Ingersheim Publikumspreis für Jugendtreff

Von Jörg Palitzsch
Der Jugendtreff im Ingersheimer Fischerwörth hat den zweiten Platz beim Wettbewerb „Bau des Jahres 2025“ gewonnen. Foto: /Oliver Bürkle

Das ungewöhnliche Holzgebäude im Fischerwörth in Ingersheim hat eine internationale Auszeichnung erhalten.

Der Jugendtreff im Ingersheimer Fischerwörth, entworfen von Studenten der Hochschule Konstanz, der Hochschule für Technik in Stuttgart sowie den Architekten Klingelhöfer-Krötsch hat den zweiten Platz der Publikumslieblinge der Swiss/Austrian/German Architects (World-Architects) beim „Bau des Jahres 2025“ gewonnen. 50 Bauwerke waren für den Publikumspreis nominiert. Zum ersten Mal stammten sie von Architektinnen und Architekten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Der Experimentalbau in Ingersheim besteht aus hölzernen Schalungselementen des Stuttgarter Hauptbahnhofs, die ursprünglich als Abfall verbrannt werden sollten. Die Auszeichnung unterstreiche die Strahlkraft des Projekts. Sie zeige beispielhaft, wie aus vermeintlichen Abfallprodukten nachhaltige und gesellschaftlich wertvolle Bauwerke entstehen können – und wie Forschung, regionale Zusammenarbeit und kommunales Engagement neue Wege im Umgang mit Ressourcen eröffnen, heißt es in der Begründung für die Auszeichnung.

Aufgrund ihrer individuell geschwungenen Form ließen die Bauteile nur bestimmte architektonische Lösungen zu. Für Ingersheim bot sich die Nutzung als Pavillon an. Damit wurde auch ein Ziel aus dem Gemeindeentwicklungskonzept „Ingersheim 2040“ verwirklicht: die Weiterentwicklung von Treffpunkten und Aufenthaltsmöglichkeiten für Jugendliche. Der Pavillon dient als offener Jugendtreff und verbessert die Aufenthaltsqualität des gesamten Areals für alle Bürger.

Mut der Gemeinde

„Unser Jugendtreff ist ein architektonisches Schmuckstück und bei den Fachleuten und Liebhabern der Architektur wird dies entsprechend anerkannt“, so Bürgermeisterin Simone Lehnert über die Auszeichnung. Schon beim Ludwigsburger Architekturquartett 2024 war der Ingersheimer Jugendtreff ein Diskussionsthema bei bundesweit anerkannten Architekten. Der Gemeinde wurde Mut bescheinigt, einen solchen Bau als offenen Jugendtreff anzubieten. Ganz ohne Türen, ohne Beschränkungen, aber auch der Gefahr ausgesetzt, dass er beschmutzt werden kann, dass man ihn beschmieren kann oder er auch mal dreckig ist. Eine weitere Anerkennung erfolgte 2025 mit der „Engeren Wahl“ des Jugendtreffs beim Holzbaupreis 2025. Der Branchenpreis der deutschen Holz- und Forstwirtschaft wird von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, Berlin, ausgelobt, und steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.

Aufwertung des Außenbereichs

„Ich bin stolz auf unseren Jugendtreff und darauf, dass wir den jungen Leuten, die sonst nirgends im Ort gewollt sind, einen Platz geben, an dem sie unter sich sein können, aber auch alle anderen ihn gemeinsam mit ihnen nutzen können“, so die Bürgermeisterin. Sie baue nun auf die warme Jahreszeit und die Aufwertung des Außenbereichs, der gerade umgesetzt wird. Der Jugendtreff werde noch über viele Jahre für alle da sein, die ihn nutzen möchten.

Dennoch gab und gibt es Kritik am Jugendtreff. In der jüngsten Ratssitzung wurde er von Gemeinderätin Martina Spahlinger als „Schmuddeltreff“ bezeichnet, was die Bürgermeisterin in der Sitzung als eine „Unverschämtheit“ zurückwies. Ingersheim, so Simone Lehnert, traue sich was und sei für alle da. Deshalb ärgere sie sich über eine Abwertung des Jugendtreffs. „Das sagt mehr über die Engstirnigkeit der Personen aus, die dies äußern, als ihnen vielleicht lieb ist.“ Jörg Palitzsch

 
 
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