Interview mit Steelers-Verteidiger Max Renner In der Quarantäne steigt die Vorfreude

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Eine Szene aus dem Hauptrundenspiel am 18. März in Frankfurt: Steelers-Verteidiger Max Renner (vorne) klärt vor dem früheren Bietigheimer Alexej Dmitriev. ⇥ Foto: Eibner-Pressefoto/Beautiful Sports/Gawlick

Steelers-Verteidiger Max Renner spricht im BZ-Interview über Playoffs in Zeiten von Corona, das Wohlfühlklima am Standort Bietigheim und seinen Ansporn, in die DEL zurückzukehren.

Max Renner ist guter Dinge, dass die Bietigheim Steelers den Löwen Frankfurt bereits zum Viertelfinalauftakt an diesem Freitag (19.30 Uhr/Live auf Sprade TV) einen heißen Playoff-Tanz liefern. „Weder ich noch ein anderer aus unserem Team werden das als Ausrede benutzen“, sagt der 29-jährige Verteidiger mit Blick auf die zweiwöchige Quarantäne, der sich die Mannschaft nach vier Corona-Fällen im Kader unterziehen musste.

Erst seit Sonntag sind die Steelers wieder im Eistraining. Ist das Team nach der Quarantäne und den wenigen Übungseinheiten schon bereit für das Playoff-Auftaktduell gegen Frankfurt?

Max Renner: Ich denke schon. Wir sind generell heiß auf die Playoffs, ob wir nun in Quarantäne waren oder nicht. Umso mehr muss man eben wieder arbeiten, wenn man zurückkommt. Die Zeit daheim hat unsere Vorfreude sogar noch mehr geschürt. Ich habe auch keine Sorgen, dass wir etwas an unserer Fitness eingebüßt haben.

Wie haben Sie und Ihre Mannschaftskollegen sich während der Quarantäne fit gehalten?

Die negativ Getesteten durften im Gegensatz zu den positiv Getesteten zu Hause sportlich etwas machen. Ich bin ja schon länger Profi und weiß, was ich da für meine Fitness tun kann – auch wenn man daheim natürlich nicht die Möglichkeiten hat wie in einem Fitnessstudio. Möglich sind zum Beispiel Übungen mit dem Körpereigengewicht, Kniebeugen, Liegestützen und, nach Rücksprache mit dem Fitnesstrainer, spezielles Core-Training (Trainingsform zur Verbesserung der Körperstabilität und der Koordination durch gezieltes Training der Muskulatur in der zentralen Körperpartie, Anm. d. Red). Da haben wir Spieler dann in der Quarantäne auch die technischen Möglichkeiten wie das Online- Konferenzsystem „Zoom“, Whatsapp oder Videoanrufe genutzt.

Wie schwer wiegt der Nachteil, dass der Viertelfinalgegner im Gegensatz zum SCB praktisch ungestört weitertrainieren konnte?

Vielleicht ist das ein kleiner Vorteil für Frankfurt. Weder ich noch ein anderer aus unserem Team werden das aber als Ausrede benutzen. Da die Endrunde um ein paar Tage nach hinten verschoben wurde, hatten wir in dieser Woche noch genügend Zeit, um im Eistraining Gas zu geben. Vom Kopf her muss man bereit sein, in den wenigen Einheiten, die einem zur Verfügung stehen, immer an die Grenze zu gehen und sich ständig zu verbessern. Der Rest kommt dann von allein.

Welche Rolle spielt in Zeiten von Geisterspielen und Corona der Heimvorteil, den sich Ihr Team während der Hauptrunde fürs Viertelfinale mühsam erkämpft hat?

Ohne Zuschauer gibt es keinen wirklichen Heimvorteil. Aktuell profitierst du als Heimmannschaft allenfalls davon, dass dir die Vorbereitung leichter fällt. Du sparst dir die Anreise, kannst noch dein Training in der Früh machen, dann zu Hause essen und einen Mittagsschlaf machen, statt im Bus zu sitzen. Gerade in den Playoffs hast du normalerweise ausverkaufte Hallen, die Zuschauer peitschen dich nach vorne. Bei Geisterspielen muss die Mannschaft diese Emotionen aus sich selbst hervorzubringen. In Playoffs ist aber sowieso jeder hochmotiviert. Wir haben das schon die ganze Hauptrunde so durchgezogen. In dieser Saison müssen wir da eben einfach alle miteinander durch.

Teilen Sie die Sorge vieler Fans und Funktionäre, dass das Virus auch in den Playoffs zuschlagen und im schlimmsten Fall die Meisterschaft entscheiden könnte?

Natürlich haben wir alle die Corona-Problematik im Hinterkopf. Da braucht man nur auf die Oberliga zu schauen. Da sind zwei Mannschaften wegen positiver Testergebnisse aus den Playoffs ausgeschlossen worden. Die Teststrategie wurde mit Blick auf die Playoffs noch mal deutlich verschärft. Wir werden jetzt viel häufiger getestet, an den Spieltagen wie von der Liga gefordert sogar gleich zweimal – morgens gibt’s einen PCR-Test und am Mittag einen Schnelltest.

Sind Sie in Ihrem privaten Umfeld jetzt noch vorsichtiger, um eine Infektion zu vermeiden?

Wir Spieler tun alles dafür, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, also konsequent Kontakte vermeiden, Abstand halten und Maske tragen. Dinge wie Lebensmittel einzukaufen, lassen sich nicht vermeiden. Ansonsten kann man zurzeit sowieso nicht viel machen, weil alles zuhat. Ich mache mir aber nicht ständig Gedanken darüber, wie ich mich zu verhalten habe. Schließlich müssen wir den Kopf frei haben, um Eishockey zu spielen.

Im Viertelfinale geht es mit Frankfurt gleich gegen einen anderen Aufstiegsanwärter. Hätten Sie sich einen Gegner gewünscht, der „nur“ um die Meisterschaft spielt wie Kaufbeuren, Freiburg oder Ravensburg?

Das wird im Viertelfinale tatsächlich gleich ein richtiger Showdown. Wenn du die Ambition hast, aufzusteigen, musst du jeden Gegner schlagen – egal, wer kommt. Wenn wir unser Bestes geben und Frankfurt besiegen, ist schon einmal ein Aufstiegskandidat weniger im Rennen.

Warum werden sich die Steelers in der Best-of-Five-Serie durchsetzen?

Wir haben endlich mal wieder unseren vollen Kader zur Verfügung und können personell aus dem Vollen schöpfen. Das war bisher in der Saison fast nie der Fall, immer wieder gab es Verletzte, ich inklusive. Unser Team ist qualitativ sehr gut und auch sehr ausgeglichen aufgestellt. Wenn wir das machen, was uns der Trainer vorschreibt, in unserem System spielen und wir den hundertprozentigen Willen zeigen, wird es jedem Gegner schwer fallen, uns zu schlagen.

Wie hat Ihnen bisher ihre erste Saison im Bietigheimer Trikot gefallen?

Ich bin froh, dass ich letztes Jahr die Entscheidung getroffen habe, zu den Steelers zu wechseln. In der Mannschaft wurde ich herzlich aufgenommen, die Eingewöhnung wurde mir sehr leicht gemacht. Einige Spieler kannte ich ja von früher. Mit Benjamin Zientek, Norman Hauner und C.J. Stretch habe ich bereits in Rosenheim zusammengespielt, Cody Brenner war damals mit einer Förderlizenz bei meinem Ex-Klub Straubing im Einsatz, Yannick Wenzel stammt wie ich aus dem Rosenheimer Nachwuchs. Da konnte ich mich im Vorfeld über den Standort informieren und habe nur Gutes gehört – und das hat sich auch bestätigt. Mir gefällt es hier sehr. Bietigheim-Bissingen ist keine große Stadt, aber schon davor habe ich nie in einer Großstadt gespielt. Schade ist allerdings, dass man sich durch den Lockdown nicht einfach mal in ein Café setzen kann.

Das heißt, Sie werden auch in der neuen Saison für die Steelers verteidigen?

Das werden wir noch sehen. Die Vertragsverhandlungen laufen, aber es sieht gut aus. Beide Seiten können sich eine Verlängerung gut vorstellen. Für mich ist das Wohlfühlen ein hohes Attribut, um bei einem Verein zu bleiben. Auch an meiner Vita kann man ablesen, dass ich nicht allzu oft die Klubs gewechselt habe.

Haben Sie den Aufstieg in die DEL im Hinterkopf?

Als ich bei den Steelers unterschrieben habe, war die Aussicht auf die DEL schon auch ein Kriterium. Der Schritt, eine Liga runterzugehen, ist für keinen Sportler leicht – gerade wenn ich auf mein Alter schaue. Es ist für mich ein zusätzlicher Ansporn, noch mal in die DEL zurückzukehren.

Ihr Tipp: Welche vier Klubs ziehen ins Halbfinale ein?

Es ist schwierig, Prognosen abzugeben. Ich möchte das an dieser Stelle auch gar nicht tun. Das Wichtigste ist, dass wir weiterkommen, und da sehe ich gute Chancen. Playoffs sind Playoffs, da beginnt alles wieder bei null – ganz gleich, ob du dich als Erster, als Achter oder über die Pre-Playoffs qualifiziert hast. Wenn du drei Spiele dein bestes Eishockey spielst und gewinnst, bist du eine Runde weiter. Die Kassel Huskies haben zum Beispiel eine brutale Hauptrunde gespielt, treffen jetzt aber auf die Heilbronner Falken, gegen die sie sich meist schwertun. Alles ist offen.

ZUR PERSON

Max Renner hat fast allen Steelers-Profis etwas voraus: Er hat schon in der DEL gespielt. Von 2016 bis 2020 stand der 29-jährige Verteidiger bei den Straubing Tigers unter Vertrag, ehe er zu dieser Saison nach Bietigheim wechselte. Eigentlich stammt Renner aus der Talentschmiede der Starbulls Rosenheim. Für seinen Heimatverein lief er bis Sommer 2016 auf – erst im Juniorenbereich, dann in der ersten Mannschaft. 2012 stand der Rechtsschütze sogar im deutschen Aufgebot für die U20-WM der Division IA. In der Spielzeit 2015/16 erhielt er einer Förderlizenz beim Rosenheimer Kooperationspartner Straubing, ein Jahr später wechselte er ganz zu den Tigers, für die er 188 Erstliga-Partien absolvierte. Im Steelers-Trikot hat er bisher 37 Punktspiele bestritten (3 Tore, 20 Assists). Der Fan des FC Bayern München wohnt mit Freundin Lena und Mischlingshund Johnny in Erligheim. Als Hobbys nennt er Mountainbiken und Fußball.

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