Ingersheim Weitere Entwicklung möglich

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Die Erweiterungsfläche für Atlanta schließt sich mit 20 000 Quadratmetern an die südliche Bebauung des Gewerbegebietes an. Der Wirtschaftsweg (vorne) bleibt erhalten und zur Einfahrt am Gröninger Weg verlegt. ⇥ Foto: MARTIN KALB

Die Fortschreibung des Flächennutzungplanes der Verwaltungsgemeinschaft  Bietigheim-Bissingen/Ingersheim/Tamm und den Bebauungsplan-Entwurf „Bietigheimer Weg Süd“ wurden beschlossen.

Mit vier Gegenstimmen von WIR und MIT sowie einer Enthaltung hat der Ingersheimer Gemeinderat am Dienstag die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes der Verwaltungsgemeinsachaft Bietigheim-Bissingen/Ingersheim/Tamm beschlossen. Bei fünf Nein-Stimmen wurde auch der Bebauungsplan für den „Gewerbepark Bietigheimer Weg Süd“ im Entwurf verabschiedet. Jetzt kann im Zwecksverbandsgebiet am südlichen Ortsrand eine weitere Entwicklung stattfinden.

Was steckt hinter der Fortschreibung?

Im Plangebiet gibt es einen regionalen Schwerpunkt für Industrie, Gewerbe und Dienstleistungen. Ausgeschlossen sind Speditionen, so Andrea Schwarz, Leiterin des Stadtentwicklungsamtes Bietigheim-Bissingen, die in Ingersheim zu Gast war. Neu ansiedeln will sich, wie berichtet, die Firma Atlanta aus Bietigheim-Bissingen auf einer Fläche von rund 20 000 Quadratmetern. Andrea Schwarz bezifferte die Kfz-Fahrten pro Tag mit 400, 20 davon als Schwerverkehr.

Wo sind die Knackpunkte?

Kritik gibt es von Landratsamt Ludwigsburg, da die Bebauung „erheblich“ in die Luftleitbahn zwischen Ingersheim und Bietigheim-Bissingen eingreife. Dazu wurde ein Klimagutachten erstellt, negative Auswirkungen sollen über den Bebauungsplan vermieden werden.

Was sagen die Nachbarn?

Das Landratsamt bezeichnet den Gewerbestandort als „verkehrlich problematisch“. Es gibt keinen Autobahnanschluss, der direkt ohne Ortsdurchfahrt zu erreichen sei. Die Gemeinde Pleidelsheim hegt „erhebliche Bedenken“ und befürchtet durch die „massive Erweiterung“ des Gewerbegebietes eine deutliche Verkehrszunahme in der eigenen Ortsdurchfahrt. Die Stadt Freiberg schätzt den Verkehrszuwachs als „nicht mehr erträglich“ ein und kritisiert die Vorlage eines auf Teilstücke des Gewerbeschwerpunktes bezogenen Verkehrsgutachtens als „nicht akzeptabel“.

Wie wird auf die Kritik der Nachbarn reagiert?

Stadtplanerin Andrea Schwarz sagte in der Sitzung, der meiste Straßenverkehr fließe in Richtung Bietigheim-Bissingen – was die Firma Atlanta angehe. Die Gemeinde Ingersheim will prüfen, ob konkrete Vereinbarungen mit Firmen getroffen werden können, um den Zu- und Abfahrtsverkehr aus dem Gewerbegebiet nicht über die Ortsdurchfahrten von Ingersheim und Pleidelsheim zu lenken.

Wie wurden die Gegenstimmen zum Entwurfsbeschluss begründet?

Gemeinderätin Karin Zimmer (WIR) verteilte den Standpunkt der Gruppierung schriftlich. So sehe man trotzt der Zustimmung der Region für den regionalen Gewerbeschwerpunkt in Ingersheim das Hauptaugenmerk der Gemeindeentwicklung als Wohngemeinde. Mit der großflächigen Entwicklung von Gewerbeflächen verliere Ingersheim an Wohn- und Lebensqualität. Ergänzend dazu seien die potentiellen Flächen für die Bebauungen bestes Ackerland.

Was regelt der Bebauungsplan „Bietigheimer Weg Süd“?

Unter anderem wird darin die Verkehrsführung rund um das Unternehmen Atlanta geregelt. Dazu stellte WIR den Antrag, auf den Bau der östlichen Erschließung (bei Bofrost) des Atlanta-Geländes vorerst zu verzichten, einhergehend mit einer Korrektur der Fläche – und dem Verbleib des bestehenden Wirtschaftswegs bei der Gemeinde. Ziel solle eine behutsamere Erschließung sein. Die Planung sei in der vorliegenden Form notwendig, konterte Bürgermeister Godel, unter anderem, weil Atlanta eine Umfahrt auf dem Werksgelände sicherstellen will. Zudem sei dies auch eine Frage der Verlässlichkeit der Gemeinde. So wird der Wirtschaftsweg nach der Erschließung versetzt und bleibt damit erhalten.

Welche Vorschläge gab es noch?

MIT-Gemeinderätin Janina Wagner regte an, die große Fassadenfläche des länglichen, zweigeschossigen Atlanta-Gebäudes zu begrünen und mit Fledermauskästen zu bestücken. Schwarz meinte dazu, die Unterhaltung einer Fassadenbegrünung sei kostspielig. Auf den Hinweis, das Gebäude sei sehr hoch – die Halle misst am höchsten Punkt 15 Meter – sagte Schwarz, irgendwann sei das Gebäude einfach „in der Mitte eines Gewerbegebietes“.

 
 
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