Jahresgespräch „In Hessigheim haben wir keine Probleme“

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Der Hessigheimer Bürgermeister Günther Pilz an seinem Schreibtisch.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Der Hessigheimer Bürgermeister Günther Pilz beschreibt seine Kommune gleichsam als eine Insel der Seligen.

Ein Jahr der Planung, so Bürgermeister Günther Pilz, liege hinter ihm und der Gemeinde Hessigheim. In seiner Gesamtbilanz für das Jahr 2019 spielt die Kommunalwahl eine besondere Rolle, sorgte sie doch dafür, dass von den zehn Gemeinderäten vier neu in das Gremium kamen. Die Handvoll Mitarbeiter in dem kleinen Rathaus – statistisch 5,5 Stellen – war wegen der Wahl in ihrer normalen Arbeit allerdings auch rund drei Monate blockiert, so dass das eigentliche Rathausgeschäft etwas zu kurz kam.

Themen des Jahres waren der neue Flächennutzungsplan im Gemeindeverwaltungsverband Besigheim und der Ausbau der Kinderbetreuung. Hierzu holte man sich die Expertise eines Beraters. Er bescheinigte der Kommune, sie habe einen Nachholbedarf bei der Betreuung der über dreijährigen Kinder. Daraus erwuchs die Idee eines Waldkindergartens, die 2020 umgesetzt werden soll. Der geplante Ausbau des Kindergartens Trollingerstraße kann dafür entfallen.

Kurz vor Jahresende konnten endlich die Satzungsbeschlüsse zu den Baugebieten „Westlich der Seitenstraße“ und „Südöstlich der Felsengärten“ gefasst werden. Die dadurch mögliche Arrondierung am nördlichen Ortsrand ist für Günther Pilz „eine gute Geschichte“. Im Rathaus zeitigte das Verwaltungsgutachten aus dem Jahr 2018 erste Ergebnisse. Büros wurden verlegt und dem Rathaus wurde eine halbe Stelle mehr – sechs statt 5,5 Stellen – zugebilligt.

Die wichtigsten Investitionen 2019 fanden im Kindergarten Angelgasse statt. 120 000 Euro – „nicht so wahnsinnig viel“, wie Günther Pilz meint – kostete die Grundsanierung mit Fluchttreppe und neuer Küche. Ansonsten gab es eine Reihe kleiner Maßnahmen. Insgesamt wurden lediglich 400 000 Euro investiert.

Die Haushaltslage zum Jahresende sei als gut zu bezeichnen, berichtet Günther Pilz. Allerdings gingen die Einnahmen der Gemeinde zurück. „Es wird nicht so positiv bleiben, wie es sich in den ersten zwei bis drei Jahren nach der Umstellung auf das neue Finanzwesen angelassen hat“, schätzt der Bürgermeister. „Unser Gesamtergebnis krebst immer so knapp über dem Nullpunkt herum.“

In den vergangenen Jahren musste die Gemeinde keine neuen Schulden aufnehmen. Ob das 2020 so bleibt oder ob man auf die vorgesehene Kreditermächtigung von 300 000 Euro zurückgreifen muss, ist für den Bürgermeister noch nicht abzusehen. Immerhin will Hessigheim in diesem Jahr rund 1,8 Millionen Euro investieren. Davon entfallen 900 000 Euro auf Erschließungskosten für das neue Baugebiet am nördlichen Ortsrand. Dagegen stehen Vermögenswerte in Form von Bauplätzen.

Bei den Aussichten für 2020 verweist der Bürgermeister auf den hohen Druck, der nach wie vor auf der Kinderbetreuung liege. „Die Mittel werden knapp und selbst wenn nicht, wird das Personal knapp.“ Der für 2020 geplante Waldkindergarten habe auch schon wieder zwei zusätzliche Personalstellen zur Folge.

Die wichtigsten Projekte 2020 sind die Erschließung der neuen Baugebiete – erstmals in Hessigheim wird ein externer Partner mit dieser Aufgabe betraut – und Investitionen in den Kindergarten Trollingerstraße. Er erhält für insgesamt eine halbe Million Euro eine neue Küche und eine Mensa sowie neue Personalräume.

Ein Projekt, das nicht nur alle Hessigheimer betrifft, wird in Verantwortung des Landkreises durchgeführt. Die Kreisstraße K 1677, die Hessigheimer Ortsdurchfahrt, soll saniert werden. Hierfür werden die Gartenstraße und die Besigheimer Straße abschnittsweise voll gesperrt werden müssen. Ein anderes Projekt betrifft eher die Landwirtschaft: Die Besigheimer Wasserversorgungsgruppe wird auf den Hessigheimer Äckern für 900 000 Euro eine neue Wasserleitung vergraben.

Mit seinen Wünschen für 2020 gibt sich der Hessigheimer Schultes bescheiden: „Wir brauchen kein Lob, aber es ist schön, wenn man eine gewisse Zufriedenheit unter der Einwohnerschaft mit der Arbeit von Gemeinderat und Verwaltung wahrnimmt.“

Angesprochen darauf, ob es spezielle Sorgenkinder in der Gemeinde gebe, erklärt er frank und frei, man habe keine größeren Probleme, eigentlich habe man überhaupt keine Probleme. Dass Hessigheim keine Chance habe, einen Lebensmittelmarkt in den Ort zu bekommen – für die großen Discounter-Ketten wird das Dorf erst ab 6500 Einwohnern interessant – hätten die Hessigheimer inzwischen akzeptiert.

Und zu einem anderen Problem, das in anderen Kommunen, nicht aber in Hessigheim, in der Vergangenheit die Gemüter beschäftigte, die Unterbringung von Flüchtlingen, ist aus dem Munde des Bürgermeisters zu vernehmen: „Völlig problemlos.“ Günther Pilz würdigt ausdrücklich die Arbeit der stillen Helfer des örtlichen Asylkreises, der zusammen mit der Caritas regelmäßig im Rathaus Beratungstermine für die rund 40 Flüchtlinge in Hessigheim anbietet.

 
 
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