Ingersheimer Schachspieler „Man darf nie aufgeben“

Von Jörg Palitzsch
Schachspieler Egon Much ist mit 87 Jahren der älteste Aktive im Ingersheimer Klub.⇥ Foto: Martin Kalb

Der 87-jährige Egon Much ist der älteste Spieler im Ingersheimer Schachclub. Begonnen hat alles mit dem „Schäferzug“.

Im Wohnzimmer steht ein Schachtisch, aufgebaut ist eine komplizierte Stellung. In jeder freien Minute widmet sich Egon Much dem Königlichen Spiel, es sei denn, ein Vogel hüpft durch den Garten. Dann muss er aufstehen und eine Rosine hinlegen. „Sie hat Junge“, sagt Much.

Dann widmet sich der 87-Jährige wieder dem Schachspiel, zur Hand immer das Buch von Maxim V. Bloch über die Kombinationskunst. Das Lehrbuch behandelt anhand von über 1000 Beispielen ganz unterschiedliche Themen wie die Vernichtung der Verteidigung und Abzugsangriff, alles aus der Praxis und deshalb von Much in Partien schon oft angewendet. „Das beste Schachbuch überhaupt“, so sein Urteil.

Im Ingersheimer Schachclub spielt Much seit 2010, derzeit kämpft er in der dritten Mannschaft der A-Klasse um Punkte, wie jüngst siegreich gegen Münchingen. Hochmut überkommt ihn bei einem Sieg nicht, ein Verlierer sei schon traurig genug.

Raucher verleideten ihm den Einstieg ins Spiel

Dabei begleitet ihn das Spiel auf den 64 Feldern schon sein Leben lang. Da die Mutter schwer erkrankt war, wurde Much mit seinen Geschwistern 1948 in einem Heim in Heide/Holstein untergebracht, wo der Vater eines Kindes den „Schäferzug“ zeigte. Eine Eröffnungsfalle, bei der die Dame auf f7 matt setzt. Damit war eine lebenslange Leidenschaft geweckt. Mit dem Schulende trat Much dann in den Schachverein Heide ein, blieb aber nicht lange, weil die Raucher das Spiellokal vernebelten. Nach der Ausbildung zum Maschinenbauingenieur in Kassel verschlug es ihn nach Stuttgart-Wolfbusch, wo er lange spielte. Dort vor allem gegen einen 93-jährigen Architekten, „es hat Jahre gedauert, bis ich ihn eingeholt habe.“

Über Zuffenhausen und Vaihingen kam Egon Much dann nach Bietigheim-Bissingen, wo er sich seit seiner Rente im Jahr 2000 ganz dem Schachspiel widmen kann. In seiner Laufbahn hat er ganz unterschiedliche Spieltypen kennengelernt. Zum Beispiel in Kornwestheim, als er gegen Jüngere antreten musste. „Die haben uns 5:1 abgezogen“, erinnert er sich und auch daran, dass die Trainer dort auch das Buch von Maxim V. Bloch über die Kombinationskunst verwendet haben.

Ehemaliger Läufer mit Sinn für Schokolade

Egon Much hat sich früher mit Laufen fit gehalten. Er hat sechs Silvesterläufe mitgemacht, Halbmarathon und mit 65 Jahren zwei volle Marathon in Kandel in der Südpfalz. Beim Schachspielen sei der Spaß sehr wichtig, aber auch, dass man gegen einen Gegner auf gleichem Niveau oder nur geringfügig höher spielt sagt der 87-Jährige, wobei er doch auf eine gewisse Hartnäckigkeit setzt, die jeden Schachspieler antreibt.

„Ich kämpfe immer, bis die Partie eindeutig entschieden ist und gebe nie auf.“ Und auch auf eine andere Art und Weise ist Egon Much dem Spiel der Könige verbunden. Für Kinder gießt er Schachfiguren aus Schokolade und bastelt mit den süßen Springern Kutschen, bei denen alle anderen Schachfiguren mitfahren dürfen.

 
 
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