SPD-Gemeinderat Thorsten Majer versuchte in der jüngsten Ratssitzung noch einen Kompromiss zu finden. Anstatt 8,5 Prozent Gebührenerhöhung für die Kindergärten sprach er sich für acht Prozent aus, ohne dafür jedoch einen Antrag zur Abstimmung zu stellen. So treten zum 1. September 2025 in der Gemeinde neue Gebührensätze mit einem Plus von 8,5 Prozent für die Kindergärten in Kraft, verabschiedet mit 13 Jastimmen und bei vier Neinstimmen der SPD-Fraktion.
Ingersheim Kita-Gebühren werden trotz Elternprotests erhöht
Der Gemeinderat hat am Dienstag eine Anhebung um 8,5 Prozent beschlossen. Die Entscheidung fiel gegen die Stimmen der SPD.
Die Erhöhung gilt sowohl für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren als auch für Kinder über drei Jahren. Im Vorfeld der Entscheidung hatte der Gemeinderat im Rahmen einer Haushaltsklausur über die Anpassungen beraten. Ein Gespräch mit dem Gesamtelternbeirat wurde anschließend geführt, und der reagiert nun in einer Stellungnahme mit harscher Kritik.
Unverständnis der Eltern
Dass die Gemeinde mit 8,5 Prozent über die Empfehlung des Städtetages von 7,3 Prozent hinausgehe, stoße bei den Eltern auf großes Unverständnis, stünden viele Familien doch unter einem erheblichen finanziellen Druck. Man verfolge offensichtlich die Strategie, den Verzicht auf eine vollumfängliche Erhöhung aus dem letzten Jahr „nachzuholen“. Die Realität werde ignoriert, es sei unverhältnismäßig, Eltern in wirtschaftlich angespannten Zeiten stärker zu belasten, um symbolisch eine vermeintliche Haushaltslücke zu schließen.
Bürgermeisterin Simone Lehnert wies diese Anschuldigungen deutlich zurück. Mit Blick auf die kommunale Finanzlage brauche es eine langfristige Perspektive, auch wenn man von einem Deckungsgrad mit 20 Prozent noch weit entfernt sei.
Prekäre Finanzlage
Im Gremium sah man dies zum größten Teil ähnlich. Man zeigte rundum zwar Verständnis für die Kritik der Eltern, die prekäre Finanzlage rückte aber in den Vordergrund. „8,5 Prozent sind der richtige Weg“, so Jürgen Fleischmann (FW), es würden noch viele weitere Schritte folgen, „die weh tun.“ Auch Markus Scheyhing (CDU) bezeichnete die 8,5 Prozent als „gangbaren Weg“, Lukas Kofink (FDP) meinte, die Entscheidung falle nicht leicht, sei aber notwendig.
Steigende Ausgaben für Personal
Bürgermeisterin Lehnert betonte, die Erhöhung der Gebühren sei auch notwendig, um den gestiegenen Ausgaben – insbesondere im Personalbereich – angemessen zu begegnen. Die Gemeinde gehe bewusst über die Empfehlung von 7,3 Prozent hinaus, um mittelfristig eine stärkere finanzielle Eigenbeteiligung der Eltern zu erreichen. Während landesweit ein Kostendeckungsgrad von 20 Prozent angestrebt wird, plant die Verwaltung, diesen in bestimmten Betreuungsformen schrittweise auf bis zu 30 Prozent zu erhöhen. Insbesondere im Ganztagsbereich – sowohl in Kindergärten als auch in der Kleinkindbetreuung – sei dies aufgrund begrenzter Platzkapazitäten und höherem Personalaufwand gerechtfertigt, so die Begründung.
So sind das Basis-Modell (30 Wochenstunden) und das VÖ-Modell (35 Wochenstunden) die am stärksten nachgefragten Betreuungsmodelle. Beim Basis-Modell steigt die Gebühr bei einem Kind von 152 auf 165 Euro, beim Landesrichtsatz mit 7,3 Prozent wären es künftig 163 Euro gewesen. Bei VÖ-Modell steigt die Gebühr für ein Kind von 189 auf 205 Euro, mit dem Landesrichtsatz wären es 203 Euro gewesen.
Auch Mittagessen kostet mehr
Auch die Kosten für das Mittagessen steigen. Ab September zahlen Eltern laut einstimmigem Beschluss 4,50 Euro pro Mahlzeit – bislang waren es 3,90 Euro. Grund für die Anhebung sind die kontinuierlich steigenden Cateringkosten sowie höhere Personalaufwendungen für die Essensausgabe. Der tatsächliche Aufwand pro Essen beträgt laut Verwaltung derzeit rund 9,88 Euro. Die Differenz wird weiterhin größtenteils von der Gemeinde Ingersheim getragen.
Die neuen Gebühren gelten für den Zeitraum vom 1. September 2025 bis 31. August 2026. Die Verwaltung betont, dass auch künftig eine regelmäßige Überprüfung und Anpassung der Sätze erforderlich sein wird, um die finanzielle Stabilität der kommunalen Kinderbetreuung zu sichern.
Auch Schulkindbetreuung wird teurer
Ebenfalls
mit vier Neinstimmen der SPD-Fraktion wurde im Ingersheimer Gemeinderat mit großer Mehrheit die Gebühr für die Schulkindbetreuung um 8,5 Prozent angehoben. Es handelt sich um ein freiwilliges Angebot der Gemeinde, es gibt geringe Landeszuschüsse.
Angestrebt
wird ein Kostendeckungsgrad von 60 Prozent, aktuell liegt dieser bei 28,5 Prozent. Den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2026 soll, wie berichtet, mit der bestehenden Schulkindbetreuung umgesetzt werden.
