Interview mit Sachsenheims Kommandant der Feuerwehr „Wir sind nicht die Zerstörer des Kirbachtals“

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Feuerwehr-Kommandant Philipp Rousta vor dem Feuerwehrhaus in Spielberg: „Auch nach einer Sanierung gäbe es hier zu wenig Platz.“ Foto: Martin Kalb

Sachsenheims Kommandant Philipp Rousta nimmt im BZ-Interview Stellung zu neuen Standort-Diskussionen um das Feuerwehrhaus im Kirbachtal.

Die Kritik am Standort der geplanten gemeinsamen Feuerwehr im Kirbachtal reißt nicht ab. Zuletzt meldete sich der Nabu zu Wort. Philipp Rousta, hauptamtlicher Kommandant der Stadt Sachsenheim, wehrt sich im BZ-Interview gegen die Vorwürfe: Feuerwehr und Verwaltung hätten durchaus die Natur im Blick. Zudem würde man sich an Empfehlungen von Experten halten.

Fühlen Sie sich als Zerstörer des Kirbachtals?

Philipp Rousta: Wir als Feuerwehr und Verwaltung sehen uns nicht als Zerstörer im Kirbachtal. Im Gegenteil: Wir werten es in puncto Sicherheit für die Bevölkerung auf. Ich habe auch das Gefühl: Der Großteil der Bevölkerung erkennt den Nutzen und dass wir ein zukunftsweisendes Projekt auf die Beine stellen.

Wie ist die Stimmung innerhalb der Abteilungen?

Bei den Einsatzkräften ist eine Enttäuschung spürbar. Die Feuerwehr ist mit der Fusion bereit, jahrzehntelange Traditionen aufzugeben. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Und dann erfährt man im Gegenzug von Vereinen und Organisationen nicht die nötige Rückendeckung. Wir wünschen uns einen faireren Umgang seitens der Organisationen, die verständlicherweise andere Interessen vertreten.

Die Fusion ist auch ein Pilotprojekt – auch über Sachsenheim hinaus. Generiert das besonderen Druck?

Wir haben uns aufgrund eines Feuerwehrbedarfsplans, der von extern aufgestellt wurde – das ist also kein Wunschzettel einer Feuerwehr –, aufgemacht, die Fusion in die Realität umzusetzen. Sehr wichtig ist auch, dass diese Zusammenführung von denen vorangebracht wurde, welche es in erster Linie tangiert. Der Druck ist für mich eher der, einer modernen und leistungsfähigen Feuerwehr gerecht zu werden. Hierzu gehört auch, den Arbeitsplatz einer Person, die diese Aufgabe ehrenamtlich verrichtet, so zu gestalten, dass er den arbeitsrechtlichen Anforderungen entspricht. Es ist nicht in Ordnung, das Arbeitsfeld im Ehrenamt rechtlich zu vernachlässigen. Das geht auch auf die Motivation der Feuerwehrleute, die teilweise nachts um drei Uhr aufstehen, um einen Ölfleck zu beseitigen. Das ist nicht gut.

"Man sollte den Fachleuten vertrauen"

Für die Feuerwehr ist der Standort unstrittig?

Ja. Die Standorte, die aus Feuerwehrsicht am geeignetsten sind, sind die gegenüber dem Geflügelhof und dem Reiterhof. Das sind auch die Standorte, welche bei der Vorstellung gegenüber der Kreisbrandmeisterstelle, dem Bezirksbrandmeister und dem Landesbranddirektor volle Zustimmung erfahren haben. Es ist natürlich aber auch leichter, etwas zu kritisieren und in Frage zu stellen, wenn ich im Schadensfall nicht der Ansprechpartner oder der Regresspflichtige bin. Man muss wissen, dass die Überprüfung der Standorte nicht nur einseitig aus Sicht der Feuerwehr vorgenommen wurde, sondern schon 2017 das Gebiet eine Überprüfung aus Natur- und Artenschutzsicht erfahren hat und natürlich weiterhin auch dahingehend überprüft wird.  Man sollte den Fachleuten vertrauen und nicht alles permanent in Frage stellen.

So wie zuletzt der Nabu?

Wir lassen viele externe Gutachten erstellen, die mehrere Prüfinstanzen durchlaufen und kostenintensiv sind. Und dann hinterfragen andere Organisationen mit anderen fachlichen Schwerpunkten diese Gutachten derart. Dass diese hinterfragt werden und dass man darüber diskutiert, ist natürlich gewünscht und hat auch stattgefunden. Jedoch muss man auch den Zeitpunkt abpassen, einen Konsens zu finden. Wir können natürlich noch mal und noch mal über einen Standort diskutieren, aber es bringt eben nichts, wenn dieser für die Abläufe einer Feuerwehr nicht funktioniert.

Lesen Sie hier: Nabu kritisiert auch neuen Standort

Uns wurde zugetragen, dass Fragen intern nicht weitergeleitet wurden.

Ich kann nur sagen: Ich stehe Rede und Antwort. Und zur Not erreicht man mich 24 Stunden am Tag. Dann kann ich dazu Stellung nehmen. Die Verwaltung hat die Stellungnahmen der Naturschutzverbände eingehend bearbeitet und ausführlich beantwortet. Es fanden auch mehrere Gespräche statt. Es wurde auch mehrfach das Angebot erteilt, dass ich den Feuerwehrbedarfsplan ausführlich erkläre. Das wurde nicht angenommen.

Was denken Sie, wieso?

Vielleicht möchte ich nicht erfahren, dass sich viele Leute sehr viel Zeit genommen haben, um ein hieb- und stichfestes Dokument auf den Weg zu bringen, um hier etwas wirklich Fortschrittliches und Wirtschaftliches zu gestalten. Man muss auch die Größe haben, anzuerkennen: Meine Idee ist nicht geeignet.

Wurde zu wenig Wert auf Naturschutz gelegt?

Im Gegenteil: Wir haben Standorte auch aus naturschutzrechtlichen Gründen von vornherein ausgeschlossen. Ich habe den Eindruck, dass mehr der Faktor Landschaftsbild hinterfragt wird. Fakt ist, dass die beiden möglichen Standorte gegenüber dem Reiterhof und dem Geflügelhof intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen sind. Und im Gutachten von 2017 wurde auf diesen Flächen zumindest nicht die Wertigkeit wie an den Ortsrändern von Spielberg oder Hohenhaslach festgestellt, die deshalb auch nicht weiterverfolgt wurden.

"Es geht um die Rettung von Menschenleben"

Und was ist mit dem Thema Lärm?

Ich bin absolut überzeugt: Es ist vertretbar, dass dort eine Feuerwehr angesiedelt wird. Wir überlegen parallel, wie wir den Übungs- und Einsatzdienst möglichst verträglich gestalten. Aber wir reden hier von 20 bis 25 Einsätzen im Jahr. Das sind im Monat eine oder zwei Störungen, welche eventuell nachts stattfinden könnten. Man darf nicht vergessen, dass es bei diesen Einsätzen um die Rettung von Menschenleben geht und der Schutz und Erhalt von Natur und Tierwelt ebenso unsere Pflichtaufgabe ist.

Der Nabu mutmaßt, dass dort Ausbildung und Wartung für die gesamte Stadt erfolgen sollen.

Die Angehörigen einer Feuerwehr sind gesetzlich dazu verpflichtet, eine bestimmte Anzahl von Übungsdiensten abzuhalten. Das dient der Sicherheit im Einsatz. Der Übungsdienst beginnt am jeweiligen Standort und endet auch dort. Es ist aber nicht so, dass zwingend jede Übung am Standort selbst stattfindet. Häufig trifft man sich zwar am Feuerwehrhaus, fährt dann aber zu einem Übungsobjekt, das sich in der Nähe befindet. Es wird also kein „Übungscenter“ – und schon gar kein überregionales. Auch kolportierte Sonderfahrzeuge, die ja auch nicht im Feuerwehrbedarfsplan stehen, wird es nicht geben.

Welche Rolle spielt der Faktor Geld bei der Fusion? Man könnte auch die drei bisherigen Standorte ertüchtigen oder dort neu bauen.

Selbst wenn wir eine unwirtschaftliche Sanierung in Angriff nehmen, werden wir beispielsweise in Spielberg erkennen: Allein die Größe der Fahrzeughalle reicht nicht aus für das nächste Fahrzeug, das wir beschaffen müssen – selbst, wenn wir das kleinste nehmen, das der Norm entspricht. Ich kann nicht alles so sanieren, dass es die nächsten 20, 30, 50 Jahre funktional ist. Und mit der Frage denkt man schon wieder nur an Fahrzeuge und Gebäude. Das Wichtigste ist aber: Die Autos müssen belegt sein. Und wenn ich in den Ortsteilen tagsüber das nötige Personal nicht habe, bringt mir die aufwändigste Sanierung nichts. Feuerwehrfahrzeuge müssen immer mit verschiedenen Funktionen besetzt sein, Menschen mit verschiedenen Ausbildungen. Erst dann dürfen sie ausfahren. Die Zusammenlegung hat den großen Vorteil, dass wir das Personal zusammenführen. So können wir auch die Fahrzeuge schneller besetzen.

"Jedes Mal ein Drahtseilakt"

Die drei bisherigen Feuerwehrhäuser sind ja schon jetzt teilweise nicht mehr tragbar. Wie lange darf sich das Thema noch ziehen?

Nehmen wir Folgendes an: Morgens, 10 Uhr, geht ein Notruf mit Einsatzadresse Kirbachtal ein. Dann haben wir aktuell drei Abteilungen von verschiedenen Standorten zu koordinieren. Das ist jedes Mal in Drahtseilakt. Die schnelle Hilfe wird unnötigerweise erschwert. Der Ablauf wäre von einem zentralen Standort aus deutlich effektiver. Nicht zuletzt deshalb muss dieses sinnvolle Projekt so schnell wie möglich umgesetzt werden. Ich möchte nicht den Tag erleben, an dem wir nicht in der Lage sind, zu helfen.

Was würde ein Scheitern des Projekts für die Feuerwehr bedeuten?

Dass die Stadt ihrer Pflichtaufgabe nicht nachkommen kann: eine leistungsfähige Feuerwehr nach den Kriterien des Innenministeriums und des Landesfeuerwehrverbands aufzustellen.

 
 
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