Vier Menschen in Großingersheim schwebten, ohne es zu wissen, in Lebensgefahr, weil ein 46 Jahre alter Mann seiner Wut über die Ex-Freundin freien Lauf ließ. Nun muss sich der gelernte Koch seit Donnerstag vor der Ersten Schwurgerichtskammer des Landgerichts Heilbronn wegen versuchten Mordes in fünf Fällen verantworten. Am ersten Verhandlungstag wurde lediglich die Anklage verlesen.
Ingesheim Brandanschlag auf Ex-Freundin geschah mit Ansage
Ein 46-Jähriger steht wegen versuchten Mordes in fünf Fällen vor dem Landgericht Heilbronn.
Drohung per SMS: „Jetzt ist Krieg“
Laut Anklage erfolgte die Attacke auf die ehemalige Freundin mit Ansage: In einer Textnachricht drohte er der jüngeren Frau vor der Tat „jetzt ist Krieg“ und er werde „alle umbringen“. Offenbar plante der Angeklagte danach einen Anschlag, denn als er in der Nacht vom 29. Juni dieses Jahres in seinen Mercedes stieg, um von der Wohnung seiner Ex-Frau zur Ex-Freundin zu fahren, hatte er den Ermittlungsbehörden zufolge eine Art Molotowcocktail dabei, in seinem Fall eine Weinflasche, die mit einem benzingetränkten Tuch als Brandsatz dienen sollte. Die damals 36-Jährige und vier weitere Bewohner des dreistöckigen Hauses in Großingersheim hatten Glück, denn die Frau saß um diese Zeit noch in ihrem Esszimmer, hatte jedoch vorsorglich aus Angst trotz der Temperaturen ihre Terrassentür geschlossen. Als der Angeklagte den Brandsatz auf die Terrasse warf und sogleich davon fuhr, gerieten die Gartenmöbel in Brand und der Rollladen schmolz, doch das Glas der Terrassentür hielt dem Anschlag stand.
Bewohner waren arglos
Die Ex-Freundin, die als Nebenklägerin im Verfahren anwaltlich vertreten ist, hatte sich zunächst im Badezimmer verschanzt, doch dann begann sie, den Brand zu löschen. Dabei halfen ihr die Mitbewohner, die der Anklageschrift zufolge durch Rauchmelder zwischenzeitlich geweckt worden waren.
Weil die vier Bewohner arglos waren und nicht mit einem Anschlag auf ihr Leben rechnen mussten, klagt die Staatsanwaltschaft in vier Fällen einen versuchten Mord aus Heimtücke an. Der Angeklagte habe leichtfertig in Kauf genommen, Menschen zu töten.
Die ehemalige Freundin des 46-Jährigen, der in Untersuchungshaft sitzt, wird dem Verfahren nicht beiwohnen, sie wird laut Aussage ihres Anwalts nur zu ihrer Aussage ins Gericht kommen. In den kommenden acht Verhandlungstagen bis Mitte März will die Kammer 30 Zeugen und drei Sachverständige in dem Fall anhören. Der 16 Jahre alte Sohn des Angeklagten will von seinem Recht Gebrauch machen, die Aussage zu verweigern. Der Anwalt des Angeklagten kündigte dagegen eine Aussage seines Mandanten für Januar an.
Petra Häussermann
