Ingersheim „Ich bin ein Seelensänger“

Von Bettina Nowakowski
Countertenor Nils Wanderer bleibt bei allem Erfolg seiner Heimat eng verbunden, wie jetzt mit dem zweitägigen Festival. Foto: /Martin Kalb

Countertenor Nils Wanderer hatte im Mai sein Debüt an der Metropolitan Opera in New York. Jetzt organisiert er das Fischerwörth-Festival im Juli.

Das Geheimnis des Erfolgs der Metropolitan Opera in New York, dem größten Opernhaus der Welt, erklärt Countertenor Nils Wanderer so: „Hier arbeiten die besten Künstler zusammen, alles Menschen, die auf absoluter Augenhöhe miteinander kommunizieren und alle lassen ihr Ego vor der Tür.“ So hat es der Sänger bei seinem Debüt an der „Met“ erlebt, wo er im Mai und Juni sieben Mal als Leonardo, dem queeren Begleiter von Frida Kahlo, in der zeitgenössischen Oper „El Último Sueno de Frida y Diego“ aufgetreten ist. Dafür wurde er sowohl von der Fachpresse als auch vom Publikum begeistert gefeiert.

Ein Gütesiegel der Klassik

„Das war bis jetzt das Highlight meiner Karriere“, erzählt der Countertenor im heimischen Ingersheim. Die Rolle sei ihm auf den Leib geschrieben gewesen. Die „Met“ sei wie ein „Gütesiegel, dass man als Sänger wirklich in der Klassik angekommen ist“, erklärt Nils Wanderer. Unterstützung gab es von der Familie und Freunden aus aller Welt, die „viel aufgeregter waren als ich“, wie der Sänger festgestellt hat. Während Freunde und Familie die Stadt erkundeten, habe er selbst „wie ein Mönch gelebt“, um sich nicht zu erkälten. „Am schwierigsten ist es, gesund zu bleiben bei all den Klimaanlagen, die es dort gibt“, so Nils Wanderer.

Auf dem Rückflug nach Deutschland habe er „zum einen Trauer gespürt, dass es vorbei ist“, aber auch „große Dankbarkeit und Demut“ empfunden. „Da fragt man sich dann schon: Was kommt jetzt noch?“, meint Nils Wanderer nachdenklich. Dass in jeder Vorstellung Freunde und Familie dabei waren, habe ihn sehr berührt, ebenso wie das Publikum an sich, das ihn mit offenen Armen angenommen habe. „Ich bin einfach ein Seelensänger, ich möchte viele Menschen erreichen, das war mein Ziel“, so der Countertenor. Dazu kam das Erlebnis, mit dem gesamten Team an Sängerinnen und Sängern, Dirigenten und Musikern während der Proben und Aufführungen immer auf Augenhöhe gewesen zu sein. „Wir haben uns alle absolut wohlgefühlt auf der Bühne“, so sein Fazit.

Eine schöpferische Pause gibt es für Nils Wanderer nicht. Ein paar Tage spannt er in Ingersheim bei seiner Mutter aus und „erholt sich als Aushilfe in der Tierarztpraxis“, wie er lachend erzählt. Diese Arbeit würde ihn wieder erden und runterbringen. Dann folgen auch schon wieder Auftritte in ganz Deutschland. Vom klassischen Olymp der Met geht es jetzt zum „Festival zwischen den Welten“ im Fischerwörth in Ingersheim am 11. und 12. Juli, das Nils Wanderer organisiert hat. „Ich habe tatsächlich an das Festival hier den gleichen gesanglichen Anspruch wie bei meinen Auftritten an der Met“, so der Sänger. Auch der Aufwand und die Energie für die Vorbereitungen seien für ihn auf dem gleichen Level wie für seine Auftritte an der Met.

Musik zwischen den Welten

Die Initiative für das „Festival zwischen den Welten“ ging von ihm aus. „Ich möchte den Menschen hier in der Region etwas wiedergeben. Jeder soll sich willkommen fühlen“, so seine Motivation. Begeistert ist er davon, dass die Gemeinde das Festival mit unterstützt und so viele Ingersheimer Vereine mitmachen. Das Festival startet am Samstag, 11. Juli, um 19.30 Uhr mit einer Mischung aus Klassik, Pop und Musical, zusammen mit der Band „Suchtpotenzial“. „Das sind tolle Musiker auf höchstem Niveau, die Musik zum Weinen, Tanzen und Mitsingen machen“, sagt Nils Wanderer. Ab 22.30 Uhr kann das Publikum dann auf Techno und House mit DJ Hermann Hesse abtanzen.

Eine „Irische Nacht“ erwartet die Besucherinnen und Besucher am Tag darauf, am Sonntag, 12. Juli. Sängerin Sharon Lyons und das Scotia Ensemble werden in der Kombination von Barock, Irish Chant und Folk für ein sehr emotionales Konzert mit viel Gänsehautgefühl sorgen.

Kein Crossover-Sänger

Den Wechsel zwischen Klassik, Rock, Pop und Traditionell meistert Nils Wanderer problemlos. „Ich bin kein Crossover-Sänger, ich hasse das Wort“, erklärt er. „Wenn ich Pop singe, bin ich Popsänger, bei Klassik bin ich ein anderer Mensch.“ Er selbst sieht sich als ein Mensch mit vielen Formen und Farben: „Der Nils ist eben bunt“, schmunzelt er.

Das nächste Album von Barock bis Electronic mit seiner Band „Wanderer“ ist schon in Planung, außerdem ein Album in Kooperation mit amerikanischen Komponisten, die er gern bekannt machen möchte.

Und wann macht Nils Wanderer mal Urlaub? Eigentlich nie. „Singen und Musik sind ja keine Arbeit für mich, sondern meine Leidenschaft“, meint der Sänger.

 
 
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