Interview mit dem neuen Steelers-Trainer Daniel Naud „Ich möchte mit einem weißen Blatt starten“

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Daniel Naud will die Bietigheim Steelers zurück auf Erfolgskurs bringen. Bereits in der Zweitliga-Saison 2003/04 stand er im Ellental als Trainer an der Bande. Foto: Wolf/ Eibner-Pressefoto via www.imago-images.de

Der neue Steelers-Trainer Daniel Naud erklärt im Interview, auf was er bei einer Mannschaft und der Kaderplanung besonders achtet – und warum er keinen Wert auf die Nationalitäten der Spieler und ihr Alter legt.

Trainer Daniel Naud geht seine neue Aufgabe beim DEL2-Klub Bietigheim Steelers mit viel Elan an. Im Exklusiv-Interview mit der BZ spricht der 58-jährige Kanadier über seine Rückkehr ins Ellental, die Kaderplanung und den Stellenwert junger Spieler.

Warum haben Sie sich für das Angebot aus Bietigheim entschieden – und gegen das Ihres bisherigen Klubs Eispiraten Crimmitschau?

Daniel Naud: Das war keine Entscheidung gegen Crimmitschau, sondern eine Entscheidung für Bietigheim. Die Steelers gehören zu den besten Vereinen der Liga und bieten eine sehr gute Perspektive. Die Arbeitsbedingungen sind top. Da denke ich zum Beispiel an den Vollzeit-Physiotherapeuten und -Fitnesstrainer.

Auf was freuen Sie sich in Bietigheim am meisten?

Eine neue Herausforderung ist immer aufregend. Ich freue mich, in die Region zurückzukehren und darauf, bekannte Gesichter wiederzusehen. Ich weiß, dass es schön ist, in Bietigheim zu leben.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihr erstes Gastspiel als Steelers- Coach 2003 und 2004?

Das war noch in der alten und engen Halle, in der eine super Stimmung geherrscht hat. Die Fans standen immer voll hinter der Mannschaft. Für die Gegner war es sehr unangenehm, in Bietigheim zu spielen. Aber ich habe mittlerweile auch schon ein paar Spiele in der neuen Arena erlebt. Da war es auch sehr laut.

Die Ansprüche im Ellental sind wesentlich höher als in Crimmitschau. Wie gehen Sie mit dem Druck um, dem Sie ausgesetzt sind?

Druck ist im Profisport immer da. Sicherlich sind die Erwartungen in Bietigheim größer. Ich mache mir aber selbst am meisten Druck.

Seit Jahren sehnen sich die Fans nach der DEL. Werden Sie der Trainer sein, der den großen Traum vom Eishockey-Oberhaus erfüllt?

Ich werde mein Bestes geben, um den Traum zu verwirklichen. Im Leistungssport will man immer auf dem höchsten Niveau spielen.

Aktuell wird darüber diskutiert, den sportlichen Aufstieg wegen der Corona-Krise noch mal zu verschieben. Wie stehen Sie dazu?

Das Wichtigste ist zurzeit, die Leute gesund zu halten und das Coronavirus zu bekämpfen. Danach werden die Ligen und die Vereine Entscheidungen treffen müssen, die für manche Klubs okay sind und für manche nicht so gut. Ich werde mich erst dazu äußern, wenn eine Entscheidung gefallen ist. Momentan gibt es viel Unsicherheit – nicht nur im Sport, sondern in allen Lebensbereichen, überall auf der Welt.

Aus der Ferne betrachtet: Haben Sie eine Idee, warum es in der vergangenen Saison bei den Steelers überhaupt nicht gelaufen ist?

Es ist nicht meine Aufgabe, das zu bewerten. Natürlich mache ich jetzt eine Runde, rufe die einzelnen Spieler an, und wir sprechen auch über die letzte Saison. Da gibt es sicher Dinge, die es zu erörtern gibt – aber das möchte ich intern halten. Die Mannschaft hat schon viel analysiert. Die Leute wissen auch ganz genau, wie die Führungsetage über die Leistung und das Abschneiden denkt.

Werden Sie auch noch das Gespräch mit Ihrem Vorgänger Marc St. Jean suchen?

Nein. Ich möchte mit einem weißen Blatt starten und mir mein eigenes Bild von der Mannschaft und den Spielern machen. Während der Saison haben wir nach den Spielen gegeneinander immer etwas geredet – auch über Probleme und wie man mit ihnen umgeht. Das machen wir unter Trainern immer so.

Wie schätzen Sie die Bietigheimer Mannschaft ein?

Bisher kenne ich die Steelers hauptsächlich als Gegner. Sie waren defensiv eines der besseren Teams und haben nicht viele Tore gebraucht, um ein Spiel zu gewinnen. In den Gesprächen, die ich aktuell führe, will ich die Spieler und ihren Charakter kennenlernen. Natürlich werde ich aber auch auf Videos zurückgreifen, um zu sehen, wie sie spielen.

Sie waren früher ein Verteidiger. Wo liegt Ihr Hauptaugenmerk – auf der Defensive oder der Offensive?

Wenn wir die Scheibe haben, gehören fünf Leute zum Angriff, und wenn wir sie verlieren, gehören auch fünf Leute dazu, die aggressiv verteidigen. Wir wollen überall besser werden und uns ständig verbessern. Ich gucke immer von Training zu Training und von Spiel zu Spiel. Darum will ich jetzt auch nicht schon über Aufstieg oder Playoffs reden.

Wie weit ist der Klub mit der Kaderplanung für die Spielzeit 2020/21?

Wir sind mittendrin. Volker (gemeint ist Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch, Anm. d. Red.) und ich reden jeden Tag miteinander. Es gibt ja schon einige Spieler, die bereits Verträge haben. Außerdem brauchen wir durch die neuen U21- und U24-Regeln sechs dieser Spieler. Wir werden Entscheidungen treffen müssen, die unangenehm sind. Aber so ist das Geschäft. Ob wir vier Ausländer im Angriff haben werden oder nur drei und dafür einen internationalen Verteidiger, ist noch offen. Sicher ist, dass wir keinen ausländischen Torhüter mehr haben werden.

Gucken Sie bei den Kontingentspielern in erster Linie nach nordamerikanischen Landsleuten?

Mir geht es darum, den besten Spieler für eine Position zu finden, den man bekommen kann. Welche Qualität hat er? Was kann er uns bringen? Wie ist sein Charakter? Solche Fragen stehen im Vordergrund. Auf die Nationalität lege ich keinen Wert. Als Spieler habe ich mit Leuten aus vielen verschiedenen Ländern zusammengespielt – mit Finnen, Schweden, Tschechen. Ich bin da völlig offen.

Mal konkret gefragt: Wie steht es um eine Weiterverpflichtung von Topscorer Matt McKnight?

Mit Matt habe ich schon gesprochen – auch darüber, wie er über die vergangene Runde denkt. Er sagt selbst, dass er keine so gute Saison hatte, aber damit war er nicht allein. Davon abgesehen habe ich viel Positives über ihn gehört. Er war viele Jahre in Bietigheim, hat Meisterschaften mit den Steelers gewonnen und weiß, wie man siegt. Er ist topfit, fleißig und hätte es verdient, hierzubleiben. Dennoch müssen wir auch schauen, was der Markt sonst noch hergibt.

Spruchreif ist also auch bei anderen Kandidaten noch nichts?

Ich habe bisher noch nicht mit allen Spielern gesprochen, werde das aber noch tun. Die Zeit will ich mir auf jeden Fall nehmen. Es gibt Gespräche, die eine halbe Stunde oder auch mal eine Stunde dauern.

Schüle, Prommersberger, Schoofs, Preibisch, Hauner, Zientek und Breitkreuz haben noch einen Vertrag. Sind Sie zufrieden mit dem Gerüst?

Das sind Spieler, die jahrelang in Topteams gespielt und gute Leistungen gezeigt haben. Bis auf ein paar wenige haben alle in der vergangenen Runde unter ihren Möglichkeiten gespielt. Sie müssen selbst reflektieren, was sie da falsch gemacht haben. Ich glaube, dass viele das auch getan und die Punkte erkannt haben – und dass sie die Fehler nicht noch mal machen werden. Wenn die Mannschaft auf ihrem eigentlichen Niveau spielt und wir hier und da etwas verändern, können wir mit den Mannschaften mitmischen, die oben spielen.

Welchen Stellenwert hat der Einbau von Talenten in Ihrem Konzept?

Die jungen Spieler müssen verstehen, was es heißt, ein Vollprofi zu sein. Sie müssen viel Zeit investieren, sehr viel und hart arbeiten und die etablierten Spieler unter Druck setzen. Wenn sie gut trainieren und spielen, werden sie sich ihre Eiszeit verdienen. Ein Trainer will immer gewinnen und schickt darum die seiner Meinung nach besten Spieler aufs Eis. Da zählt nicht das Alter, sondern die Leistung. Ein Beispiel: Als ich damals Trainer in Landshut war, habe ich Gerrit Fauser in die Mannschaft geholt – und der hat mit 17 bei mir Powerplay gespielt.

 
 
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