Innere Medizin III im Klinikum Bietigheim-Vaihingen „Manch 90-Jähriger braucht noch keinen Geriater“

Von Heidi Vogelhuber
Daniel Kopf ist auf die Altersmedizin, aber auch Stoffwechselerkrankungen spezialisiert. ⇥ Foto: RKH-Kliniken/Martin Stollberg

Die medizinische Klinik von PD Dr. Daniel Kopf ist Teil der Inneren Medizin und um ganzheitliche Behandlung der Patienten bemüht. Es entsteht ein neues Zentrum für Altersmedizin im geplanten Anbau.

Dass die Bevölkerung immer älter wird, ist kein Geheimnis. In der medizinischen Klinik von PD Dr. Daniel Kopf, die Teil der neuen Struktur der dreigeteilten Inneren Medizin des Krankenhauses Bietigheim-Vaihingen ist, wird die medizinische Behandlung auf eben diese älteren Patienten angepasst. „Für mich werden Patienten erst ab 80 interessant“, sagt er im Gespräch mit der BZ und lacht, „manch 90-Jähriger braucht aber noch keinen Geriater.“

Drei Querschnittfächer

Drei Bereiche werden von seiner Klinik vertreten, erklärt der Chefarzt: die Geriatrie, also die Altersmedizin, die Endokrinologie, die sich mit Hormon- und Stoffwechselkrankheiten befasst und die Diabetologie. Es seien Querschnittfächer, die sich nicht auf ein Organ beschränken, sondern sich mit dem gesamten Menschen befassen.

In der Altersmedizin gehe es um das Zusammentreffen vieler chronischer Erkrankungen, auf die sich noch etwas Akutes aufpfropfe. „Es kann zum Domino-Effekt kommen.“ Bei einem jungen Menschen könne beim Sturz das zweite Bein viel kompensieren. Im Alter sei das kaum noch  möglich, da die Bestandteile des Körpers bereits ihre Leistungsgrenze erreicht haben. „Wir wollen den alten Menschen wieder ins Leben zurückholen. Was muss passieren, dass er nach einer Verletzung wieder zum Status vor der Verletzung zurückkehrt?“, so Kopf. Dabei gehe es aber nicht nur um die körperliche Verfassung, sondern auch darum, dem Menschen die Angst zu nehmen, erneut zu fallen. Es sei wichtig, wieder raus zu gehen und Kontakte zu pflegen, das sorge für eine gesunde Psyche und halte fit. „Ursprünglich hat es bei den Knochen angefangen, zum Schluss kommt vielleicht noch eine Depression dazu“, erklärt Kopf, der nicht nur Geriater, sondern auch Psychiater ist und seit Ende 2019 in Bietigheim-Bissingen arbeitet.

Zurück in den Alltag

Seine Klinik helfe durch umfassende Betrachtung des Menschen, ihn in seinen Alltag zurückzuführen. Dafür wird ein sogenanntes geriatrisches Assessment durchgeführt, das unter anderem Mobilitäts-Check, Gedächtnistest sowie eine Betrachtung des sozialen Umfelds beinhaltet, um dem Menschen seine Selbstständigkeit zurückzugeben. Daraus entstehe ein Behandlungsplan mit Physio- und Ergotherapie, aber auch Logopädie und Seelsorge. Etwa 70 Mitarbeiter hat Kopfs Klinik und „jede Berufsgruppe hat eine eigene Sicht auf den Patienten.“ Es sei ein vielfältiges Zusammenspiel und die Behandlung sei personalintensiv und patientennah. Die akute Erkrankung werde behandelt und eine Rehabilitation durchgeführt.

Das Schönste an seinem Job? „Alte Menschen haben was zu erzählen. Wer mal bei uns ist, kommt nicht mehr los“, sagt er schmunzelnd über seine Mitarbeiter. „Es gibt standardisierte Aufgaben, aber auch Individuelles, wie beim Maler auf der Farbpalette.“ Aktuell hat die Geriatrie 20 Betten, im geplanten Neubau (die BZ berichtete) soll auf über 100 Betten aufgestockt werden, „damit jeder, der eine geriatrische Betreuung braucht, zu uns kommen kann.“ Im künftigen Zentrum für Altersmedizin werde es vier interdisziplinäre Stationen geben: Unfallchirurgie, Kardiologie, Psychiatrie und Psychosomatik sowie eine Diabetologie.

Info Die BZ sprach mit den drei Ärztlichen Direktoren der Inneren Medizin, um die neue Struktur vorzustellen:
www.bietigheimerzeitung.de

 
 
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