Ingersheimer erfand den Leitz-Ordner Ein Käpsele von Weltruf

Von Jörg Palitzsch
Zur Eröffnung der Ausstellung „Louis Leitz“ im Rathaus Ingersheim konnten Archivarin Brigitte Popper und Bürgermeisterin Lehnert (rechts) die Urenkel des Erfinders, Cathrin Allen und Dr. Christian Klaiber (links) begrüßen . ⇥ Foto: Oliver Bürkle

Mit einer großen Ausstellung im Rathaus ehrt Ingersheim Louis Leitz, den Erfnder von Ordnungssystemen im Büro. Auch seine Ur-Ur-Enkel waren zur ERöffnung anwesend.

Das Wort „Ordnung“ empfängt den Besucher im Ingersheimer Rathaus. In aufdringlichen Großbuchstaben, verteilt auf Augenhöhe, in zahlreich aufgeklappten Leitz-Ordnern. Dieses durch und durch deutsche Wort vollendet sich ein Stockwerk höher zu dem Satz „… ist das halbe Leben“. Die Ausstellung im Rathaus hat sich zur Aufgabe gemacht, das Leben von Louis Leitz, geboren am 2. Mai 1846 in Ingersheim und Erfinder des weltweit verbreiteten Leitz-Ordners, aufzuklappen, will den Menschen hinter dem Markennamen sichtbar machen, der bekannter ist wie der Ingersheimer selbst. 

Bürger identifizieren sich mit berühmten Persönlichkeiten, es sei etwas, was sie berühre, so Bürgermeisterin Simone Lehnert in ihrer Begrüßung, die als Beispiel Marbach und Schiller nennt – weltweit miteinander verknüpft und bekannt. Freilich ist im Ort schon lange eine Straße nach Louis Leitz benannt, die Ausstellung soll das Andenken an ihn aufrecht erhalten, soll auch vermitteln, was ihn geprägt hat, den familiären Hintergrund zeigen und was ihm wichtig war. Die Bürgermeisterin nimmt ein wenig vorneweg, beschreibt Leitz als jemanden, der Wert auf sein Äußeres gelegt habe, der innovativ und erfinderisch war. 

Und die Ingersheimer zeigen großes Interesse. Es müssen weitere Stühle im Ratssaal herbeigeschafft werden, für die Bürgermeisterin wie für die Gäste ist es eine Premiere. Für Lehnert ist es die erste Ausstellungseröffnung in ihrer noch kurzen Amtszeit. Für die Besucher, darunter der ehemalige Bürgermeister Martin Maier, die erste Ausstellung nach der langen Corona-Zeit ohne Kultur, die musikalisch von einem Trompetenensemble der Musikschule Bietigheim-Bissingen unter der Leitung von Ekkehart Kleinbub gekonnt eingestimmt werden. 

Ur-Ur-Enkel zu Gast

Zu Gast sind am Freitagabend auch die Ur-Ur-Enkel von Leitz, Cathrin Allen und Dr. Christian Klaiber von der Louis Leitz GmbH & Co. KG. Klaiber sagte, nach ersten Telefonaten mit der Gemeinde sei man mit offenen Armen empfangen worden. So habe man im Mai eine Stele wegen Corona so gut wie unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit enthüllen müssen, gespendet wurden 10 000 Euro an den Sozialfond der Schillerschule. „Louis Leitz war und ist für uns ein großes Vorbild“, sagte Klaiber, der Ingersheimer habe die Fähigkeit gehabt, etwas immer besser machen zu wollen. Er habe sich auch schon früh durch Qualität von Mitbewerbern abgegrenzt, dies sei, damals wie heute, wichtiger denn je. Cathrin Allen ergänzte, dass die Ausbildung ihres Ur-Ur-Großvaters wegweisend gewesen sei, dies schlägt an diesem Abend einen Bogen in die Gegenwart. 

Archivarin Brigitte Popper, die die Vitrinen im Rathaus mit Mechaniken, alten Ordnern, Fotos und erklärenden Texten bestückt hat, beschrieb in ihrer Einführung den Weg von Leitz als den Weg eines schwäbischen Käpseles, der es zum Weltruf geschafft hat. Als einer der vielen Schaffer der Gründerzeit habe Leitz sein Produkt berühmt und begehrt gemacht.  In Pflegschaftsakten, der findige Ingersheimer wurde mit seiner sechsköpfigen Geschwisterschar schon mit 14 Jahren Vollwaise, lasse sich sein Ausbildungsweg nachvollziehen. Entscheidend für die Entwicklung einer eigenen Geschäftsidee sei 1870 die Nähmaschinenfabrik Rau gewesen, so Popper.

Dort wurden unter anderem die Mechaniken für Biblorhapte hergestellt, ein heftendes Buch, in dem Briefe und Dokument aufgespießt wurden und nicht zu blättern waren. Leitz entwickelte dieses Prinzip weiter. Der erste Ordner von Louis Leitz kam 1893 auf den Markt, ab 1896 mit der Hebemechanik plus Umlegebügel, ab 1903 mit Rolle.

Mit einem aus Karton gebügelten Umschlag, Deckblatt, Kantenschutz und Griffloch am Ordnerrücken konnte der Leitz-Ordner ab 1911 für Ordnung sorgen. „Mit Beharrlichkeit hat Louis Leitz ein Weltunternehmen aufgebaut“, so Ingersheims Archivarin Brigitte Popper.

Info die Ausstellung „Louis Leitz“ im Ingersheimer Rathaus ist bis 14. Dezember zu sehen.

 
 
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