Insgesamt zehn Pfarrer standen im 17. Jahrhundert der Großingersheimer Martinskirche vor. Unter ihnen fällt vor allem der Familienname Thumm auf. Auf einem von drei Holzdielen in der Sakristei sind drei Pfarrer verzeichnet, die von 1606 bis 1632 in Großingersheim insgesamt 26 Jahre lang in der Kirche tätig waren: Gottfried Thumm in der Zeit von 1606 bis 1609 sowie seine Söhne Johann Thumm von 1609 bis 1623 und Andreas Thumm von 1623 bis 1632.
Ingersheim Pfarrer verschleppt und ermordet
Vor 420 Jahren begann in Großingersheim die Pfarrer-Dynastie der Familie Thumm. Pfarrer Andreas Thumm fand 1634 in Besigheim den Tod.
Gottfried Thumm, um 1544 in Wolfschlugen geboren, war in Großingersheim nur eine kurze Dienstzeit als Pfarrer beschieden. Im Kirchenvisitationsprotokoll von 1599 heißt es, es gebe über ihn nichts zu klagen, „weder an der Lehr, noch seinem Leben. Man empfehle ihn dafür, weil er sein officium (Amt) fleißig versehe, und auch samt den Seinen (Familie) sich ohnärgerlich verhalte.“ Pfarrer Thumm kam vor 420 Jahren im April 1606 nach Großingersheim.
Sohn ins Pfarramt eingesetzt
Bei einer am 3. April 1605 in Großingersheim gehaltenen Visitation hatte er „sein anbefohlenes Ministerium (Pfarramt) noch nicht bezogen“, er dürfte aber kurz darauf in die Gemeinde gekommen sein. Im Jahr 1609 bat Gottfried Thumm darum, ihn wegen seines hohen Alters zu „verleibdingen“, also mit einer Rente auf Lebenszeit auszustatten, und seinen Sohn Johann Gottfried ins Pfarramt einzusetzen. Dieser Bitte wurde stattgegeben.
Johann Gottfried Thumm, Pfarrer und Doktor der Theologie, wurde als Nachfolger seines Vaters 1609 in Großingersheim eingesetzt. Im Kirchenzeugnis steht über ihn, „dass er fleißig, still und eingezogen, ein feiner junger Prediger sei, der sich täglich bessere.“ Allein habe er sich überweibet (eine Frau höheren Standes geheiratet). Zudem sei seine Frau „meisterlos heßlich, stets blöd und krank dazu gewesen.“
In die Amtszeit von Johann Thumm fiel der große Umbau der Martinskirche, veranlasst durch den württembergischen Hofbaumeister und Baumeister der Renaissance, Heinrich Schickhardt. Damals wurde der künstlerisch wertvolle Emporenaufgang an der nördlichen Außenseite der Kirche geschaffen. Pfarrer Thumm hat an diesen Baumaßnahmen als „Hausherr“ wesentlich mitgewirkt. Johann Gottfried Thumm verstarb am 30. März 1623 – und das Pfarramt blieb weiter in Familienhand.
Probleme durch Geldgeschäfte
Johann Gottfrieds Bruder Andreas Thumm trat noch im selben Jahr dessen Nachfolge in Großingersheim an. Es waren schwere Zeiten, die Richard Stein in seiner Ortschronik aus dem Jahre 1903 beschreibt. So wütete die Pest, die die Einwohner dahinraffte. Die Lebensmittelpreise stiegen und es gab kaum Geld im Umlauf. Hinzu kamen im Zuge des Dreißigjährigen Krieges heftige Auseinandersetzungen, die mit der Schlacht bei Nördlingen Ende August 1634 ihren Höhepunkt fanden. Die Kaiserlichen – Truppen des katholischen Kaisers Ferdinand II. – besiegten die Schweden. In aufgelöster Unordnung zogen zuerst diese durch das Land, darauf folgte die siegreiche kaiserliche Armee. Württemberg und vor allem die Bürger waren schutzlos den umherziehenden Soldaten ausgeliefert, ganze Landstriche wurden geplündert und verwüstet.
Pfarrer Andreas Thumm war bereits in Schwierigkeiten, weil er sich auf Geldgeschäfte eingelassen haben soll, die seiner Stellung als Großingersheimer Pfarrer unwürdig waren. Die Gemeinde trat zwar für ihn ein und berief sich auf Thumms wackere Haltung in der Pestzeit – doch ohne Erfolg.
Thumm selbst wies in einem Gnadengesuch darauf hin, dass sein Urahn Conrad Thumm als Schultheiß in Wolfschlugen einst Herzog Ulrich Unterschlupf gewährt habe, weshalb dessen Nachkommen im evangelischen theologischen Stift in Tübingen die Möglichkeit zum Studium der Theologie eröffnet worden sei. Sein Betteln half jedoch nichts und das Schicksal nahm seinen Lauf.
1634 wurde Andreas Thumm als Geisel samt Familie durch die Kaiserlichen nach Besigheim verschleppt und der Pfarrer von feindlichen Soldaten ermordet. Mit seinem gewaltsamen Tod ging in Großingersheim die Thumm-Dynastie zu Ende. Ob seine Frau und die Kinder auch Opfer der Mörder wurden, ist nicht eindeutig überliefert. Im Besigheimer Totenbuch ist nur Andreas Thumm aufgeführt.
