Ingersheim Gotteshaus mit bewegter Geschichte

Von Jörg Palitzsch
Die Georgskirche wurde unter Leitung des Stuttgarter Baumeisters Hans Braun im Stil der Frührenaissance errichtet. Foto: Helmut Pangerl

Ein Stück Ortsgeschichte: Die Georgskirche in Kleiningersheim feiert in diesem Jahr ihr 425-jähriges Bestehen.

Im Jahr 2026 blickt die evangelische Georgskirche in Kleiningersheim auf 425 Jahre Geschichte zurück. Seit ihrer Errichtung 1601 prägt sie nicht nur das Ortsbild, sondern auch das religiöse und kulturelle Leben der Gemeinde. Die Jahreszahl 1601 ist bis heute im Kircheninneren erhalten und erinnert an den Beginn der Bauzeit des Bauwerks.

Bereits im 11. Jahrhundert existierte in Kleiningersheim eine kleine Kapelle, die dem nahe gelegenen Schloss angegliedert war. Mit dem Wachstum des Dorfes – um 1591 zählte es etwa 200 Einwohner – entstand der Wunsch nach einer eigenen Pfarrkirche. In diesem Jahr erhielt die Gemeinde erstmals einen eigenen Pfarrer, was den entscheidenden Impuls für einen Kirchenneubau gab.

Zu klein und baufällig

Die alte Kapelle war zu klein, ungünstig gelegen und zudem baufällig. Daher wurde sie 1601 abgebrochen. Noch im selben Jahr begann der Bau der neuen Kirche, die nach nur kurzer Zeit fertiggestellt werden konnte.

Die Georgskirche wurde unter Leitung des Stuttgarter Baumeisters Hans Braun, einem Mitarbeiter des Hofbaumeisters des Herzogtums Württemberg, Heinrich Schickhards, im Stil der Frührenaissance errichtet. Sie entstand auf dem Gelände einer ehemaligen Scheune in unmittelbarer Nähe des Schlosses.

Typisch für den Bau sind der nahezu quadratische Grundriss des Kirchenschiffs sowie der markante Turm mit achteckigem Aufbau und Zwiebelhaube. Elemente der Gotik – wie etwa Spitzbögen – verbinden sich mit der Formensprache der Renaissance.

Die Kirche war von Beginn an Mittelpunkt des religiösen Lebens. Zunächst mussten Verstorbene allerdings noch im benachbarten Großingersheim beigesetzt werden, da ein eigener Friedhof fehlte. Erst später, im Jahr 1606, erhielt Kleiningersheim eine eigene Begräbnisstätte.

Schäden im Inneren

Im Laufe der Jahrhunderte erlebte die Georgskirche zahlreiche Veränderungen. Die Kriege des 17. Jahrhunderts hinterließen Schäden im Inneren, doch immer wieder wurde das Gotteshaus erneuert und bewahrt. Im 18. Jahrhundert erhielt sie ihre Ausmalung mit biblischen Fresken, von denen bis heute Teile im Chor erhalten sind. Sie zeigen unter anderem die Evangelisten sowie die Taufe Jesu.

Auch in neuerer Zeit wurde die Kirche behutsam weiterentwickelt. Ein besonderes Beispiel ist das farbige Chorfenster, das 1967 eingesetzt wurde. Es wurde von Nachfahren der nach Amerika ausgewanderten Kleiningersheimer Familie Ehmer gestiftet und symbolisiert die bleibende Verbundenheit mit der Heimat. Im Inneren zeugen der Taufstein aus dem Jahr 1722 sowie ein Epitaph, eine Gedenkplatte, der Familie Hörner von der engen Verbindung zwischen Kirche und Ortsgeschichte.

„Die Kirche bleibt im Dorf“

Heute steht die Georgskirche als Kulturdenkmal im historischen Ortskern von Kleiningersheim und ist weit über das Neckartal sichtbar. Neben Gottesdiensten ist sie auch Ort der Begegnung, der Musik und der Erinnerung. Selbst moderne Medien haben das Gotteshaus entdeckt: Als Drehort der Fernsehserie „Die Kirche bleibt im Dorf“ wurde sie einem breiteren Publikum bekannt.

 
 
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