Interview mit Zweitliga-Profi Benedikt Röcker „Mit dem Konzept der DFL kann uns Spielern nichts passieren“

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Benedikt Röcker (rechts) vom SV Wehen Wiesbaden im Zweikampf mit Sven Schipplock vom Zweitliga- Tabellenführer Arminia Bielefeld. Am Sonntag bekommt er es wohl mit Mario Gomez zu tun. Foto: Imago

Vor dem Zweitligaspiel gegen seinen Ex-Klub VfB Stuttgart äußert sich der Löchgauer Benedikt Röcker vom SV Wehen Wiesbaden Im Interview.

Am Sonntag (13.30 Uhr) trifft Benedikt Röcker mit dem Zweitligisten SV Wehen Wiesbaden im ersten Spiel nach der Corona-Pause auf seinen ehemaligen Verein VfB Stuttgart. Im BZ-Telefon-Interview äußert sich der 30-jährige Löchgauer zum Re-Start, den getroffenen Maßnahmen, zum VfB, seinem SV Wehen Wiesbaden und dessen Trainer Rüdiger Rehm.

Herr Röcker, wie groß ist die Freude auf den Re-Start der Zweiten Liga?

Benedikt Röcker: Die ist nach den Wochen des Wartens und den Entscheidungen sehr groß

Finden Sie die Entscheidung richtig, den Spielbetrieb fortzusetzen?

Darüber ist in den letzten Wochen viel gesprochen worden, es wurden viele Meinungen geäußert. Es hängen viele Jobs dran. Ich bin auch Angestellter, und jeder, der in seinen Job zurückkehren kann, ist froh. Über die Umstände und die Art und Weise lässt sich diskutieren. Die DFL (Deutsche Fußball-Liga) hat ein Konzept entwickelt, mit dem uns Spielern nichts passieren kann und die Gesellschaft keinen Schaden nimmt. Es wurden viele Maßnahmen getroffen. Das wissen viele nicht.

Wie haben Sie die Corona-Pause verbracht?

Komplett in Löchgau. Wir mussten ja alle für zwei Wochen in Quarantäne, nachdem einer unserer Spieler positiv getestet wurde. Meine Frau und ich haben versucht, es so positiv wie möglich zu gestalten und haben die Zeit so gut wie möglich genutzt für Dinge, die sonst zu kurz kommen. Unser Garten beim neuen Haus war noch nicht ganz fertig, da habe ich den Landschaftsgärtner in mir entdeckt.

Wie gehen Sie und die Mannschaft damit um, vor leeren Rängen zu spielen?

Ich weiß selbst nicht so genau, was uns erwartet. Das haben wir höchstens mal in der Vorbereitung erlebt. Es fühlt sich ein Stück weit komisch an. Die Fans fehlen, wir vermissen sie, das steht außer Frage. Wir versuchen, das Positive zu sehen. Man hört sicher die Kommandos besser, das wird ungewohnt sein.

Im Hinspiel in Stuttgart hat Ihre Mannschaft mit dem 2:1-Sieg beim VfB für eine Riesenüberraschung gesorgt. Ist eine Wiederholung am Sonntag möglich?

Auf jeden Fall. Wir haben ja in Stuttgart und auch gegen andere Große bewiesen, was wir leisten können. Wir müssen am Sonntag alles investieren und alles reinhauen. Uns erwartet  die spielstärkste Mannschaft der Liga. Wir freuen uns riesig darauf.

Sie haben damals wegen einer Verletzung und einer Sperre gefehlt. Wie schwer war es, ausgerechnet in der Mercedes-Benz-Arena auf der Tribüne zu sitzen?

Ich habe meine Teamkollegen angefeuert.  Die Jungs unten spielen zu sehen, hat mich schon ein bisschen gewurmt. Es war ungewohnt, wenn man sonst als Fan dort die Heimmannschaft in der Bundesliga nach vorne geschrien hat. Aber ich war dann schnell im Tunnel und bin bei unseren beiden Toren aufgesprungen.

Haben Sie noch Kontakt zum VfB?

Nicht mehr so viel. Ich habe mal Mario Gomez getroffen und mit Daniel Didavi geschrieben. Seit Christian Gentner weg ist, ist der Kontakt nicht mehr so eng. Ich verfolge natürlich alles, auch im Jugendbereich, und das wird so bleiben

Steigt der VfB auf?

Das ist aus VfB-Sicht, für die Region und die Fans zu hoffen. Der Verein gehört in die Bundesliga. Nach dem Sonntag, wenn wir die drei Punkte geholt haben, können sie mit dem Punktesammeln anfangen und durchmarschieren.

Die Pause kam für den SV Wehen Wiesbaden nach dem 6:2-Sieg in Osnabrück zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Wenn man es so betrachtet schon, weil wir da so ein bisschen im Flow waren. Es war so, dass wir vor dem Osnabrück-Spiel das Tor nicht so richtig getroffen haben. Und dann haben wir dort fünf Tore in einer Halbzeit und sechs im Spiel erzielt. Wir haben die Zeit aber jetzt auch als Mannschaft gut genutzt und bereiten uns auf den Sonntag vor. Es ist dann schon wieder etwas anderes, wenn man wieder im Wettkampf ist.

Ihr hattet am Anfang Probleme in der Zweiten Liga, aber dann lief es richtig gut und die Chancen auf den Klassenerhalt sind sehr gut. An was lag‘s in den ersten Spielen, musstet ihr euch an die Liga gewöhnen?

Es war schon eine schwierige Phase mit nur einem Punkt aus sieben Spielen. Das kratzt schon am Selbstvertrauen. Das Mentale ist im Fußball sehr wichtig. Kann sein, dass wir uns in der Liga zurecht finden mussten. Es gab aber auch viele Spielen, in denen wir Pech hatten. Hut ab vor der Mannschaft, dass wir in dieser Phase Ruhe bewahrt haben, genau wie der Verein. Wir haben uns zusammengerauft und uns in eine gute Position gebracht. Das zeigt auch mentale Stärke. Jetzt wollen wir es ab Sonntag weiter positiv gestalten.

Sie kennen Trainer Rüdiger Rehm, der aus der Nähe von Heilbronn  stammt, aus gemeinsamen Zeiten bei der SG Sonnenhof Großaspach. Wie ist das Verhältnis zu ihm?

Wir haben ja in Großaspach zusammengespielt, er war dort auch kurz mal mein Spielertrainer. Wir kennen uns schon lange und haben auch den selben Berater. Der Trainer hatte auch einen großen Anteil daran, dass ich mich für Wehen Wiesbaden entschieden habe. Er ist wie schon als Spieler sehr ehrgeizig und sehr leidenschaftlich. Das verkörpert er auch als Trainer sehr gut.

Ihr Vertrag beim SV Wehen Wiesbaden läuft bis 2021. Gibt es auch schon Pläne für die Zeit nach der Karriere, kommt vielleicht sogar eine Rückkehr nach Löchgau infrage?

Also nach Löchgau komme ich auf jeden Fall zurück, denn ich habe ja dort gebaut. Ob das dann auch sportlich ist, oder nur zum Wohnen, das weiß ich noch nicht. Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, was in zwei, drei Jahren ist.  Ich habe gelernt, dass der Fußball ein schnelllebiges Geschäft ist. Fakt ist, dass ich beim SV Wehen Wiesbaden einen Vertrag bis 2021 habe und mich hier sehr wohl fühle. Mannschaft, Verein und ich sind gerade in einer entscheidenden Phase, die Liga zu halten. Das ist mir sehr wichtig. Ich fühle mich fit und fühle mich gut, alles andere wird die Zukunft zeigen.

Sie kennen ja auch die lokale Fußballszene in Ihrer Heimat. Was halten Sie davon, die Saison im Amateurbereich abzubrechen?

Das ist auch ein schmaler Grad. Da gehen die Meinungen auch wieder auseinander. In so einer Situation muss die Gesundheit an oberster Stelle stehen. Ich würde mir wünschen, dass der Fußball so schnell wie möglich wieder Fuß fassen kann.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
 
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