziel des Vereins war die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Obstbaus, insbesondere für die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde. Schon im ersten Jahr begann der Verein mit praktischen Maßnahmen wie einer Veredelungsaktion bei Äpfeln. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Vermarktung. 1933 wurde in der Kelter eine vereinseigene Obstvermittlungsstelle eingerichtet und im selben Jahr 3700 Zentner Most- und Tafelobst im Wert von 21.000 Mark umgesetzt. Einen Höhepunkt erreichte die Obstverwertung im Jahr 1937 mit 12.040 Zentnern erfasstem Obst. Zur Absatzförderung beteiligte sich der Verein auch an Ausstellungen in Bietigheim und Lauffen. Während des Zweiten Weltkriegs kam das Vereinsleben vollständig zum Erliegen. Am 27. Januar 1948 wurde der Verein wieder ins Leben gerufen.

Die ursprünglichen Ziele blieben bestehen, jedoch verlagerte sich der Schwerpunkt stärker auf die fachliche Weiterbildung der Mitglieder, schließlich gab es 1951 rund 10.000 Obstbäume in Ingersheim. Wenn heute noch die Hälfte davon auf der Gemarkung steht, sei es viel, so der Vorsitzende Schaaf. Jörg Palitzsch

 
 
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