Ingersheim Umfrage: 85 Prozent klagen über Hitze

Von Jörg Palitzsch
85 Prozent der Befragten empfinden den Ingersheimer Ortskern als besonders heiß, 70 Prozent sagen das über die Haltestellen im Ort. Foto: /Martin Kalb

Eine Haushaltsbefragung liefert wichtige Erkenntnisse zu Hitzewellen und Starkregen. Eine Mehrheit fordert die Priorisierung von Anpassungsmaßnahmen.

Wie gut sind private Haushalte auf die zunehmenden Herausforderungen durch Hitze und Starkregen vorbereitet? Antworten auf diese Frage liefert eine umfassende Haushaltsbefragung in Ingersheim, deren Ergebnisse in der jüngsten Gemeinderatssitzung von Friedrich Hampel vom IREUS Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung der Universität Stuttgart vorgestellt wurden.

Im Zeitraum vom 11. August bis zum 26. September 2025 wurden mehr als 3000 Haushalte in Ingersheim zu ihren Erfahrungen mit Hitzewellen und Starkregenereignissen befragt. Dabei standen insbesondere die persönliche Risikowahrnehmung, das individuelle Vorsorgeverhalten sowie Einstellungen zu Klimaanpassungsmaßnahmen im Mittelpunkt. Laut Hampel gab es 378 Rückmeldungen, was einer Rücklaufqoute von 12,3 Prozent entspricht. Geantwortet hatten überwiegend Männer im Alter zwischen 55 und 75 Jahren. Das Nettoeinkommen der Befragten lag überwiegend im Bereich zwischen 2000 und 4000 Euro.

Mehrheit fühlt sich gut informiert

Die aktuelle Erhebung zeigte auch auf, wie stark Hitze und Starkregen das Sicherheitsempfinden und die Erwartungen der Einwohner prägen. Vor allem der öffentliche Raum stand im Mittelpunkt. Ganze 85 Prozent der Befragten empfinden den Ortskern als besonders heiß, dicht gefolgt von Haltestellen mit 70 Prozent. Damit zählen stark versiegelte und dicht bebaute Bereiche zu den größten Problemzonen bei Hitzewellen. Entsprechend klar fällt dann auch die Forderung aus. 93 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Anpassung an extreme Hitze eine hohe Priorität in der weiteren Entwicklung haben sollte. Trotz der Belastung fühlen sich über 75 Prozent der Menschen nach eigenen Angaben gut über Schutzmaßnahmen bei Hitze informiert. Gleichzeitig gibt es eine deutliche Erwartungshaltung. Viele rechnen mit Fördermitteln, um Gebäude und Wohnungen besser gegen Hitze zu schützen.

Auch die Bereitschaft, eigenes Geld in entsprechende Maßnahmen zu investieren, ist vorhanden. Hampel verwies in diesem Zusammenhang auf die Sanierungsmaßnahmen in den Ortsmitten von Groß- und Kleiningersheim.

Starkregen als Risikofaktor

Neben Hitze stellt für die Befragten auch Starkregen ein wachsendes Risiko dar. Drei Viertel haben bereits ein Starkregenereignis erlebt, 13 Prozent waren direkt betroffen. 81 Prozent dieser Betroffenen lebten zum Zeitpunkt des Ereignisses bereits in ihrem aktuellen Zuhause. Dennoch zeigt sich ein gemischtes Bild. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) hat nach einem Starkregen keine Schutzmaßnahmen ergriffen, während lediglich neun Prozent ihr Gebäude aktiv besser abgesichert haben. Gleichzeitig wünschen sich viele eine stärkere Unterstützung. Die Erwartung rechtzeitiger Warnungen vor drohendem Starkregen ist hoch, ebenso wie die Forderung, Anpassungsmaßnahmen stärker in die Planung der Gemeinde zu integrieren.

Um den Herausforderungen zu begegnen, wurden von Friedrich Hampel konkrete Maßnahmen benannt. Dazu zählen unter anderem die jährliche Reduktion des Flächenverbrauchs, eine höhere Anzahl von Straßenbäumen sowie die stärkere Begrünung von Flächen im Straßenraum. Bürgermeisterin Simone Lehnert sagte, in der Gemeinde sei jeder Baum wertvoll. Man sei aber immer wieder mit der Frage konfrontiert, wer denn das Laub wegräumt. Konkrete Maßnahmen, die in Ingersheim aus der Befragung resultieren könnten, wurden in der Sitzung nicht benannt.

 
 
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