Jahresgespräch Freudental „Wir müssen uns für die Zukunft gut aufstellen“

Von Gabriele Szczegulski
Bürgermeister Alexander Fleig auf dem Weg zum Birkenfeld, wo im kommenden Jahr ein Naturkindergarten entsteht. Foto: /Martin Kalb

Der Freudentaler Bürgermeister Alexander Fleig freut sich vor allem über viele Geburten und den Zuzug junger Familien. Die Investitionen in die Zukunft seien deswegen äußerst wichtig.

Fünf Kinder wurden innerhalb von drei Monaten in Freudental geboren, weitere drei kamen am Jahresende hinzu – für den Bürgermeister der kleinsten Gemeinde des Landkreises, Alexander Fleig, ein Grund zur Freude. „Freudental wird jünger, das sehen wir an einer für Freudental hohen Geburtenrate und am Zuzug vor allem junger Familien mit kleinen Kindern, vor allem ins neue Wohngebiet Alleenfeld.“ Deshalb sei das Wichtigste, „die Kommune für die Zukunft zu rüsten, damit der Ort für alle Bürger ein attraktiver Wohnort“ bleibt, so Alexander Fleig.

Gesamtbilanz

„Wir haben in 2022 relativ viel weiter entwickelt, obwohl die Rahmenbedingungen schwierig sind, also ist meine Gesamtbilanz durchaus positiv“, so Fleig. Das Wohngebiet Alleenfeld sei übergeben worden, alle Bauplätze seien verkauft und „sichern damit die Zukunft Freudentals“. Ein Meilenstein sei die Eröffnung des Penny-Marktes gewesen – „für Freudental eine große Nummer“, der die Nahversorgung des Ortes gewährleiste.

Das Nahwärmenetz sei weiter ausgebaut worden und bringe seit November Wärme ins Alleenfeld. Durch die Nutzung dreier Energieträger – Flüssiggas, Pellets und Heizöl, sowie ab 2023 der Energie durch das geplante Solarthermie-Feld und auch eine künftige Luftwärmepumpe – sei gesichert, so Fleig, dass „Freudental immer warm ist“. Auch das Thema Windkraft werde die Gemeinde weiter verfolgen, auch wenn auf der eigenen Gemarkung keine Fläche für Windkraft vorgesehen sei.

50 Gebäude im Bestandsgebiet Freudentals seien schon an die Nahwärme angeschlossen, 60 Haushalte im Alleenfeld kommen hinzu, 40 weitere Anträge liegen der Verwaltung vor, sodass man 2023 mehr als 150 Haushalte am Nahwärmenetz habe. Deshalb werde die Kommune auch die Anträge weiter fördern und habe dafür auch für 2023 schon 30 000 Euro in den Haushalt eingestellt.

Ein Meilenstein sei auch der Beginn der Sanierung des Rathauses gewesen, „der größte finanzielle Brocken auch im kommenden Jahr“.

Haushaltslage

Die Verschuldung der Gemeinde liegt bei rund 2,5 Millionen Euro im Kommunalhaushalt und bei 1,5 Millionen Euro für den Eigenbetrieb Versorgung, „das ist für eine kleine Gemeinde wie Freudental sehr hoch“. Aber: „Wir finanzieren die Zukunft und haben Gegenwerte geschaffen“, sagt Fleig. Größte Investition war und wird 2023 die Sanierung des Rathauses mit insgesamt 2,4 Millionen Euro, wobei 1,2 Millionen Euro Zuschüsse abgezogen werden müssten. Ins Nahwärmenetz habe man 900 000 Euro investiert, weitere 1,2 Millionen Euro sind unter anderem für das Solarthermie-Feld im kommenden Jahr geplant.

Grundsätzlich sei die Finanzlage der Gemeinde zwar nicht gut, aber auch nicht „besorgniserregend“, so Fleig. Jedoch müsse man 2023 jedes Sparpotenzial, das sich bietet, nutzen. „Wir halten auch immer 20 Prozent der Haushaltsfinanzen zurück, die nur bei dringendem Bedarf angetastet werden“, so der Bürgermeister.

Sorgenkinder

2 Millionen Euro habe man auch in Asyl- und Obdachlosenunterkünfte investiert, in dem die Gemeinde Gebäude oder Wohnungen erworben habe. 100 000 Euro habe man vom Land bekommen. „Aber jetzt ist das Ende der Fahnenstange erreicht, wir stoßen an die Grenzen“, sagt Fleig. Wenn 2023 weitere Flüchtlinge zugewiesen werden, müsse man auf die Schönenberghalle zurückgreifen, dafür habe man schon erste Vorkehrungen getroffen.

Obwohl Freudental seine Aufnahmepflicht erfüllt habe, erwarte man im Januar 15 bis 20 weitere Flüchtlinge. In der Schönenberghalle könne man 30 bis 40 Personen unterbringen. Da Freudental noch die Sporthalle habe, so Fleig, sei der Schulsport und auch – eingeschränkt – der Vereinssport gesichert. Aber Sorgen mache ihm die in der Gaststätte der Schönenberghalle untergebrachte Mensa, die dann wohl nicht mehr zur Verfügung stehe.

Ausblick 2023

Viel Neues komme im nächsten Jahr nicht, die meisten Projekte würden fortgeführt wie die Sanierung Rathaus oder der Ausbau des Nahwärmenetzes. Der Bau des Solarthermie-Feldes sei ein großer Schritt. Beschäftigen werde die Gemeinde aber auch die Kinderbetreuung, die vor allem für Kinder unter drei Jahren ausgebaut werden müsse. „Wenn wir wollen, dass Kinder bei uns geboren werden und Familien mit Kinder sich ansiedeln, dann müssen wir in deren Betreuung investieren“, sagt Fleig. Als erstes werde der Naturkindergarten im Birkenfeld mit vorerst einer Gruppe gebaut. Eine zweite soll folgen. Zudem werden man aus dem Kindergarten Rosenstraße eine Gruppe in das evangelische Gemeindehaus versetzen, sodass in der Rosenstraße eine weitere U-3-Gruppe entstehen könne. Am Kindergarten Taubenstraße werde 2023 ein Neubau begonnen.

Persönliche Aussichten

„Dass die Dorfgemeinschaft sich wieder treffen kann ist für mich die schönste Aussicht“, sagt Fleig. Beim ersten Naturparkmarkt in Freudental, der Bürgerehrung oder dem Adventsmarkt habe er „eine tiefe Zusammengehörigkeit und Solidarität“ gespürt. „Da denke ich dann, in Freudental lässt sich alles schaffen.“ Er persönlich freue sich deshalb auf die Gewerbeschau im März und das Straßenfest im Juli. Zudem stehe das kommende Jahr unter dem Eindruck von 300 Jahre jüdisches Leben in Freudental. Der Arbeitskreis Erinnern und Gedenken, und das Pädagogisch-Kulturelle Centrum Ehemalige Synagoge (PKC) planten jetzt schon Veranstaltungen. Es werde Ende November zum zweiten Mal ein Nachfahrentreffen in Freudental geben sowie einen Festakt.

Da das Bürgermeisterbüro derzeit im Keller in einem der Gemeinde gehörenden Haus in der Gartenstraße untergebracht sei, genieße er es, zwischendurch auf die Felder zu laufen, „da hole ich mir Energie“, sagt Fleig.

 
 
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