Der Ingersheimer Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung zwei Kreditaufnahmen beschlossen, die zu einer Grundsatzdiskussion im Gremium führten. Zum einen sind es 486.000 Euro für die Wasserversorgung und 2,6 Millionen Euro zur Sicherung der Liquidität der Gemeinde. „Es sind Beschlüsse, die keine Freude machen“, so Bürgermeisterin Simone Lehnert. Gleichwohl kommen sie nicht überraschend, weil man darüber in einer Klausurtagung gesprochen habe.
Ingersheim Schulden steigen auf 7,9 Millionen Euro
Die Kommune nimmt einen Kredit von 2,6 Millionen Euro auf. „Radikale Kürzungen wir es nicht geben“, sagte Bürgermeister Simone Lehnert.
Bei der Haushaltsverabschiedung im März war beim Gemeindekredit noch von drei Millionen Euro die Rede. Der im Haushaltserlass 2025 genehmigte Gesamtbetrag wurde Anfang Mai 2025 von der Kommunalaufsicht genehmigt. Die nun erforderliche Kreditaufnahme diene insbesondere der Umsetzung bereits beauftragter Investitionen. Durch die Aufnahme des Kredits wird sich der Schuldenstand der Gemeinde Ingersheim von bislang 5,7 Millionen auf 7,9 Millionen Euro erhöhen.
Gemeinderat war sprachlos
Im Gemeinderat zeigte man sich zunächst sprachlos, bis Karl Seitz (FW) sich doch dazu äußerte. Er frage sich, wie lange die Gemeinde finanziell noch durchhalten werde. So bezahle man Zinsen, um die Gehälter bezahlen zu können. Beim Kredit für die Wasserversorgung wird eine jährliche Tilgung von 12.150 Euro fällig, beim Gemeindekredit 86.667 Euro. „Wir müssen radikal sparen, auch wenn es wehtut“, so die Forderung von Seitz, der auch Personaleinsparungen ansprach.
Thorsten Majer (SPD) sagte, es gebe nichts zu kürzen. Wenn Kommunen nicht von oben nach unten seriös durchfinanziert würden, werde es auch bei einer gut laufenden Wirtschaft nicht besser. Öffentliche Betriebe dürften überhaupt nicht von der Wirtschaftslage abhängig sein. So lüge man sich auf Bundesebene, etwa beim Thema Rente, jeden Tag in die eigene Tasche „und die Kommunen müssen es ausbaden“.
Keine Rücklagen vorhanden
Jürgen Fleischmann (FW) wies darauf hin, dass man die Kreditaufnahme mehrheitlich beschlossen habe. „Wir werden den Weg wohl oder übel gegen müssen“, so seine Durchhalteparole.
Keine Rücklagen und auch keine großen Einnahmen
„Wir haben Pflichtaufgaben und uns schon längst von Unnötigem verabschiedet. Radikale Kürzungen wir es nicht geben“, so Bürgermeisterin Lehnert. Man habe keine Rücklagen und auch keine großen Einnahmen, „und daran wird sich in den nächsten Jahren auch nichts ändern.“ In puncto Personal verwies sie auf die 200 Beschäftigten der Gemeinde, wovon allein über 100 bei der Kinderbetreuung tätig seien. Dies könne man nicht einfach wegrationalisieren. Und der größere Kredit diene auch dazu, die Verwaltung am Laufen zu halten. Dieser Wahrheit müsse man sich stellen.
So sind in diesem Jahr auch noch größere Investitionen zu erwarten, die man finanzieren muss. Etwa eine Kostenbeteiligung an der Kläranlage Nesselwörth in Bietigheim in Höhe von 177.000 Euro. Für Umrüstungen und Maßnahmen im Bereich des Pumpwerks fallen 138.000 Euro an, hinzu kommen 90.000 Euro für die Erneuerung der dortigen Trafostation. Außerdem ist die Umlegung des Spielplatzes Beeten II mit 84.000 Euro veranschlagt. Für die derzeit im Bau befindliche Aufenthaltsfläche beim Jugendtreff im Fischerwörth werden weitere 60.768 Euro benötigt. Die Ablösesumme für den Kreisverkehr beläuft sich auf 65.000 Euro. Darüber hinaus sind für die Straßensanierung „In den Linden“ 60.000 Euro und für den Kanal in der Forststraße 55.000 Euro einzuplanen. Schließlich entstehen für die Straßensanierung der Forststraße weitere Kosten in Höhe von 30.000 Euro.
Größere Investitionen
Zur Umsetzung von geplanten Investitionen im Bereich der Wasserversorgung benötigt der Wasserversorgungsbetrieb der Gemeinde Ingersheim ebenso die Aufnahme eines Kredits mit 486.000 Euro. Bis zum 1. September wurden bereits größere Ausgaben für Investitionsmaßnahmen getätigt. Dazu zählen die Erneuerung des Leitungsnetzes in der Forststraße mit Kosten von 55.452 Euro, die Herstellung von Hausanschlüssen in der Forststraße in Höhe von 12.520 Euro, Investitionen im Zusammenhang mit Rohrbrüchen in Höhe von 76.441 Euro sowie die Anschaffung von Messeinrichtungen und der turnusgemäße Zählerwechsel mit Kosten von 14.269 Euro.
Für das laufende Jahr sind darüber hinaus weitere Investitionen vorgesehen. Hierbei handelt es sich insbesondere um den Ausbau des Leitungsnetzes „In den Linden“ mit voraussichtlichen Kosten von 357.000 Euro sowie um die Erneuerung der Pegelleitung am Hochbehälter Weiden in Höhe von 5400 Euro. Peter Aymar (FW) kritisierte dies als nicht nachhaltig, weil man nur repariere. Ebenso seien die Einnahmen bei der Wasserversorgung zu gering.
