Jahresgespräch „Halli Galli“ im Ortskern in den nächsten Jahren

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Bürgermeister Jürgen Scholz im Sitzungssaal des Sersheimer Rathauses. ⇥ Foto: Martin Kalb

Die Umgestaltung des Sersheimer Zentrums geht auch 2020 weiter. Bürgermeister Jürgen Scholz prangert erneut den ÖPNV an.

Wir machen, aber schwätzen nicht immer drüber“, sagt Jürgen Scholz. Der Sersheimer Bürgermeister blickt auf ein Jahr mit vielen Projekten und wenig Unvorhergesehenem zurück.

Gesamtbilanz für 2019: „Eigentlich hat alles so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagt Scholz zufrieden mit Blick auf die vergangenen zwölf Monate, „unsere Baustellen laufen planmäßig.“ Auch die beiden neuen E-Ladesäulen werden gut angenommen. Zufrieden ist Scholz auch mit der Bürgerbeteiligung zum Gemeindeentwicklungskonzept. Das wird am 4. Februar 2020 mit einer Informationsveranstaltung seinen Abschluss finden. „Insgesamt war die Beteiligung überdurchschnittlich hoch, auch repräsentativ“, lobt er. Bei der einen oder anderen Idee hätte er aber schon schmunzeln müssen.

Die wichtigsten Investitionen 2019: In der kleinen Gemeinde sind aktuell mehrere innerörtliche Großprojekte im Gange. Bei der Sanierung der Talstraße läuft „im ersten Abschnitt der letzte Abschnitt in Richtung Industriestraße“. Auch die gemeindeeigene Baumaßnahme in der Sedanstraße sei „im Plan“, sowohl zeitlich als auch kostentechnisch (3,1 Millionen Euro). In den nächsten Monaten sollen mit dem Gemeinderat Vergabekriterien für die 16 Mietwohnungen erarbeitet werden. „Wir haben genügend Leute auf der Warteliste“, betont Scholz. Die Mieten sollen unter dem ab Januar neu eingeführten Sersheimer Mietspiegel liegen. Ende September soll alles fertig sein.

Die Haushaltslage zum Jahresende:  „Gut“, seien die Finanzen der Gemeinde, sagt Scholz kurz und knapp. Die 3,1 Millionen Euro für die städtischen Wohnungen können beispielsweise aus den liquiden Mitteln finanziert werden. „Das Einnahmen-Ausgaben-Verhältnis passt“, ist der Bürgermeister zufrieden, auch weil nach wie vor die „Sparkasse Eichwald“, jährlich ordentliche Summen an die Mitgliedskommunen ausschüttet. Ein wirtschaftlicher Abschwung würde Sersheim zunächst nicht so stark treffen. „Wir haben traditionell nicht so viel Gewerbesteuer wie andere, sagt Scholz zu den 1,7 bis 2 Millionen Euro im Jahr. „Damit kommen wir auch hin.“ Vielleicht bekomme man in Zukunft Probleme, die Abschreibungen zu erwirtschaften. „Aber da bin ich entspannt.“ Die Liquidität liegt zum Jahresende bei rund 4,5 Millionen Euro. „Das ist aber eine Momentaufnahme“, betont Scholz. Das meiste Geld kommt von verkauften Bauplätzen im Gebiet Schöllbrunnen.

Die Aussichten für 2020: Besagte Einnahmen aus Grundstücksverkäufen fließen 2020 direkt wieder in das Wohnbauprojekt Sedanstraße. „Die Mittel fließen nächstes jahr fast komplett ab, wir haben fast keinen Puffer, brauchen aber auch keine Kredite“, so Scholz. „Die Projekte sind alle durchfinanziert.“

Die wichtigsten Projekte im neuen Jahr: Auf dem Areal des ehemaligen Feuergerätehauses lege die Bietigheimer Wohnbau demnächst los mit ihrem Projekt. „Das wird einschneidende Veränderungen geben, weil die Schlossstraße dann für den Durchgangsverkehr gesperrt ist“, erinnert Scholz.

Richtig losgehen soll es 2020 auch mit der Umgestaltung des Markts: Barrierefreiheit, Zebrastreifen und vor allem: ein modernes Gesicht und kein 1980er-Jahre-Charme, wie es Scholz ausdrückt. Ursprünglich hatte man gehofft, hier schon 2019 vieles umsetzen zu können. Doch die Planung mit Behindertenbeauftragtem, Bürgern und Planern habe sich hingezogen, so Scholz. Der erste Abschnitt ist angelaufen, für den zweiten soll in Kürze die Ausschreibung erfolgen, im dritten wird dann die Kurve der Sedanstraße neu ausgerichtet. 2022 soll alles fertig sein.

In Verbindung mit dem Umbau will Scholz dem Zentrum auch eine „Corporate Identity“, eine gemeinsame Identität geben. „Wir versuchen, alle Aspekte einzubinden: Material, Wege, Parkplätze“, betont Scholz. Zum Beispiel mit einem Lichtsystem, in das auch die Ladenbesitzer miteinbezogen sein sollen.

All das werde „eine Herausforderung in den nächsten drei Jahren, meint der Schultes, „da wird schon noch mal richtig Freude aufkommen in der Baustellenlogistik. Und es wird sicher auch einige Bruddler geben.“ Seit rund zwei Jahren weise man bereits auf die bevorstehende Einschränkungen hin. Hinzu kommt der Ausbau der Fernwärmeversorgung. „Das kommt auch noch in die Straße rein, da ist dann schon richtig Halli Galli. Aber das muss sein, dann ist hoffentlich für 40 Jahre Ruhe“, meint Scholz.

Persönliche Wünsche fürs kommende Jahr: „Ich bin zufrieden, wenn es so weitergeht wie 2019“, meint Scholz. Sicher werde es aber den einen oder anderen Aufreger geben, zum Beispiel wie sich die Kommunen des Zweckverbands zur Zukunft des Eichwalds positionieren werden. „Wir versuchen aber, alles ruhig und gelassen fortzuführen.

Sorgenkinder der Kommune: Negativen Nachhall findet in Sersheim immer noch das neue Angebot des Metropolexpress, der die alten Regionalzüge der Deutschen Bahn ersetzt „Der Park-and-Ride-Platz am Bahnhof war früher immer voll. Jetzt ist er teilweise halb leer“, ärgert sich Scholz über das aus seiner Sicht verschlechterte Angebot. Ebenfalls beim Thema ÖPNV bemängelt er den Busverkehr in den Eichwald. „Warum haben wir das beim neuen Buskonzept vergessen?“, fragt er sich. „Dort sind bald 2000 Arbeitsplätze, und dann hängt man den ab vom ÖPNV, das verstehe ich nicht.“ Da habe man eine echte Chance vertan, auch wenn man mit den Bussen anfangs wohl „viel Luft“ transportiert hätte.

 
 
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