Interview mit Schoofs und McKnight „Ich werde einfach alles vermissen“

Von Andreas Eberle
René Schoofs (links) und Matt McKnight wird man künftig öfters in Zivil sehen. Hier posieren die beiden Steelers-Legenden nach der Auszeichnung durch den SCB-Förderverein vor dem Klubheim mit ihren Ehrenpreisen: Wein und Schinken. ⇥ Foto: Oliver Bürkle

Den Steelers-Legenden René Schoofs und Matt McKnight fällt der Abschied vom Profisport schwer. Ein Gespräch über emotionale Momente, alte Bietigheimer Weggefährten und ihre Zukunftspläne. Von Andreas Eberle

Sie genießen bei den Bietigheim Steelers einen Legendenstatus, nun haben sie Abschied vom Profieishockey genommen: In einem gemeinsamen Interview blicken Rekordspieler René Schoofs und Center Matt McKnight (beide 37) auf ihre Karriere zurück und verraten ihre Zukunftspläne.

Haben Sie schon verinnerlicht, dass Ihre Profikarriere jetzt vorbei ist?

René Schoofs: Ich habe mir darüber schon davor viele Gedanken gemacht. Aber so richtig realisieren werde ich das erst, wenn für mich das normale Berufsleben beginnt.

Matt McKnight: Noch fühlt es sich so an, als ob es wie immer am Ende der Saison ist: Du bist fertig mit spielen und hängst noch ein, zwei Wochen mit deinen Teamkollegen herum. Wahrscheinlich werde ich erst im Sommer, wenn die Vorbereitung losgeht, merken, dass meine Zeit als Eishockey-Profi endgültig Vergangenheit ist. 

Wie haben Sie es empfunden, in Ihrem letzten Karriere-Jahr DEL spielen zu dürfen?

McKnight: Das war großartig. Schon als ich 2013 nach Bietigheim kam, hieß es bei den Steelers immer: Wir wollen in die DEL. Den Aufstieg für den Klub, die Stadt und die Fans erreicht zu haben, war eine aufregende Erfahrung. Es hat viel Spaß gemacht, ein Teil dieser Erfolgsgeschichte gewesen zu sein.

Schoofs: Der sportliche Aufstieg war lange nicht möglich. Als wir es dann 2020/21 im ersten Jahr der Verzahnung zwischen beiden Ligen gleich geschafft haben, hat sich für mich ein Traum erfüllt. In meinem letzten Jahr noch mal DEL zu spielen, war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich bin mega happy, dass die Steelers auch in der nächsten Saison dort wieder antreten.

Im November bekommen Sie ein gemeinsames Abschiedsspiel, bei dem auch Ihre Nummern 5 und 39 unter das Hallendach gehängt werden. Was bedeutet Ihnen diese Ehrung?

Schoofs: Das ist etwas sehr Besonderes. Es hängen bisher erst drei Trikots unter dem Dach – die von Dirk Wrobel, Craig Teeple und Justin Kelly. Ich hatte das Glück, mit allen dreien auch zusammengespielt zu haben. Es ist eine Ehre, diesem Kreis anzugehören. Ich freue mich schon sehr auf unser Abschiedsspiel. Matt und ich werden die beste Mannschaft der Welt zusammenstellen und den Steelers richtig in den Hintern treten (lacht).

McKnight: Eine größere Auszeichnung für einen einzelnen Spieler gibt es nicht. Um ehrlich zu sein, finde ich, dass René eine eigene Zeremonie nur für sich verdient hätte und die große Bühne für sich allein haben sollte – für all das, was er in Bietigheim geleistet hat. Da fühle ich mich tatsächlich etwas schlecht. Es ist eine große Ehre, mit ihm gemeinsam Abschied nehmen zu dürfen. 

Schoofs: Da muss ich jetzt aber einhaken. Ich finde es überhaupt kein Problem, dass wir das gemeinsam machen. Im Gegenteil. Es ist auch für mich eine Riesen- Ehre, dass ich diesen Moment mit ihm teilen darf. Matt ist über die vielen Jahre, in denen wir zusammenspielen, ein super Freund geworden. Seinen Anteil an den Erfolgen der Steelers kann man gar nicht hoch genug schätzen.

Welcher Moment war der emotionalste in Ihrer Bietigheimer Zeit?

McKnight: Auf einen Moment kann ich mich nicht festlegen. Aber die drei Meisterschaften waren schon besonders emotional – vor allem die letzte in Kassel, mit der wir den DEL-Aufstieg perfekt gemacht haben. Als Spieler arbeitest du Jahr für Jahr darauf hin, das letzte Spiel einer Saison zu gewinnen – und mir ist das mit Bietigheim dreimal gelungen, René sogar fünfmal.

Schoofs: Die Meisterschaften waren definitiv die schönsten Momente. Es gibt im Sport nichts Besseres, als sich mit einem Titel für die harte Arbeit während einer Saison zu belohnen. Als besonders emotional habe ich unser letztes Heimspiel gegen Köln erlebt – obwohl wir 1:9 verloren haben. Da waren die Familie und viele Freunde in der Halle. Die Atmosphäre, die das Publikum erzeugt hat, hat mich sehr berührt. Das werde ich nie vergessen.

Was hat dazu geführt, dass Sie im schnelllebigen Profigeschäft so lange in Bietigheim geblieben sind?

McKnight: Es hat natürlich sehr geholfen, dass die Mannschaft immer erfolgreich war. Ich wusste schon bei meinem Wechsel 2013 zu den Steelers, dass ich in ein gutes Team komme. Auch die Stadt ist genial. Hier haben meine Frau und ich unsere Familie gegründet, sind meine Kids geboren und aufgewachsen. Leider denken die Kinder, dass Bietigheim ihr Zuhause ist. Das wird noch hart, wenn wir im Sommer nach Amerika zurückkehren. Die familiäre Atmosphäre ist mit ein Grund, warum viele Profis gern hier spielen oder spielen wollen.

Schoofs: Ich bin ja schon in der Jugend ins Ellental gekommen und hatte hier früh Freunde. Dann wächst man noch mal ganz anders in eine Stadt und einen Klub hinein. Ich sehe es wie Matt: Viele Spieler sind in Bietigheim, weil wir zum einen in den letzten zehn Jahren sehr erfolgreich waren und zum anderen, weil das ganze Umfeld passt. Darum bleiben die Leute gerne hier. Oder wären auch gerne geblieben. Stadt und Klub sind einfach besonders. Ich fand es immer wunderschön hier.

Welche Spieler würden Sie für Ihre Traum-Starting-Six aus all den Jahren beim SCB nominieren?

Schoofs: ,Silo’ Martinovic im Tor, hinten Dirk Wrobel und Doug Andress – und vorne nehme ich Justin Kelly, Brent Walton und Matt.

McKnight: Das ist verdammt schwer. Auch bei mir ist „Silo“ Martinovic der Goalie, dazu die Verteidiger Dominic Auger und Adam Borzecki sowie Marcus Sommerfeld, David Wrigley und Kelly im Sturm. Mit allen habe ich lange zusammengespielt. Sorry Riley Sheen. Mit den 40 DEL-Toren müsste er natürlich in jeder Bietigheimer Traumreihe stehen, aber ich muss an dieser Stelle einfach die alten Jungs nehmen. 

Was werden Sie vermissen, wenn Sie nach so vielen Profi-Jahren künftig nicht mehr auf dem Eis stehen?

McKnight: Ich liebe Eishockey und werde einfach alles vermissen: das Training, die Spiele, das Zusammensein mit den Teamkollegen, die Auswärtsfahrten, die Arena, die Fans. 

Schoofs: Am liebsten würde ich bis zur Rente spielen. Wenn mir jemand einen Vertrag bis zu meinem 65. Lebensjahr hinlegen würde, würde ich sofort unterschreiben. Ich habe eine Riesen-Leidenschaft für den Sport und werde wohl erst dann richtig merken, was mir fehlt, wenn ich mal von oben zuschaue.

Werden Sie noch in irgendeiner Form weiterspielen?

Schoofs: Wenn, dann als reines Hobby. Auch bei den Amateuren wäre es mir fast schon zu professionell. Vielleicht finde ich ein paar Jungs aus der Gegend, die mit mir ab und zu aufs Eis gehen. 

McKnight: Ich habe gar kein Interesse an Hobby-Eishockey. Da bin ich anders als viele Jungs, die ihre Karriere beenden. Entweder als Profi oder gar nicht. 

Wie sieht Ihre Zukunft ohne Profisport aus?

Schoofs: Bei mir gibt es einen Schnitt. Ich habe an der FH in Esslingen Fahrzeugtechnik studiert und bei einem Schwieberdinger Unternehmen den Bachelor gemacht. Ab Juli steige ich dort nun auch als Ingenieur für Systemintegration ein. Im Sommer werde ich außerdem noch meinen Trainerschein machen. Mich reizt es, als Jugendtrainer meine Erfahrungen weiterzugeben, allerdings fern vom professionellen Bereich. Da habe ich keine Ambitionen.

McKnight: Wir haben jetzt einige wichtige Entscheidungen zu treffen. Im Gegensatz zu René habe ich noch keinen Job, der auf mich wartet. Unsere achtjährige Tochter Ava ist noch bis Ende Juli hier in der Schule, dann ziehen wir nach Nordamerika. Wohin es geht, ist noch offen. Meine Frau stammt aus Minnesota, ich aus dem kanadischen Alberta. Wir haben beide Familie vor Ort. Vielleicht geht’s dorthin, wo weniger Winter herrscht (lacht).

Und Ihre berufliche Perspektive?

McKnight: Ich würde gerne weiter etwas mit Eishockey machen, aber möglichst ohne viel reisen zu müssen. Schließlich will ich meine Kinder aufwachsen sehen. Ich bin für fast alles offen. Einen Job als Jugendcoach könnte ich mir zum Beispiel gut vorstellen.

Wie werden Sie den Weg der Steelers künftig verfolgen?

Schoofs: Klar bin ich ab sofort nicht mehr so oft in der Halle wie bisher. Ich werde dort aber sehr gerne immer mal wieder Steelers-Spiele anschauen – mit etwas Distanz und weniger Aufregung. Wir wohnen ja weiterhin ganz in der Nähe in Besigheim, und mein Sohn Elia spielt in der U7. Auch da bleibt also eine Verbindung.

McKnight: Ich bleibe mit den Jungs, mit denen ich zusammengespielt habe, in Kontakt. Dafür ist Social Media wie Instagram und Facebook perfekt. Und „Magenta Sport“ fasst die Highlights von den Spielen immer toll zusammen. Ich werde auch in Amerika ein Steelers-Fan bleiben.

René Schoofs und Matt McKnight in Zahlen

1613 Pflichtspiele haben Allrounder René Schoofs und der kanadische Mittelstürmer Matt McKnight gemeinsam für die Bietigheim Steelers bestritten. Beim SCB-Rekordmann Schoofs waren es in 21 Spielzeiten 1092 Partien (144 Tore, 276 Vorlagen). McKnight lief in neun Runden 521 Mal für den Klub auf (205 Tore, 415 Assists).

 
 
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