„Die Freiwiligkeitsleistungen machen einen Ort aus“, betont Gemmrigheims Bürgermeister Dr. Jörg Frauhammer und blickt dabei mit Sorge auf die angespannte Haushaltslage, die auch die Gemeinde zu Kompromissen in den kommenden Jahren zwingen wird. Noch 2024 lag Gemmrigheim weit vorne, was die Steuereinnahmen der Gemeinden im Kreis betraf, doch mit dem Haushalt 2025 sei ein „riesiges Defizit“ entstanden. „Die Umlagen laufen uns davon. Das Defizit steigt“, sagt Frauhammer. Einsparungen werden kommen, die auch die Vereine treffen. Die „sehr umfangreiche Infrastruktur, wie die Festhalle und Kelter, die Sportplätze und -hallen, muss gepflegt werden“, so der Bürgermeister.
Jahresgespräch Gemmrigheim Große Einschnitte werden kommen
Gemmrigheim sei in den letzten Jahren gewachsen, das koste viel Geld, so Bürgermeister Jörg Frauhammer.
Einschnitte, aber wo?
In den vergangenen 15 Jahren sei die Gemeinde stark gewachsen, durch viele Familien, die zuzogen. Dadurch seien auch die Personalkosten für die Gemeinde ein großer finanzieller Faktor geworden, da der Bedarf an Kinderbetreuung deutlich gestiegen sei.. „Noch ist nicht klar, wo die großen Einschnitte kommen werden“, sagt Frauhammer.
Dies wird allerdings sein Nachfolger beziehungsweise seine Nachfolgerin begleiten müssen, denn Frauhammer hatte im vergangenen Jahr mitgeteilt, dass er für die nächste Wahl im April nicht mehr kandidieren werde. Gerade der Umgang beim Thema Grundschule hat in zu diesem Entschluss veranlasst (die BZ berichtete). „Ich habe gemerkt, dass ich mit Fakten einfach nicht mehr durchkomme. Meinung schlägt Fakten, deshalb war für mich klar, dass ich so nicht mehr weiter arbeiten kann“, erklärt Frauhammer.
Zwar sei er bei der Wahl damals nur angetreten, weil er auch vorhatte, sich für eine zweite Amtszeit zu bewerben, doch das habe sich mit den Querelen um die Grundschule geändert. „Ich habe nie Dank erwartet für das, was ich tue, aber wenn auch der Respekt gegenüber dem Amt fehlt und die Meinung herrscht – Recht gilt nur, wenn es mir hilft, dann wird es einfach schwierig“, beschreibt Frauhammer die teilweise angespannte Situation. Ihm fehle „die Basis“ fürs Weitermachen. Trotzdem wird ihm der Abschied nicht leicht fallen. Der studierte Chemieingenieur schätzt besonders das ehrenamtliche Engagement der vielen Vereine in der Gemeinde, auch mit ihnen habe man vieles auf den Weg bringen können. „Man kann hier was bewegen. Viele machen mit“, lobt der Bürgermeister das Engagement der Bürgerschaft.
Und trotz der schwierigen Finanzlage werde in diesem Jahr so einiges umgesetzt, für das die Weichen bereits in den Jahren zuvor gestellt wurden, wie zum Beispiel der Umbau zu barrierefreien Bushaltestellen, die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED und mehr Einsatz von regenerativen Energien.
Für Frauhammer war 2023 das „Jahr des Wartens und das setzte sich 2024 und 2025 auch so fort“. „Wenn ein Antrag ein Jahr lang bei einer Behörde liegt und nichts passiert, da wird man unglaubwürdig“, sagt Frauhammer. Genau dies sei zum Beispiel beim Antrag für die barrierefreien Bushaltestellen der Fall gewesen. Auf Nachfrage der Verwaltung habe die zuständige Behörde beim Landratsamt nicht einmal sagen können, wo sich der betreffende Antrage befinde, das sei sei frustrierend gewesen.
Schwierige Finanzsituation
Doch vieles sei auch gut gelaufen: Der Anspruch auf Kinderbetreuung sei erfüllt, das Krisenmanagement der Gemeinde sei „prima“ und auch die Unterbringung von Flüchtlingen habe funktioniert.
Der Gemmrigheimer wünscht sich für die Wahl im April „gute Bewerber und einen fairen Wahlkampf“. Und für den Nachfolger oder die Nachfolgerin hofft er, dass sich noch etwas bei den Kompensationszahlungen für das atomare Zwischenlager in der Gemeinde tut.
Die Untersuchung für die Schulsanierung steht im zweiten Quartal 2026 an. Wie es dort mit den Kosten weitergehe, auch mit Blick auf die Tatsache, dass das Gebäude ein Kulturdenkmal ist, werde dann der Nachfolger in den Blick nehmen müssen.
Wie es für Frauhammer ab Juli weitergeht, das weiß der 62-Jährige noch nicht. „Ich werde auf jeden Fall den Luxus haben, mich nur noch im mich selbst zu kümmern“, sagt er.
