Ingersheim Kalter Brandgeruch hängt in der Luft

Von Jörg Palitzsch
Das zum Teil abgebrannte Haus in der Kleiningersheimer Hauptstraße ist versiegelt. Wie weit ein Abriss stattfindet, muss noch entschieden werden. Foto: /Oliver Bürkle

Das Wohnhaus in der Hauptstraße bleibt unbewohnbar, über einen Abriss ist noch nicht entschieden. Die Bürgermeisterin würdigt den Einsatz der Helfer und Einsatzkräfte.

Verkohlte Balken des Dachstuhls ragen in den Himmel. Die Fenster sind mit Spanplatten verschlossen, die Haustür versiegelt und mit Brettern vernagelt. Im Hof verstreut liegen kaputte Dachziegel, Mauerreste, Holzabfälle, alte Reifen und anderer Schutt neben einem ausrangierten Anhänger. Über allem hängt noch kalter Brandgeruch. Das Wohnhaus in der Kleiningersheimer Hauptstraße erinnert auch Tage nach dem verheerenden Brand an den Großeinsatz, der die Gemeinde erschütterte und weit über die Ortsgrenzen hinaus für Aufmerksamkeit sorgte.

Statiker prüfen Stabilität

Mehr als 150 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst waren am Mittwoch vergangener Woche vor Ort. Der Einsatz entwickelte sich schnell zu einer außergewöhnlichen Lage. Neben der Evakuierung waren ein Spezialeinsatzkommando und Bombenentschärfer im Einsatz. Ein 61-jähriger Tatverdächtiger wurde festgenommen. Das betroffene Wohnhaus gilt nun als Tatort und wurde durch den Brand massiv beschädigt. Um die Flammen zu bekämpfen, musste die Feuerwehr den gesamten Dachstuhl öffnen. Neben den Brandschäden dürfte vor allem der enorme Löschwassereintrag erhebliche Folgen haben. Statiker prüfen derzeit die Stabilität des Gebäudes, das möglicherweise einsturzgefährdet ist und nach Einschätzung der Ermittlungsbehörden bislang unbewohnbar bleibt.

Nach der mutmaßlichen Brandstiftung wurden rund 70 Anwohner vorsorglich evakuiert und im Vereinsheim Schönblick untergebracht. Dort kümmerten sich zahlreiche freiwillige Helfer und Ehrenamtliche um die Menschen – mit Decken, Getränken und Essen. Dabei viele Nachbarn, die mit angepackt und sich um andere gekümmert haben. Auch die mitgebrachten Haustiere wurden versorgt. So benötigten zwei Hunde dringend Medikamente. Da ihre Besitzerin nicht mehr in ihr Haus zurückkehren konnte, brachte sie ein Hilfsdienst kurzerhand zu einem Tierarzt nach Bissingen, damit die notwendigen Tabletten besorgt werden konnten.

Schaden im sechsstelligen Bereich

Das Areal ist inzwischen mit einem hohen Bauzaun sowie Sicherheitsbaken entlang der engen Hauptstraße abgesichert. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen von einem Schaden im sechsstelligen Bereich aus. Gleichzeitig zieht der Tatort auch Schaulustige an. Radfahrer halten am Zaun, Fußgänger schauen sich den Schaden an und Autofahrer passieren die Einsatzstelle nur langsam.

In der Gemeinde wirken die Ereignisse nach. Derzeit stimmt sich die Verwaltung mit Staatsanwaltschaft, Polizei und Feuerwehr darüber ab, wie die am Brandort aufgefundenen Schadstoffe fachgerecht entsorgt werden können. Parallel wird bereits über einen möglichen Abriss des stark beschädigten Gebäudes beraten, vermutlich bis zum 1. Stock, so Bürgermeisterin Simone Lehnert in der Sitzung des Verwaltungsausschusses am vergangenen Dienstag. „Wenn ein Sturm kommt, besteht Gefahr für die umliegenden Gebäude.“

Dank an Helfer ausgesprochen

Bürgermeisterin Lehnert würdigte bereits beim Kleiningersheimer Dorffest am vergangenen Wochenende den außergewöhnlichen Einsatz der zahlreichen freiwilligen Helfer sowie der Gemeindemitarbeiter. Auch beim Grillfest der Freiwilligen Feuerwehr sprach sie den Feuerwehrleuten ausdrücklich ihren Dank für einen engagierten und erfolgreichen Einsatz aus. Für Feuerwehrkommandant Bernhard Burk war der Brand der erste Großeinsatz seit seiner Wahl im Januar dieses Jahres.

Solch eine Notsituation sei vorher nicht im Detail planbar, so Lehnert. Dennoch habe sich gezeigt, dass die Gemeinde durch ihr aktives Krisenmanagement rasch handeln konnte und wusste, was zu tun ist. „Alle haben ein hohes Verantwortungsbewusstsein gezeigt.“

Zwischen Bauzaun und Absperrungen gibt es aber auch kleine Geschichten, die zeigen, welche Folgen das Unglück hat. Zwei Katzen, die sonst regelmäßig auf einer Bank vor dem Haus saßen, haben durch den Brand ihr Zuhause verloren. Da sie nicht mehr in das Gebäude gelangen können, kümmert sich nun eine Nachbarin um die Tiere und versorgt sie mit Futter – ein stilles Zeichen dafür, dass es in Kleiningersheim auch nach den dramatischen Stunden einen engen Zusammenhalt gibt.

 
 
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