Ingersheimer Praxis ist kreativ Durch den Hintereingang in die Tierarztpraxis

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In der Tierarztpraxis Neckarmühle in Ingersheim wird versucht, den Kontakt mit den Tierhaltern so gering wie möglich zu halten, deswegen gibt es ein Medikamentenausgabe-Fenster.⇥ Foto: Karen Huber

Auch Tierarztpraxen haben mit dem Thema Corona zu kämpfen. Nicht, weil die Tiere das Virus übertragen könnten, sondern um die Ansteckungsgefahr zwischen Tierhalter und Praxisteam zu vermeiden.

Auf dem Parkplatz vor der Tierarztpraxis Neckarmühle in Ingersheim sitzen geduldig die Tierhalter in ihren Autos und warten. Tierärztin Dr. Karen Huber hat auf eigene Initiative eine Idee entwickelt, den Patientenverkehr in ihrer Tierarztpraxis möglichst problemlos wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu regeln, eine Art von „Drive-in“ für kranke Haustiere.

„Bei uns ist das Wartezimmer geschlossen“, erklärt Karen Huber. „Die Tierhalter müssen sich in einer Liste, die an der Eingangstür zur Praxis hängt, mit ihrem Autokennzeichen eintragen, dann im Auto warten, und werden von uns informiert, wenn sie an der Reihe sind.“ Jeweils eine Begleitperson darf mit Hund, Katze und sonstigem Haustier durch den Hintereingang direkt in den Behandlungsraum. „So ist sichergestellt, dass keiner dem anderen zu nahe kommt“, so die Tierärztin.

Verantwortung gegenüber den Schwächeren

Da im Wartezimmer der erforderliche Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden könnte, ist so auch ausgeschlossen, dass die Tierhalter dicht an dicht sitzen. „Wir kämen mit dem Desinfizieren auch sonst gar nicht mehr hinterher.“ Der Kontakt beschränkt sich auf die Tierärztin und ihre Mitarbeiterinnen in einem einzigen Raum. Wer nur Medikamente für sein Tier braucht, bekommt diese durch ein Fenster gereicht. „Wir sehen den Leuten ja nicht an, ob sie infiziert sind oder nicht“, meint Karen Huber. „Aber wir haben eine Verantwortung gegenüber Schwächeren in unserer Gesellschaft, das erfordert auch kreative Maßnahmen.“ Die Tierhalter zeigen viel Verständnis und begrüßen dieses Vorgehen durchweg positiv.

Das Thema Coronaviren ist für die Tierärztin schon von Berufs wegen nichts Neues. „Es haben sehr viele Tierarten Coronaviren, diese sind aber nur für die jeweilige Spezies von Belang.“ Aber sie gibt für alle Tierbesitzer Entwarnung: „Unsere Haus- und Nutztiere sind, nach derzeitigem Kenntnisstand, nicht infektiös beziehungsweise gefährlich für den Menschen.“ Sie scheiden weder das Virus aus, noch erkranken sie daran.

Viren sind nicht übertragbar

Zwar gebe es auch bei Haustieren wie Hund und Katze Erkrankungen durch Coronaviren, diese sind aber nicht übertragbar. Bekannt ist das Feline Coronavirus (FECV), das bei Katzen in einer mutierten Variante zur gefürchteten und bislang nicht heilbaren Felinen Infektiösen Peritonitis (FIP) führt und tödlich endet.

Trotzdem solle man auch im Umgang mit seinen Haustieren auf Hygienemaßnahmen achten. Händewaschen nach Kontakt oder bei der Futterversorgung gehöre dazu, denn Hund und Katze können durchaus verschiedene Bakterien wie E.Coli und Salmonellen auf den Menschen übertragen.

Tierärztin Dr. Karen Huber wird ihre Maßnahmen zur Behandlung bis auf Weiteres so durchführen. Sie hofft, dass es bald gelingt, die Ansteckungsgefahr einzudämmen und zu verlangsamen. „Wenn wir die Praxis wegen Corona-Verdacht schließen müssten, wäre das für die Tiere eine Katastrophe.“

 
 
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