Ingersheim Pflanzenfärben von Ingersheim bis Peru

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Christa Laiß und ihr Mann Dieter Kaiser aus Kleiningersheim färben ihre Stoffe mit Pflanzenfarben und erhalten damit eine alte Handwerkskunst.⇥ Foto: Martin Kalb

Das Färben mit Pflanzen gehört zum immateriellen Kulturerbe der Unesco. Seit 40 Jahren werden in Kleiningersheim Naturwaren mit Pflanzen von Hand gefärbt und produziert.

Es ist eine alte Handwerkskunst mit einer jahrtausendelangen Tradition: Das Färben mit Pflanzen wird in Deutschland nur noch von einer Handvoll Färbern betrieben. Einer davon ist Dieter Kaiser. Der Kleiningersheimer beschäftigt sich seit 40 Jahren mit der hohen Kunst des Pflanzenfärbens. Antiquarische Färbebücher aus dem 18. Jahrhundert halfen ihm, sein Wissen zu erwerben und zu vertiefen. Seine Frau Christa Laiß hat anfangs Teppiche aus Naturfarben gewoben, die dann mit den Pflanzenfarben gefärbt wurden. Daraus entwickelte sich das Naturwarengeschäft von Christa Laiß und Dieter Kaiser. Heute führt Christa Laiß in ihrer Modewerkstatt ein reichhaltiges Sortiment aus Naturwaren wie selbst designte Woll- und Seidentücher, Wolldecken, Wollröcke, Puls- und Hüftwärmer sowie Produkte aus naturgegerbten Schaf- und Lammfellen.

In Peru und Nepal unterwegs

„Normalerweise wären wir jetzt in der Adventszeit auf dem Ludwigsburger Weihnachtsmarkt mit unserem Stand“, erzählt Christa Laiß. Aber wie so vieles ist auch dies Corona-bedingt nicht möglich. Auch die Auslandsreisen zu den Pflanzenfärbereien in Peru und Nepal und der internationale Austausch mit anderen Färbern mussten dieses Jahr abgesagt werden. Denn längst ist das Fachwissen von Dieter Kaiser und Christa Laiß weltweit gefragt.

Im Auftrag des „Senioren Experten Service“ Bonn reiste das Ehepaar 2003 das erste Mal nach Peru, um dort in dem kleinen Andendorf Tinki die Bevölkerung im Pflanzenfärben und Filzen von Alpakawolle zu unterrichten. Aus diesem Projekt entwickelten sich über die Jahrzehnte landesweit viele neue Kooperationen. Im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) waren Dieter Kaiser und Christa Laiß auch in Usbekistan und richteten dort Pflanzenfärbereien ein, ebenso wie in Nepal. An der Filzschule Oberrot in Baden-Württemberg gibt es zudem mehrtägige Seminare, außerdem werden eigene Färbekurse vor Ort angeboten.

Die Ausbildung im Pflanzenfärben macht heute den größten Teil von Dieter Kaisers Tätigkeit aus. „Über Jahrzehnte waren wir 70 Stunden die Woche in der Werkstatt und haben weltweit an den Großhandel geliefert, bis nach Japan und die USA“, erzählt Kaiser. Doch dann wollte er kürzer treten und sich aufs Unterrichten konzentrieren. Für Dieter Kaiser liegt die Faszination des Pflanzenfärbens im Ergebnis: „Morgens hat man noch alles in Naturtönen, abends ist dann alles bunt.“ Fünf Pflanzen ergeben eine ganze Farbpalette. Dazu gehören Reseda für Gelb, die Trappwurzel für Orange/Rot, Indigo für Blau, die Cochenillelaus für Rot/Violett und Catechu für Brauntöne.

Uralte Handwerkskunst

Für den Großhandel produziert Dieter Kaiser nur noch im geringen Umfang, wichtiger ist ihm die ehrenamtliche Weitergabe seines Wissens. „In Deutschland wird Pflanzenfärben heute oft noch als Hobby gesehen“, so der Experte. „Aber es ist eine uralte Handwerkskunst, die inzwischen zum immateriellen Kulturerbe gehört, und die wir vor dem Vergessen bewahren wollen.“

Besonders freuen sich Laiß und Kaiser über die Treue ihrer Kunden, gerade in diesen Zeiten. „Wir erfahren wirklich viel Unterstützung, das ist sehr schön“, so Christa Laiß. Dieter Kaiser überlegt, ob er die reisefreie Zeit dafür nutzt, „endlich mal selbst ein Buch übers Pflanzenfärben zu schreiben.“ Die Ideen gehen den beiden Kleiningersheimern auch nach 40 Jahren nicht aus: „Man muss einfach kreativ und flexibel bleiben.“

www.colornatural.de

 
 
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