Jäger „unterrichten“ Bönnigheimer Drittklässler Ein Klassenzimmer unter Bäumen

Von Helena Hadzic
Matthias Grünenwald von der Jägergemeinschaft Bönnigheim-Hofen hatte die Drittklässler der Ganerbenschule zum „Rollenden Klassenzimmer“ an die Florianshütte eingeladen.⇥ Foto: Oliver Bürkle

An der Florianshütte haben Jäger 60 neugierigen Grundschulkindern den Lebensraum des Waldes nähergebracht. 

„Vor Ort in der Natur kann man Kindern die Natur am besten vermitteln“, sagt Manja Grünenwald von der Jagdpächter Familie Grünenwald aus Bönnigheim-Hofen, die gemeinsam mit ihrem Mann Matthias und anderen Jägern 60 wissenshungrigen Drittklässlern der Ganerbenstadt Bönnigheim an der Florianshütte etwas über die Natur und ihre Bewohner erzählt hat. Auch Bürgermeister Albrecht Dautel und Stadtkämmerer German Thüry warfen einen Blick auf die Entdeckungstour im Grünen.

Vier Gruppen unterwegs

„Das rollende Klassenzimmer“ war dabei ein spielerischer Unterrichtsort mit verschiedenen Stationen, die die Kinder durchlaufen sollten. Die Schülerinnen und Schüler wurden zunächst in vier Tier-Gruppen mit jeweils 15 Kindern eingeteilt, die dann die dazugehörigen Anstecker erhielten: Ein paar zusätliche Rehe, Igel, Füchse und Eichhörnchen tummelten sich also in einem Klassenraum unter freiem Himmel. Die Jagd nach Informationen wurde von Jäger Alfred Reichert mit dem klassischen Signal „Begrüßung“ auf dem Parforcehorn eingeläutet.

An der ersten Station erzählte Matthias Grünenwald etwas zum Thema Gehirne und Gebisse der Tiere sowie dessen Unterschied zwischen Fleisch- und Pflanzenfressern. Dies verbildlichte er mit Plakaten,Tierpräperaten und Geweihen, die an dem „Lernort-Natur-Anhänger“ ausgestellt und aufgehängt waren, den die Familie Grünenwald von der Jägervereinigung Ludwigsburg zur Verfügung gestellt bekommen hatte. Grünenwald fragte die Schüler: „Wann jagen Eulen?“, und ein Schüler rief begeistert: „Natürlich bei Nacht!“.

Nach 20 Minuten wurde der Unterricht mit dem erneuten Ertönen des Parfocehorns beendet und die Kinder gingen in ihren Gruppen zur nächsten Station. Der zweite Halt wurde von Manja Grünenwald begleitet, die den Schülerinnen und Schülern den Lebensraum des Waldes näherbrachte und über die verschiedenen Bäume des Waldes informierte. Darauf folgte als Höhepunkt, die dritte Station mit einem Parkour, an der mit Unterstützung von Jäger Harald Dreißigacker die tierischen Bewohner unter die Lupe genommen wurden, auch mithilfe weiterer Tierpräparate von Hasen bis Füchsen. Gespannt fragten die Kinder, wie viele Rehe Dreißigacker schon erlegt habe und er antwortete: „Bestimmt 500 Rehe in den letzten 40 Jahren“, was die wissenshungrigen Kinder ins Staunen versetzte. Die abschließende Station stand im Zeichen der Tierfelle und Fellwechsel. Eberhard Grünenwald zeigte den Kindern auch echte Felle und erklärte, wie die Farben zustande kommen und aus welchen Fellen Leder hergestellt werden könne. Eine Schülerin erkannte auf den ersten Blick, dass ein Dachsfell dabei war und heimste sich Lob ein. Mit dem Signal des Jagdhorns „Die Jagd ist vobei“ wurde  die Lehrstunde bei gutem Wetter beendet.

Lebensraum Wald entdecken

Für Manja Grünenwald ist diese Vermittlung von Tier und Natur wichtig. So könne den Kindern auf spielerische Weise der Einklang von Natur und Wirtschaft im Sinne der Nachhaltigkeit vermittelt werden, aber auch wie spannend der Lebensraum Wald ist. Gerade in der heutigen Zeit sei es wichtig, so Manja Grünenwald, dass die Kinder wieder in die Natur kommen und sie hautnah erleben. „Als Jäger möchten wir die Basis stärken, indem wir Wildlebensräume pflegen und seltene Tierarten schützen“, erklärte Grünenwald, „Diese Leidenschaft wollen wir weitergeben“. Diese Begeisterung zeigte sich zum Ende der Unterrichtsstunde auch in den Gesichtern der Kindern.

 
 
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