Ingersheim Hexensturm vor kleiner Kulisse

Von Jörg Palitzsch
Die Ingersheimer Fasnetszunft Holma’le beim Rathaussturm, rechts Bürgermeisterin Simone Lehnert. Foto:  

Am Schmotzigen Donnerstag trotzen die Narren und rund 30 Gäste dem widrigen Wetter.

Mit einem Rathaussturm läutete die Ingersheimer Fasnetszunft Holma’le am Schmotzigen Donnerstag die heiße Phase des Faschings in Ingersheim ein. Vom Wetter ließen sie sich nicht abschrecken, wobei sich der Regen pünktlich zum Beginn um 15 Uhr verzog. Übrig blieb ein kalter Wind, so fand der Hexensturm vor kleiner Gäste-Kulisse statt.

Schon am Vormittag zog die Narrenschar der Ersten Fastnetszunft durch den Ort, um gehörig Streiche und Neckereien anzustellen. Neu an der Spitze der wilden Truppe ist Dieter Frank, seit 2017 dabei. Er übernahm das Amt von Jochen Zoller, der nach elf Jahren aus geschäftlichen Gründen nun von der zweiten Reihe aus bei den Holma’le aktiv ist. Die 2014 gegründete Ingersheimer Zunft besteht derzeit aus 36 aktiven und elf passiven Mitgliedern. Darunter auch Bürgermeisterin Simone Lehnert, die die Seiten gewechselt hat. Sie wurde 2023 von den Holma’le von einer quitschbunten Faschings-Wasserblume in eine Oberhexe verwandelt und steckt seitdem mit der Hexenbrut ganz dick unter einer Decke.

Rathaus gekapert

Am gestrigen Mittag hatten das Holma’le, sein Weib, die Wiesental-Hex, die Bruthexen und Brutdämonen die Aufgabe, das Rathaus zu kapern. An der Spitze das Holma’le, die Symbolfigur der Gruppe, eine urige und traditionsverbundene Gestalt. Das Erscheinungsbild wirkt kräftig, rustikal und erinnert an alte, überlieferte Faschingstraditionen.

Angesichts dieser imposanten Figur ließ sich eine Handvoll Ratsmitglieder und Angestellte der Verwaltung nicht davon abhalten, das Rathaus wacker zu verteidigen. Der Zunftmeister gab sich allerdings kampfeslustig. „Ein Rückzug käme viel zu verwegen, darum bleiben wir standhaft – unentwegen“, tönte er im Kreis der Narren. Darunter die Wiesental-Hex, das Weib des Holma’le, eine lebhafte, schelmische Hexenfigur. Mit Gürtel, Leinensack und Becher wirkt sie wie eine traditionelle Dorfhexe aus vergangenen Zeiten. Mit dabei auch die Bruthexen und Brutdämonen. Mit Besen, Gürteln oder Ketten treten sie als lebhafte, verspielte Gestalten des Faschings auf.

Bürgermeisterin Simone Lehnert wollte dieser Macht etwas entgegensetzen und appellierte an das gute Gewissen. „Liebe Hexen, hört mir zu, das Rathaus braucht auch manchmal Ruh“, und der Gemeinderat sekundierte: „Wir stehen hier mit Macht und List, weil Dienst am Ort uns wichtig ist.“ Trotz allem kam es, wie es kommen musste.

Drei schwere Aufgaben

Drei Aufgaben, schwer und gemein, nur wer es schafft, durfte Sieger sein. Beim Becher-Gummi-Spiel und auch beim Pantomime-Duell hatte das Ratsteam die Nase vorn und ging als Sieger vom Platz. So genau nahmen es die Narren aber nicht, „weil am Aschermittwoch, wie gewohnt, geht die Narretei zur Ruh, drum feiert mit uns, bei Schmaus und Trank, mit Frohsinn und Gestank.“ Nach der Schlüsselübergabe vor dem Rathaus traf sich die ganze Gesellschaft hinter dem Rathaus bei Bier und Wurst – und einmal blinzelte sogar die Sonne durch die Wolken.

Guggenmusik und Barbetrieb

Der Fasching in Ingersheim findet an diesem Wochenende seine Fortsetzung. Am heutigen Freitag und am morgigen Samstag wird in der SKV-Halle mit Guggenmusik und Barbetrieb gefeiert, organisiert vom Blasorchester. Am Sonntag, 15. Februar, und Dienstag, 17. Februar, findet der Kinderfasching des Akkordeonvereins statt.

Und auch der Terminkalender der Holma’le ist für die nächsten närrischen Tage gefüllt. Am 14. Februar nehmen sie am Umzug der 1. Waiblinger FG teil. Am 15. Februar geht es weiter mit dem Fasnetsumzug der NZ Nibelgau Leutkirch, gefolgt von der Jubiläumsparty derselben Zunft am 16. Februar. Den Abschluss bildet am 17. Februar der Faschingsumzug des TSV Nellmersbach.

 
 
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