Ingersheim Zwischen den Welten daheim, in Ingersheim zuhause

Von Sandra Bildmann
Nils Wanderer beim Konzert in der überfüllten Georgskirche in Ingersheim. Foto: Martin Kalb

Riesiger Andrang beim Heimat-Konzert des Ingersheimer Countertenors Nils Wanderer am Dienstag in der Georgskirche.

Mit seiner Musik nahbar und zugänglich zu sein, liegt Nils Wanderer sehr am Herzen. Am Dienstagabend war es auch anders gar nicht möglich. Denn die charmante Georgskirche in Kleiningersheim ist mit etwa 100 Sitzplätzen ausgestattet. Gekommen waren aber über 300 Menschen, die ihn bei seinem Heimspiel erleben wollten.

Da wurde es nicht nur automatisch kuschelig: Die Grenze zwischen „Bühne“ und Zuschauerraum verschwand nahezu vollständig. Wanderers Fans drängten sich auf der Empore, im Mittelgang, vor dem Eingang und sogar im Altarraum, manche saßen auf dem Boden, andere auf der Kanzel. Er werde versuchen, das Konzert im 360-Grad-Modus zu gestalten, sagte der sichtlich gerührte Sänger humorvoll zur Begrüßung. Mehrfach am Abend betonte er, welch große Freude es ihm bereite, dass so viele den Weg zum Konzert gefunden haben.

Von Ingersheim an die „Met“

Der Ingersheimer singt auf den größten Bühnen dieser Welt: 2026 wird er an die Metropolitan Opera nach New York zurückkehren, an den Staatsopern in Berlin und Wien gastieren, demnächst geht er mit seiner Elektro-Band auf Tour, freut sich auf Recitals sowie Konzertabende ihm zu Ehren im kanadischen „Grand Théâtre de Québec“.

Doch seine Heimatverbundenheit ist groß. Auch wenn er dauernd unterwegs ist, wohnt er in Ingersheim und gibt regelmäßig zum Jahresende Konzerte zuhause – so wie dieses Jahr. Sein Auftritt in der Georgskirche am vergangenen Dienstagabend glich einem erweiterten Wohnzimmer, es war der Abschluss seiner fünf Stationen umfassenden „Heimat tour“.

Gemeinsam mit dem Tiroler Lautenisten Johannes Ötzbrugger gestaltete er rund 70 Minuten Klangreise. Gern gibt er seinen Konzertprogrammen den Titel „Zwischen den Welten“, denn das beschreibt ihn selbst, den Wanderer zwischen den Welten. Und das deutete sich auch im Programm an. Er sang Barockmusik, die besonders viel Repertoire für seine Counter-Stimmlage bietet und wofür er auch bekannt ist – so zum Beispiel die Arie der Poppea aus Monteverdis gleichnamiger Oper und eines seiner Lieblingsstücke, das Lamento der Dido aus Purcells Oper „Dido and Aeneas. Doch präsentierte er auch Crossover-Versionen von Stings „Fields of Gold“ und „Let it be“ – selten hört man die Beatles mit Counter-Sound.

Im Trio mit Theorbe und Sopran

Johannes Ötzbruggers Theorbe, eine Gattung der Laute, erwies sich als ausgezeichneter Partner, die Arrangements des Duos als gelungenes Wagnis. Im Duett mit einer Sopranistin aus seinem Freundeskreis, der aus Rottweil stammenden Lisa Gaiselmann, interpretierte Wanderer das vermutlich älteste Liebesduett der Musiktheaterhistorie: Monteverdis „Pur ti miro“.

Für einen Berliner „Tatort“ schrieb Wanderer den Soundtrack, die Version von „Music for a while“, wie sie dafür aufgenommen wurde, präsentierten der Countertenor und der Lautenist vorab dem begeisterten Ingersheimer Publikum. Wer wegen des Platzmangels nicht sowieso schon stand, erhob sich beim Schlussapplaus anerkennend von der Kirchenbank.

Zum Dank für minutenlangen Applaus folgten Händels „Lascia ch’io pianga“ und eine Eigenkomposition des Künstlers. Als dritte Zugabe stimmten die beiden Musiker „Stille Nacht“ an. Das ewige Lied setzte einen ergreifenden Schlusspunkt, als das gesamte Publikum einsetzte und am Tag vor Heiligabend alle gemeinsam im Chor sangen.

Viele der Zuhörerinnen und Zuhörer folgten der Einladung, unmittelbar nach dem Konzert zum Umtrunk in den Innenhof des nahe gelegenen Schlosses weiterzuziehen.

Für den guten Zweck

Als der viel gefragte Künstler schließlich dazukam, waren einige schon wieder fort, doch hatten sie durch den Erwerb eines Punschs oder Glühweins eine weitere Spende geleistet. Denn anteilig komme der Erlös des Konzertes der Deutschen Aids-Stiftung zugute, für die er Botschafter sei, erzählte Nils Wanderer.

 
 
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