Interview mit Kapitän Paco Barthe von der SG BBM „Die Zweite Liga ist verrückt“

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Rückraumspieler Paco Barthe führt die SG BBM Bietigheim seit dieser Saison als Kapitän an.⇥⇥ Foto: Marco Wolf

Kapitän Paco Barthe ist guter Dinge, dass der SG BBM diesmal ein Fehlstart erspart bleibt. Ein Gespräch über Ziele, Fans und spanische Einflüsse.

Paco Barthe (28) zählt zu den dienstältesten Zweitliga-Profis der SG BBM Bietigheim. Seit dieser Saison ist der 1,95 Meter große Rückraumspieler nun erstmals auch Kapitän. Im Interview verrät er, wie der neue Trainer Iker Romero tickt, was von seinem Team 2021/22 zu erwarten ist – und warum er Handball ohne Fans nicht ausstehen kann.

Was ist Ihnen als Erstes durch den Kopf gegangen, als Coach Romero auf Sie zugekommen ist und Ihnen die Kapitänsrolle angedient hat?

Paco Barthe: Zunächst wollte ich wissen, ob er schon mit Jan Asmuth, meinem Vorgänger, gesprochen hat. Er ist ja auch mein bester Kumpel. Iker hatte es aber bereits mit ihm abgeklärt. Danach war ich schon ein bisschen stolz. Es ist eine Ehre, der Kapitän einer Mannschaft zu sein, in der ich – abgesehen von den zwei Jahren in Spanien – schon lange spiele.

In der Vorsaison waren Ihre Trainer mit Hannes Jon Jonsson und Brian Ankersen zwei Nordeuropäer, jetzt ist mit Romero ein Spanier am Ruder. Inwiefern unterscheidet sich die tägliche Trainingsarbeit? 

Schon beim Wechsel von Hannes zu Brian gab es einen kleinen Umbruch, jetzt ist es aber extrem. Unter Iker fokussieren wir uns noch mehr auf die Details, Taktik und Kleingruppenarbeit, statt viel zu rennen – was wir natürlich aber auch tun. Ich kenne das gut aus meiner Zeit bei Bidasoa Irun. Für die anderen Spieler ist diese Herangehensweise neu.

Wie würden Sie Ihren neuen Coach charakterisieren? 

Die Ansprache ist ähnlich wie bei anderen Trainern. Iker kann sowohl laut als auch ruhig sein. Das hat auch nichts mit der Nationalität zu tun. Er kann sich sehr gut in Spieler hineinversetzen und versteht, wie sie die Dinge sehen – und kann auch damit umgehen, wenn ein Spieler mal falsch liegt. Iker weiß genau, was er will. Bei uns in der Mannschaft hat er es aber leicht, denn jeder von uns will immer 100 Prozent geben. Wenn wir Fehler machen, liegt das nicht daran, dass wir unkonzentriert sind, sondern weil wir zu viel wollen. Natürlich wird er auch mal laut, doch wenn es ums Fachliche geht, ist die Ansprache gleich wieder konstruktiv.

Sind Sie zufrieden mit der Vorbereitung?

Wir waren relativ erfolgreich. Auch Siege in Testspielen geben ein gutes Gefühl. Das Spielkonzept steht. Wir haben uns als Mannschaft verbessert, und auch jeder einzelne Spieler hat sich weiterentwickelt. Die Abwehr steht schon sehr gut, die Torhüterleistung war in allen Spielen überragend. Verbesserungspotenzial sehe ich noch beim Spielfluss – da müssen wir den Ball noch besser laufen lassen – und bei der zweiten Welle.

Wie machen sich bisher die drei Neuzugänge?

Der erste Eindruck ist sehr positiv. Menschlich passen alle drei perfekt in die Mannschaft, und sportlich bringen sie uns enorm weiter. Mit Sven Weßeling haben wir einen weiteren Rück­raum-Shooter, der für viel Entlastung sorgen kann, wenn es mal nicht so läuft. Alexander Pfeifer auf Außen ist superschnell und hat ein feines Handgelenk. Wer bei einem unserer Freundschaftsspiele zugeschaut hat, weiß, dass Konstantin Poltrum fürs Tor eine Topverpflichtung ist.

Was macht Sie zuversichtlich, dass die SG BBM diesmal den Saisonstart nicht versemmelt wie in den vergangenen beiden Spielzeiten?

Natürlich haben wir das im Hinterkopf. Der Saisonstart ist immer wichtig. Wir wissen, wie es ist, wenn es von Anfang an beschissen läuft. Seit dem Pokalspiel in Rostock sind wir nur auf Eisenach fokussiert. Eine gute Vorbereitung bringt nichts, wenn die ersten Pflichtspiele verloren gehen. Wenn wir in unserem System bleiben und uns an unser Konzept halten, werden wir aber einen guten Start hinlegen. Davon bin ich fest überzeugt.

Ist Bietigheim ein Kandidat für die beiden Aufstiegsplätze?

Unser Ziel ist es, oben mitzumischen und bis zum Ende die Chance auf die Aufstiegsplätze zu wahren. Wir sagen also nicht, wir wollen Platz vier erreichen und sind dann zufrieden.

Die Konkurrenz mit den drei Absteigern und dem Fast-Aufsteiger VfL Gummersbach ist groß. Welcher Klub ist für Sie der Topfavorit?

Viele Mannschaften kommen für den Aufstieg in Frage – die Absteiger genauso wie die Vereine, die schon in der vergangenen Saison oben mitgespielt haben. Nordhorn hat eine sehr gute Mannschaft. Teams wie Großwallstadt und Dresden traue ich ebenfalls einiges zu. Die Zweite Liga ist eine verrückte Liga. Nach den ersten Spielen kann man vielleicht eine Tendenz ablesen. Auch die Erstliga-Absteiger tun sich am Anfang oft schwer, sich in der neuen Spielklasse zurechtzufinden. Die SG BBM hat das auch schon erlebt.

Nach den vielen Geisterspielen in der Vorsaison ist in den Hallen nun wieder Publikum erlaubt. Haben Sie die Fans sehr vermisst?

Ich freue mich riesig, endlich wieder vor Zuschauern zu spielen. Sie sind einer der Hauptgründe, warum wir den Sport machen. In einer leeren Halle hat es nicht wirklich Spaß gemacht. Handball lebt von der Stimmung und der Begeisterung der Leute. Das erste Heimspiel am Samstag gegen Eisenach soll jetzt zu einer großen Feier werden. Darum wollen wir unbedingt eine starke Leistung zeigen und gewinnen.

 
 
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