A
Ingersheim Zwei Minuten Hagel richten Schaden von 100.000 Euro an
Ein heftiges Unwetter zerstört auf den Feldern des Biohofs Schäfer in Ingersheim einen Großteil der Winterernte.
m 16. August war die Welt auf dem Biohof Schäfer in Ingersheim noch in Ordnung. Zu Besuch war der Obst- und Gartenbauverein Großingersheim, die Teilnehmer erhielten bei einer Betriebsbesichtigung Einblicke in die moderne und nachhaltige Gartenbauproduktion. Neun Tage später bot sich ein völlig anderes Bild: Abgeknickte Bäume, abgedeckte Folienhäuser und zerstörte Ernteflächen haben die Aussichten für die kommende Wintersaison erheblich verschlechtert.
Das schwere Unwetter mit Hagelschlag und einem peitschenden Sturm hat am vergangenen Freitag gegen sechs Uhr morgens den Bio-Gemüsehof „In den Beeten“ von Maximilian und Anna Schäfer hart getroffen. Innerhalb von zwei Minuten wurden mindestens zwei Drittel der für den Winter vorgesehenen Ernte zerstört und die Folienhäuser, sie haben die Form von Rundbögen, abgedeckt. Der finanzielle Schaden beläuft sich nach Einschätzung von Maximilian Schäfer auf mindestens 100.000 Euro. Dabei sind die Folgen eines früheren Hagelschlags in diesem Jahr noch gar nicht eingerechnet.
Auch Bäume sind umgestürzt
Ein Viertel Hektar Salat, ein Hektar Lauch und ein halber Hektar Kürbis – „alles kleine Schnipsel“, beschreibt Schäfer den Verlust, sechs Tage nach dem verheerenden Unwetter. Er wusste gleich, dass das Freilandgemüse diesen Hagelsturm nicht überleben werde, er konnte dem nur noch machtlos zusehen. Leid tut es ihm auch um die Bäume auf dem Grundstück, der Sturm zwang unter anderem eine alte Eiche, eine Linde und Kastanie in die Knie.
Das Ehepaar Schäfer betreibt seit 2024 den Bio-Gemüsehof in Ingersheim und baut dort unter anderem Tomaten, Gurken, Salate, Auberginen und Paprika an. Besonders schwer wiegt nach dem Unwetter der Verlust der Winterernte. Auf Flächen, die nun verwüstet sind, sollte teilweise bereits in der folgenden Woche Feldsalat gepflanzt werden. Auch die geplante Lauchernte fällt aus, für Maximilian Schäfer normalerweise eine sichere Bank – sprich eine gewisse finanzielle Sicherheit – für die Wintermonate. „Aber alles, was im Sommer gearbeitet wurde, ist nun mit einem Mal weg.“
Schnell stellt sich die Frage nach einer Versicherung. Die Schäden an Gemüse und Folienhäusern sind nicht gegen Hagel versichert, „das Risiko ist der Versicherung zu groß“. Anders die Gewächshäuser, wo gerade mal zehn Scheiben zu Bruch gingen. Aus diesem Grund will sich Schäfer ein Stück weit umorientieren, auch weil in den Gewächshäusern der Gemüseanbau mit seinen Arbeitsabläufen mit Beschattung und Bewässerung besser zu steuern ist. Für nächstes Jahr will er auch eine Ernteausfallversicherung abschließen. Doch Schäfer kennt die Unwägbarkeiten seines Betriebs. „Noch einmal werden wir uns so ein Unwetter nicht mehr leisten können.“
Der wirtschaftliche Schaden durch den aktuellen Ernteausfall hat nun auch Auswirkungen auf die 27 Beschäftigten. Davon vier rumänische Saisonkräfte, die man eventuell nicht voll weiterbeschäftigen könne. Der Ingersheimer Biobauer richtet angesichts der Schäden auf seinem Hof auch den Blick auf ein fast vergessenes Thema. Mit dem Hagelflieger wären die Schäden vielleicht ein Stück weit vermeidbar gewesen. Nur: Der Landkreis Ludwigsburg hat beschlossen, angesichts knapper Kassen aus der Finanzierung auszusteigen.
Trotz allem herrscht Zuversicht
Natürlich seien Ängste da, zieht Schäfer wenige Tage nach dem Unwetter Bilanz, es sei für seinen Betrieb eine „verdammt schwierige Zeit“. Trotz allem gibt er sich optimistisch. Schon einen Tag nach dem Sturm seien Leute auf dem Hof gestanden und hätten gefragt, was sie tun können. „Die Solidarität war sehr groß.“ Und auch der Betrieb läuft in Teilen weiter. So ist der Biohof Schäfer unter anderem auf den Wochenmärkten in Bietigheim-Bissingen, Besigheim, Vaihingen und Hemmingen vertreten. Ebenso ist der Biohofladen am Ende der Straße „In den Linden“ geöffnet. Auch dies stimmt Schäfer zuversichtlich. Kurz nach dem Unwetter entschied sich das Ehepaar, im Internet einen Spendenaufruf zu starten. Jetzt gehe es darum, den Betrieb und die Mitarbeiter durch den Winter zu bringen, um dann neu durchzustarten. Mit ihrem Spendenaufruf hoffen sie auf Unterstützung. „Wir sind für jeden Euro dankbar“, sagt Schäfer.
